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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Metropolitischer Problem-Humor, Teil II

Ach. (Neulich erst gelernt habend, dass Loriot es war, der das „Ach, … was!?“ in den deutschen Sprachgebrauch einführte.)

Humor, das können se doch nicht. Eigentlich wissen sie es ja auch. „Freunde der Südsee“ gilt schon als Meisterleistung. Die Sache mit Zeigler, die hatte was.

Das einfach zu kopieren, hier, Stani, noch nen Zwanni extra, mach doch mal was, dass man nicht mehr so viel über die Tröten redet, das bringt doch nix. Da sitzt er da, der arme Starke, eingeblendet als kleines Fenster, so klein wie sein Licht eben auch ist, und hört zu, wie Stani die Extrascheine von seinem Chef, jetzt mach doch mal was, wir brauchen PR, wir brauchen Ablenkung, verbal verdienend einsteckt.

Lustig ist das nicht, weil Fußballer nie lustig sind.

Aber es muss ja was getan werden. Dann also eine schlechte Zeigler-vs-Kloppo-Kopie, bei der nachherhin Jessica Kastrop nur schlappe drei Mal auf die Pointe in Stanis Statement hinweist und damit endgültig den letzten Rest an Witzischkeit hat keine Grenzen tötet.

So ist das im Fußball. Das Gute daran ist, dass niemand Fußball schaut, um Witze zu erwarten. Nicht mal Oliver Welke, der geht, immerhin, in eine andere Show inzwischen, um dann Witze zu machen.

Wer seine Pointen vier Minuten lang auswälzt, ohne welche zu haben, der zerstört, zum Glück, den Auftrag, wir brauchen PR, wir brauchen Ablenkung.

So gelungen wie alles bislang, was aus Hoffenheim abseits des Platzes kam.

„Er hat mir mit einer Pfanne eine Rippe gebrochen.“

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Es hat sich nichts geändert

Letztens führte ein Student eine Untersuchung durch, ob die Medien seit dem Fall von Robert Enke kritischer oder weniger kritisch über den Fußball berichteten. Heraus kam: Noch kritischer, vor allem diffamierender („Torwart-Trottel“) als früher.

Beim Bildblog ist es neuer Sport geworden, die Notenvergabe der Bild aufzulisten und zu kritisieren (was insofern berechtigt ist, als diese sich selbst dahingehend geäußert hatte, mit den Noten verantwortlicher umzugehen).

Die FR spekuliert, dass es die „besonders Empfindsamen“ träfe, wenn es um Depressionen gehe. Die offensichtlich ihrer Ansicht nach dann entstehen könnten, wenn der so besonders Empfindsame eben mit dem Druck nicht zurecht komme.

All das und die vielen weiteren Quellen, die ins selbe Horn stoßen, verleiten dazu, mit Fug und Recht festzustellen:

Ja, es hat sich tatsächlich in einem Punkt nichts geändert.

Die Medien spekulieren immer noch nach gusto herum, was die Ursache für Enkes Depressionen und für Depressionen im Allgemeinen sein können, ohne sich für Fakten zu interessieren.

Nur weil Zwanziger in einem seiner Anfälle von Omnipotenzphantasien bei Enkes Trauerrede den diagnostizierenden Psychiater mimte und „Fußball ist nicht alles“ in die auf allen TV-Kanälen lauschende Republik rief, bedeutet das noch lange nicht, dass er Recht hat mit seiner impliziten These, dass der Druck von außen zu groß war und dieser es war, der zu Depressionen geführt hat.

Vielleicht liegt die Ursache auch in falscher Ernährung oder dem Einfluss des Mondes, wie jener schließlich auch die Gezeiten erzeugt. Das interessiert jene Medien aber nicht. Es war der Druck, findet Zwanziger, und schwupps finden es in der Folge auch alle anderen plausibel, ohne zu erwägen, dass es auch vollkommen anders sein könnte, obwohl genau diese Prüfung doch die Pflicht der darüber Schreibenden wäre.

Denn es ist überhaupt nichts bewiesen und die FOTO, Express und Co. könnten jeden Tag und immer allen Spielern die Note 6 geben und trotzdem würden sich unbehandelt von den 450 Erstligaprofis pro Jahr vielleicht 0,02 vor den Zug werfen — und nicht alle.

Nur weil Enke und Deisler zufällig beide in die Schublade des zurückhaltenden, eher introvertierten Typen passen, bedeutet das ebenso wenig, dass in jenem Umstand die Ursache für die Depression zu finden ist. Wer weiß schon, wer von den vielen „aggressive leadern“ der Bundesliga nicht ebenfalls schon mal eine — nicht publik gemachte — Depression hatte? Die diversen Alkoholiker und damit per se schon depressionsgefährdeten aus dem englischen Fußball: Meistens zumindest nach außen Raubeine.

Es hat sich nichts geändert — es wird spekuliert und ein wackeliges Kausalitätshäuschen zusammengezimmert, das nicht auf Fakten basiert, sondern auf Mythen, an die sich der Mensch immer noch gerne hält, wenn er nicht verstehen kann, was sich tatsächlich ereignet hat.

Angenehm wäre, wenn die, die darüber schreiben, endlich verstehen würden, dass des Zwanzigers Worte nichts mit der Realität zu tun haben. Auch dann nicht, wenn er es ahnungslos in den Raum stellt. Es geht nicht um Druck und darum, wie ernst man Fußball nimmt. Es geht um eine Krankheit, deren Ursachen bis heute nicht eindeutig definiert sind. Dass das für Zwanni zu schwierig ist und er das alles nicht begreift — geschenkt. Warum aber selbst die Edelfedern das nicht sehen: Das ist nicht nachzuvollziehen.

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Rekorde: Zuschauerschnitt

Heute mal wieder etwas zum Mitmachen, allerdings zu kurz und zu wenig für ein „Gewinnspiel“.

Der VfB Stuttgart hielt laut Wikipedia fast 20 Jahre lang den Bundesliga-Rekord für den Zuschauerschnitt über eine Saison, welcher beim VfB Stuttgart von einst 54.000 Unverbesserlichen gesetzt wurde.

Weiß jemand, bei wem dieser vorher und nachher bei welcher Höhe lag?

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Kiss me, Kate

Wobei die Kate aus dem Titel hier ein Computer und zwar ein Amiga (spanisch für „Freundin“) ist.

Die zum Küssen Auffordernden sind die beiden späteren Weltmeister Auge und Thon. Und weil niemand je von dieser Sonderversion des FC-Bayern-Trikots berichtet hat, müssen wir das hier heute tun. Dabei kam die „Kiss me, Amiga“-Version mehr als einmal zum Einsatz.

Für die Jüngeren unter den Lesern: Ein Amiga, für den der FC Bayern dort wirbt, ist so etwas hier, was der Nachfolger von diesem Ding war. Das alles wiederum führte in letzter Konsequenz zu dem Gerät, mit dem Du diesen Text jetzt gerade liest.

Und: Ja, damals hatte Uli Hoeneß noch nichts gegen moderne Technik.

Erstens war er zu jener Zeit, 1988, selbst gerade mal 36 Jahre jung und zweitens konnte er noch nicht ahnen, dass später die Leute genau solche Geräte benutzen würden, um sich zu „Koan-Neuer“-Aktionen und Schlimmerem zu verabreden.

Hätte er dies geahnt, hätte er die Werbung für den Amiga auf dem eigenen Trikot natürlich niemals erlaubt.

Dass allerdings heute T-Irgendwas auf diesem Trikot mit des Ulis Absolution werben darf, das wurde so eingefädelt, dass man Uli Hoeneß nur von den Telefonen erzählte, die die werbende Firma bereitstellt.

Von dem ganzen anderen Kram ahnt er nichts. Also pscht.

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Stochern nach dem Spieler der Saison

[photopress:sport_blogschau.jpg,full,alignleft] Noch mehr im Nebel gestochert als die Frage nach dem Torschützenkönig dürfte die Prognose das Raten sein, wer der herausragende Spieler der Saison 2011/2012 werden wird. Einige der Fußballblogger haben sich trotzdem an dieser von Jens Peters in den virtuellen Raum geworfenen Frage versucht, so auch mal wieder der hiesige Hausherr, welcher tatsächlich ein wenig verliebt ist. Doch wer ist das zur Zeit abgesehen von Anhängern direkter Konkurrenten nicht?

Wie passend übrigens, dass man just zu dieser Zeit auch den Karriereverlauf von Thomas Broich im Hinterkopf hat, der in einer Phase, als man sich gerade davon verabschiedete, Menschen erst ab 25 Lebensjahren in die A-Nationalmannschaft zu berufen, immerhin Kapitän der U21-Nationalmannschaft war. Und nach kurzem Aufglühen schnell ver-.

Ein Tor gegen Brasilien gelang Thomas Broich mangels Gelegenheit nicht, das hat ihm der von mir im Video erwähnte Spieler also voraus. Wo Thomas Broich seinerseits vorne liegen dürfte, ist die allgemeine Lebenszufriedenheit am Strand von Australien. So schön kann es selbst in gehobenerer Wohngegend in einem Vorort von Dortmund gar nicht sein. Was wiederum nicht aufwiegen kann, bereits einmal Deutscher Meister geworden zu sein.

Amüsant aber natürlich ebenso, wie die Tipps der anderen Teilnehmer für den „Spieler der Saison“ lauten. Siehe die Sport-Blogschau Ausgabe 3 bei catenaccio, der ersten von vier Folgen zu diesem Thema.

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August Augsburg, März Mainz und Dezember Dortmund

Unbekannt ist der Grund dafür, dass man sich bei den Vereinsnamen stets auf das Gründungsjahr bezieht, nicht aber auf den Monat oder den Tag. Klar, Letztere sind natürlich beliebig und immer wiederkehrend, was für das jeweilige Jahr nicht gilt. Dennoch ist diese Marotte komisch.

Wie es überhaupt seltsam ist, dass die Namensgebung im deutschen Fußball ausschließlich von der vorletzten Jahrhundertwende geprägt ist. Selbst Vereine, die sich wesentlich später gründen, nehmen Bezug auf diese störrisch-starre Nomenklatur und weichen keinen Deut von ihr ab. (Beispielsweise der in Wolfsburg im Jahr 1945 gegründete Club heißt doch tatsächlich „Verein für Leibesübungen“. — So hat doch schon damals niemand mehr gesprochen.)

Jedenfalls taucht bei vielen Vereinen das Gründungsjahr auf, in manchen Fällen ist es sogar der überwiegende Teil des Identitätsstiftenden am Namen (Schalke, Hannover). Dabei hätte man statt nackter, allzu männlich, weil technokratisch wirkender Zahlen doch auch die lieblichen Namen der Monate wählen können, in denen die Vereine jeweils gegründet wurden. Das ergäbe zur Zeit folgende schön zu lesende Tabelle.

  • März Mainz
  • April Hannover
  • September Stuttgart
  • August Mönchengladbach
  • September Wolfsburg
  • Mai Schalke
  • Dezember Dortmund
  • Februar Bremen
  • Juli Hoffenheim
  • Mai Nürnberg
  • Februar München
  • Juli Leverkusen
  • August Augsburg
  • Mai Freiburg
  • Juli BSC
  • September Hamburg
  • Juni Kaiserslautern
  • Februar Köln

Dies als tatsächlichen Klubnamen verwendet — und schon wären Konversationen in den Büros möglich à la „Wie hat April gespielt?“ — „Gegen Juli verloren.“ Wobei es zugegebenermaßen ein wenig an Abwechslung mangelte, denkt man an die insgesamt 25.869 Vereine in Deutschland, für die dann nur 12 Namen zur Verfügung stünden. Allerdings sagt ja niemand, dass sich alle Vereine nach diesem Monatskram richten müssten.

Eine Auflistung, wie die Clubs hießen, wenn sie nach den Wochentagen benannt wären, an denen sie gegründet wurden, folgt demnächst. Oder vielleicht auch nie. Bei einer Auswahl von nur noch 7 statt 12 Möglichkeiten, aber 18 Kandidaten, verliert das Ganze vielleicht zu schnell an Reiz. (Was wie eine gute Ausrede klingt, nicht 18 mal einzeln den Wochentag nachschauen zu müssen. (Ein Aufwand, über welchen Torsten Wieland allerdings nicht mal ein Wörtchen verlieren würde.))

Mein Favorit: Februar Köln.

Februar, you know?, zwinker, zwinker, grins.

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[Update] Hörtipp: Trainer Baade live im DRadio

Update: Hier gibt es das komplette Gespräch nun auch zum Anhören, falls man nicht live dabei war. Weitere Informationen zum Beitrag allerdings weiterhin unter dem Link ganz unten.

DRadio

Morgen, Samstag, 13.8. 2011, gibt es eine Stunde Trainer Baade live im Radio — bei DRadio Wissen. Praktischerweise kollidiert der Termin nicht mit Bundesligaanstoßzeiten, denn Beginn des einstündigen Gesprächs ist bereits um 11h. Wir werden nicht nur über meine kleine Webseite diskutieren, sondern auch allgemeiner aufs Fußball-Blogosquarium in Deutschland blicken und weitere nicht nur Fußball-relevante, sondern auch Online-Themen behandeln. Denn so heißt die Sendung: „Online Talk“. In dieser Ausgabe also mit Trainer Baade. Ich bin gespannt.

Am Samstag Vormittag ab 11h folglich DRadio Wissen einschalten.

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Gewissensfrage: Bei Hymnen nicht mitsingen

Eigentlich nur eine Frage für immigrierte Nationalspieler, würde man annehmen — ob nun aus einer anderen Nation immigriert oder einer anderen Weltanschauung, in der Nationen keine Rolle spielen.

Doch auch der gemeine Fan auf der Straße muss sich diese Frage dann und wann stellen. Zumindest eine gar nicht so kleine Mehrheit jener Fußballfans, die zwar Anhänger eines bestimmten Fußballclubs ist, aber nicht in dessen Heimatstadt lebt und auch noch nie gelebt hat.

Wenn in den Vereinshymnen aus unerfindlichen Gründen nicht nur der jeweilige Verein, seine Farben, seine Spieler und seine Erfolge abgefeiert werden, sondern auch noch die Vorzüge der jeweiligen Stadt schwülstiger noch, als es je ein Reiseprospekttexter hinbekäme, gepriesen werden, dann stellt sich für jeden Auswärtigen die Gewissensfrage: Mitsingen oder nicht?

Von dem einmaligen Lebensgefühl in Köln hat er, auf seinem Sofa in Gera sitzend, doch noch nie etwas mitbekommen. Er kennt, in Buxtehude daheim, den Viktualienmarkt nur aus dem Fernsehen. Und obwohl er selbst in einer Bäckerei in Sulz am Neckar schuftet, ahnt er nicht einmal das Geringste von dem vermeintlichen großen Zusammenhalt in einer Bergarbeiterstadt wie Gelsenkirchen.

Mitzusingen wäre also ein wenig verlogen, wenn der Songtext jene eine Stadt so preist, da man ja nicht nur ahnungslos bezüglich der Eigenarten dieser Stadt ist, sondern auch keine sonstige Verbindung zu der Stadt hat. Nur weil man einst gerne Littbarski zusah, liebt man doch nicht die Stadt Köln und schon gar nicht ihre Bewohner.

Nicht mitzusingen würde aber das eigene Fan-Erlebnis in jenem Aspekt entscheidend schmälern, der überhaupt erst ausschlaggebend für ein Fandasein ist: dem emotionalen. Noch dazu erweckte es den Anschein, als würde man den Text der Hymne des eigenen Vereins nicht kennen. Das kann sich kein Fan erlauben, der als „echter“ tituliert werden will.

Ein Dilemma also, aus dem es kein Entrinnen gibt. Denn sich in dieser Frage nicht zu entscheiden, ist nicht nur nach Watzlawick nicht möglich.

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Wer war Otto Fleck?

Nachdem wir letztens schon geklärt hatten, was das „Säben“ in der „Säbener Straße“ eigentlich ist (ein Kloster in Südtirol), muss heute das nächste aus der Reihe der großen Mysterien der deutschen Fußballgegenwart geklärt werden.

Wer war Otto Fleck?

Diese Frage stellte man sich auch einst im Forum von Eintracht Frankfurt. Da man dort aber ebenfalls nur sehr wenige Informationen zu Otto Fleck fand, muss man darauf hoffen, dass die Auskunft der Stadt Frankfurt zur Person Otto Fleck umfassender sein wird.

Vom Abschicken der Email bis zur Ankunft der Antwort der Stadt Frankfurt vergeht tatsächlich nicht einmal eine Stunde, was auch der Abwesenheit von Recherchebedarf geschuldet sein könnte, wie die Länge der Antwort aus Frankfurt demonstriert:

Otto Fleck (1868–1927) war Oberforstmeister und hat sich um den Frankfurter Stadtwald sehr verdient gemacht.

Nun gut, klingt nicht so, als gäbe es da noch wesentlich mehr zu wissen. Und auch ein wenig so, als hätte die Stadt Frankfurt selbst bei Wikipedia abgeschrieben.

Interessanter wäre es dann, wenn der hier durch die Vergabe eines Straßennamens gewürdigte Otto Fleck im stillen Kämmerlein gerne an Wettmanipulationen teilnahm oder — gar nicht so unwahrscheinlich, angesichts der Zeit, in der er gelebt hat — offen homophob war. Es ist aber nichts weiter über ihn zu erfahren.

Da die Antwort der Stadt Frankfurt etwas knapp ausfällt, könnte man zur Not noch den DFB selbst fragen, der es eigentlich wissen sollte.

Irgendwas an meiner Tastatur sträubt sich aber partout dagegen, eine Email an den DFB zu verfassen. So wissen wir nur: Otto Fleck war Oberforstmeister.

Ein Oberforstmeister als ein (Adressen-) Namensgeber der Residenz des DFB passt allerdings ohnehin wie das Runde ins Eckige. Waidmanns Heil!

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Alemanha — Brasil 3:2

1993 aß ich ein Brot mit Marmelade und machte es mir auf dem Sofa von Martin bequem. Lars war auch da, und Thorsten. Es war kalt draußen, das machte aber nichts, denn Martin hatte ja diesen neuen Fernseher, mit schnellaufheizenden Röhren. Draußen war Herbst, in Müngersdorf sicher auch, das erinnere ich nicht mehr so genau. Andi Möller traf zum 2:1-Siegtreffer noch vor der Halbzeit, und Berti Vogts trat am Ende zufrieden und chalant, wie es stets seine Art gewesen war, vor die Presse, um sich frei von Verschwörungstheorien darüber zu äußern, dass man 1994 sicher gute Chancen haben würde, den nur vermeintlich von des Dummschwätzers Gnaden errungenen Weltmeister-Titel zu verteidigen. Niemand sang Seven Nation Army, die wenigsten im Publikum waren außergewöhnlich geil oder auch schwarz-golden. Es gab keine bewegten Banden und die Nationaltrikots des DFB waren damals schick, heute aber schon Sammlerstücke, die ob des Designs nur die Tapferen unter den Sammlern überhaupt würden bestellen wollen. Im Tor stand Bianca Illgner, für Brasilien spielte noch der überaus fiese Branco. Der sich gut als Hauptgegner in einem Superheldencomic geeignet hätte. Man musste damals noch in Comics denken. Youtube war so fern wie zeitlich selbst zu bestimmen, wann man welches TV-Programm sehen wollen würde.

Alle drei habe ich seit über zehn Jahren nicht mehr gesehen. Alle drei damaligen Freunde. Die Nationalmannschaft hingegen schon, meist mindestens einmal pro Monat, abgesehen von zwei Unfällen im Wach-Schlafrhythmus (und das eine Mal wegen Max Goldt) eigentlich jedes Mal, wenn sie vor den Ball trat. Manchmal, um 1998 herum besonders, schien sich die eigentlich nach vorne gedachte Entwicklung der Mannschaft und des deutschen Spiels umzukehren und in die Vergangenheit lünkern zu wollen. Mit ein bisschen Glück hätte uns 1993 also schon der Sir aus dem Fernseher heraus die Hand geben wollen. Dazu kam es nicht. Stattdessen nutzte Oliver Kahn seine Hand, um ein Eigentor zu erzielen. Später wurden Hoffnungen durchs Dorf getrieben, die dann in der WM-2006-B-Mannschaft endeten. Märchen wurden erzählt, und im Vergleich zu früher waren es tatsächlich schöne Geschichten. Nur gegen Brasilien gewann man nicht mehr. Weder in Japan noch in Nürnberg, im Vorspiel zum Heimturnier. Projektionsflächen hießen Robert Huth und Mike Hanke, es tat sich was, aber mehr als das Knirschen im Gebälk war erstmal noch nicht zu hören.

Heute war es das erste Mal seit 1993 wieder soweit. Den Führerschein, damals noch recht frisch, besitze ich heute immer noch. Die Pass-Geschwindigkeit von heute allerdings konnte damals niemand erahnen. Auch dass man mit 26 im Team zu den Alten gehören würde, war 1993 nicht absehbar, als der Altersschnitt des Teams immer mal wieder vorsichtig sein musste, nicht die Zahl 30 zu überschreiten. Was bewährt war, war gut. Heute war gut, was sich durchsetzte, nicht allein gegen die eigene Konkurrenz, sondern vor allem gegen den Gegner. Während man damals aber über Abwehrprobleme jahrzehntelang nicht hatte diskutieren müssen, scheint heute alles so mühelos — bis es in die eigene Richtung geht. Dann zerfällt beinah sogar dieser Sieg, der erste seit 1993, Sekunden bevor man ihn in den Händen hält, wieder zu Staub und am Ende wäre es doch ganz egal. So schnell, so jung, so intelligent konnte es nur die Evolution seit 1993 machen. Der man gerne unter die Arme griff, auch wenn man da lange Zeit allzu betriebsblind war. Da schmälert es auch wenig, dass dieses Brasilien kaum in Schwung war und 2014, wenn es wieder mal 1994 sein wird, nur wenig mit dem heutigen gemein haben wird. Geboren wurde Mario Götze 1992. Als das 2:1 von Andi Möller fiel, wird er wohl gerade einen Löffel Spinat bekommen haben.

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Rabuzins Sonne

Der kroatische Pokal, also jener Gegenstand, welchen man nach Gewinn des Pokalwettbewerbs überreicht bekommt, hat einen Spitznamen. Der lautet „Rabuzins Sonne“, benannt nach dem Schöpfer der Trophäe, Ivan Rabuzin, einem in Kroatien wohlgelittenen, inzwischen verstorbenen Künstler.

„Rabuzins Sonne“. Das stellt jetzt natürlich nichts anderes als nutzloses Wissen für Nerds dar. Doch nett mutet es schon an, wenn ein Pokal nicht einfach nur „DFB-Pokal“ oder eben [Fußballverbandsabkürzung]-Pokal genannt wird, sondern wenigstens noch einen Spitznamen besitzt, der etwas mehr Dinglichkeit in diese Bezeichnungen bringt.

Gibt es noch andere Spitznamen für Landespokale?

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Glasknochen, Torrero oder der Hunter?

[photopress:sport_blogschau.jpg,full,alignleft] Die Sport-Blogschau geht in die zweite Ausgabe, jetzt noch knackiger, jetzt noch besserer Ton und jetzt noch mehr Vielfalt bei den Antworten zur Frage. Bei den Meisterschaftstipps tauchten nur drei verschiedene Antworten auf. Wer Torschützenkönig 2011/2012 wird, da gehen die Meinungen deutlich weiter auseinander.

Man sehe, höre und widerspreche, wenn Internetnerds ins Blaue tippen, wer nach dieser Saison die kicker-Torschützenkanone erhalten wird. Bei catenaccio natürlich, dem Fachmann für visuelle Sperenzchen im Blogosquarium. Der hiesige Hausherr tippt übrigens auf ein One-Trick-Pony, das möglicherweise jetzt schon entzaubert ist. Aber man schaue selbst:

Torschützenkönigstipps in der Sport-Blogschau.

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Fußball mit kakaohaltiger Fettglasur

Wüsste der Autor es nicht selbst besser, dann würde er annehmen, dass er gestern den Anbruch einer neuen Ära gesehen hat. Denn eine Saison wie die vorige von Borussia Dortmund mag immer mal drin sein, ein Ausrutscher nach oben, bei dem sich mehr Glück als Verstand mit dem psychologischen Moment paart, weil man ständig gewinnt und demgemäß wie ein Duracell-Häschen und ganz von selbst eine Saison lang durchläuft. Und im Notfall sogar jene 90 Prozent des Gehirns anzapft, die der Mensch angeblich normalerweise nicht nutzt. Um den entscheidenden Schritt früher als der Gegner am Ball zu sein, der weiter auf seinen üblichen 10 Prozent daherdümpelt.

Eine Saison lang mag das gut gehen. Wenn das selbe Spektakel nun aber auch nahtlos in die nächste Saison übernommen werden kann, dann ist es wohl mehr als nur der günstigen Konstellation der Sterne über dem Westfalenstadion geschuldet, dass der (zugegeben nicht mehr als mittelmäßige) Gegner erneut über 70-79 Minuten lang keinen Ball bekommt. Stattdessen selbst zum mit heraushängender Zunge umherrennenden Häschen wird, dem der Igel Borussia stets zuvorkommt.

Nicht allein jene Tatsache war so überwältigend, dass Borussia Dortmund mal wieder Torchancen für sich und seine zweite Mannschaft zusammen herausspielte, sondern dass dem Hamburger SV zu keinem Zeitpunkt auch nur ein Hauch von Zugriff auf das Spiel gelang. Obwohl mit Michael Oenning jemand an der Seitenlinie saß, der Jürgen Klopps Methoden sicher besser kennt und demgemäß auch Gegenmittel hätte entwickeln können, als die meisten seiner Bundesliga-Trainer-Kollegen.

Bei kakaohaltiger Fettglasur denkt man zunächst an brasilianische Einflüsse auf das Spiel, in dieser Partie war aber gar kein Brasilianer dabei. Sieht man von Felipe Santana ab, der schließlich „nur“ verteidigte und somit nicht in erster Linie für jenen kakaohaltigen Glanz zuständig war, den die 3G-Connection „Götze, Großkreutz und KaGawa“ ganz ohne brasilianische Wurzeln verbreitete. Denn glänzend war die Glasur gestern, wenn 60-Meter-Pässe mit der Hacke nicht mal angenommen, sondern direkt weitergeleitet werden, und wenn jede scheinbar bereits geklärte Situation dazu geeignet ist, aus dem Nichts wieder Gefahr fürs HSV-Tor zu bedeuten.

Leider ist auch diesem Autoren bekannt, dass Prognosen die starke Neigung besitzen, falsch zu sein, besonders jene für die Zukunft. Weshalb das mit der „Ära“ erstmal noch in der Schublade bleibt. Erst mal abwarten, wer wen ansonsten heute und morgen noch auf welche Weise beherrscht oder eben nicht beherrscht.

Der letzte Deutsche Meister, der seinen Titel verteidigte, der nicht Bayern München hieß, war übrigens 1996 Borussia Dortmund.

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