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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Filmkritik: Tom meets Zizou

Ja, dieser Film ist anders. Anders als was? Als Fußballfilme, die sich mit Fans, Fiktion, Glamour oder Stars beschäftigen. Und das, obwohl auch Thomas Broich zumindest ein kleiner Star ist. Denn hier erhalten er und der Zuschauer die Gelegenheit, im australischen Outback am Lagerfeuer sitzend seine Karriere, seine Fehler und überhaupt das „Business“ in der Bundesliga Revue passieren zu lassen.

Dem Autor zumindest ist kein deutschsprachiger Film bekannt, der mit solch langem Atem hinter die Kulissen des Profiseins blickt, wie es „Tom meets Zizou“ bewerkstelligt, dessen Titel übrigens von der damaligen Email-Adresse des Protagonisten Thomas Broich abgeleitet ist. Wie lange „damals“ schon her ist, beweist der Umstand, dass sie auf „aol.com“ endete. Und natürlich ist sie nicht mehr in Betrieb.

Wie auch der jungschnöselige U21-Nationalspieler nicht mehr in Betrieb ist, der nach nur einer guten Halbserie bei Borussia Mönchengladbach zu den anderen Quietsche-Entchen in den Teich geworfen wurde, in dem die Talente für die bevorstehende Heim-WM 2006 damals gesammelt wurden. Deisler sowieso, aber auch Schweinsteiger, Lahm und wie schlimm es um den Fußball stand, zeigt das Auftauchen des Quietsche-Entchens mit dem Namen Mike Hanke im selben Teich. Nicht mehr in Betrieb ist allerdings nur der schnöselige Anteil von Thomas Broich, als Fußballer ist er frisch erspielter Australischer Meister, wohin ihn sein Bruch mit der Bundesliga schließlich führte.

„Wenn sich einer irgendwie anders verhält, wird er entweder als Gefahr erkannt oder er wird Trendsetter.“

Just kurz bevor Thomas Broich von Wacker Burghausen zu seiner ersten Station in der 1. Bundesliga wechselt, setzen die Betrachtungen mit und vor der Kamera ein. Die ihn gerne auf dem Spielfeld zeigen, ihm aber auch abseits des Trubels bei Selbstreflexionen zuhören. Und ihn zu jenen Hintergründen von Fotoshoots begleiten, welche nur wenig später dem hoffnungsvollen Karrierestart Broichs einen ersten Garaus machen (weitere werden folgen).

Dass die Musik, die einst in seinem Autoradio lief und die ihm zu seinem Spitznamen verhalf, gar nicht von Mozart war, ist Sinnbild für die Diskrepanz der Interessen von Thomas Broich und jenen durchschnittlicher angehender Fußballprofis. Es war Orff. Wer Orff nicht mal von Mozart unterscheiden kann, für den ist wohl auch jedes Buch ein solches mit sieben Siegeln. Und Thomas Broich fährt die ganze Palette von postpubertärem pseudointellektuellem Gepose auf, mit dem er glaubt, der Welt in einer erstarrten, inhaltsleeren Pose etwas mitteilen zu können, gar zu müssen. Woran es „der Gesellschaft ganz allgemein“ mangele und dergleichen mehr quatscht sich Broich in seinen frühen Jahren in die Ecke des übermäßigen Klugscheißertums.

Allzu willfährig lässt er sich in Hörsälen mit Büchern ablichten, die ihm wenig später in Form von Häme auf die nur vermeintlich so zarten Zehen fallen. Man kennt das Ende der Geschichte seines Spitznamens. Wie sich zeigt, muss man aber nicht in die Fremdscham bewirkende Szenerie hereinrufen, dass er diesen Quatsch mit den Denkerposen-Fotos und sein lassen soll: Der gereifte Thomas Broich findet das alles selbst inzwischen albern und von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Sofern man in der Branche Bundesliga tätig bleiben will, zumindest. ZDF-Menschen, die Mainzer Boybands inszenieren, lassen an dieser Stelle schön grüßen.


[Foto folgt.] Thomas Broich, wie er sich zu Beginn seiner Karriere sah

Der Film verfolgt natürlich auch Broichs allgemeine Entwicklung: Erst wohnt er mit der Freundin aus Schulzeiten im beschaulichen Mönchengladbach, dann zieht es ihn nach Düsseldorf und schließlich wohnt er — längst wieder Single — in einer Kölner Studi-WG. Als er beim 1. FC Köln ankommt, sieht er irgendwann ein, dass niemand ausgewählte Statements zum Leben oder auch nur zum Fußball erwartet, so dass er von nun an „den selben nichtssagenden Scheiß wie 70% meiner Kollegen“ in Interviews erzählt. Und damit besser fährt, bis er schließlich auch in Köln nicht mehr bleiben kann.

In Michael Oenning verfügt der Film auch über einen ebenso eloquenten wie aussagewilligen Nebendarsteller. Dieser war schon zu Dick Advocaats Zeiten in Mönchengladbach Broichs Co-Trainer und holt ihn später zum 1. FC Nürnberg. Das besondere Band zwischen Oenning verhindert aber Broichs endgültige Abkehr von der Bundesliga nicht. Wie es genauso wenig der Offenheit Michael Oennings bei der Bewertung von Thomas Broich im Wege steht. Ob Michael Oenning mit seiner Einschätzung Recht behalten wird, dass dieser Film „die Szene“ verändern wird, können allerdings nur die beurteilen, die auch deren Teil sind.

Am Ende stehen mit 87 Erstliga-Einsätzen und ebenso respektablen 106 Zweitliga-Einsätzen nicht mehr oder weniger für Thomas Broich zu Buche, als der durchschnittliche U21-Patient in den letzten drei Jahrzehnten erreichte. Broich erwischte weder einen Ausreißer nach unten noch einen nach oben. Wobei Letzteres angesichts der von allen Seiten geschürten Erwartungen nicht zuletzt ihm selbst wie ein Flop erscheint.

„Wenn man für Köln oder Gladbach spielt, gewinnt man eben nie drei Mal hintereinander.“

Wo der Film im zweiten Drittel Längen aufweist, wenn nicht alles, was Thomas Broich so schildert und erlebt, unbedingt in dieser Tiefe hätte beleuchtet werden müssen, fehlt ihm am Ende eigentlich das entscheidende Kapitel. Denn bei allen seinen (gerade mal drei) Stationen zuvor war er jeweils nach glänzendem Beginn am Ende wieder stecken geblieben. Dass er nun bei Brisbane Roar voll einschlägt und „auf gutem Zweitliganiveau“, wie die Einschätzung des Trainers von Brisbane Roar zur australischen ersten Liga lautet, Meister wird, wäre ja nur wieder das erste Kapitel des sich stets wiederholenden Schicksals von Thomas Broich bei seinen Vereinswechseln.

Warum der Film hier bereits endet und nicht das komplette Karriere-Ende von Thomas Broich abwartet, mag in nicht ersichtlichen Vertragslagen des Filmemachers begründet liegen. Die Tiefe, die der Film zuvor erreicht, lässt er am Ende vermissen. Vielleicht hatte sich der Protagonist aber auch ausbedungen, nicht mit einem fußballerischen Scheitern abzugehen. So offen wie Thomas Broich in dem Film auch mit seinem jüngeren Ich umgeht, ist das aber kaum vorstellbar.

Diese Offenheit sowie die Länge des Querschnitts — der Jahre von etwa 2002 bis 2011 — machen den Streifen so sehenswert, auch wenn die Offenbarung für den gemeinen Fußballkulturinteressierten ausbleibt: Wer dachte nicht direkt nach dem Abitur, dass ihm die Welt gehöre — und wer hätte nicht mit spätestens um die 30 Jahre gemerkt, dass dem zu keinem Zeitpunkt so gewesen ist? Aber auch, wie fragil die Karriere eines jeden Spielers ist, wenn ein Trainerwechsel oder eine Verletzung zur falschen Zeit alles ins Wanken bringt, führt der Film, man ist schon eher geneigt zu sagen: diese Studie, anschaulich vor.

*****

Alle Trailer gibt es hier.
Eine andere Kritik bei textilvergehen.de
Auch der Frittenmeister findet den Film auf eine Art.
Eine Webseite besitzt der Film unter www.tommeetszizou.com.

Von den Trailern — ja, das schafft natürlich niemand, wenn sie schon daliegen, und sie sind auch verdammt verführerisch — ist aber eher abzuraten. Sie versprechen zu viel Spektakel, zu viel Aufklärung und zu viel Witz, was der Film nicht über seine 135 Minuten halten kann, allerdings auch gar nicht muss, weil er in seiner Art so einmalig ist.

Achso — sollte man den Film anschauen? Unbedingtes ja. Im deutschen Raum gibt es solche Blicke hinter die Kulissen sonst nicht. Und der alte Dülp wird sogar mit einem seiner Comics [ehemaliger Link leider tot] im Film zitiert.

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Die erste Sport-Blogschau

Damals musste man die Bänder ja noch mit dem Motorradkurier in Jens Peters‘ Studio in Münster bringen, direkt nach Abpfiff. Deshalb sei die eine oder andere Problematik beim Schnitt oder beim Ton entschuldigt. Ansonsten gibt es geballtes Blogger-Fachwissen beim Tippen des Meisters der nächsten Saison zu hören und meist auch zu sehen.

Die erste Sport-Blogschau — und der hiesige Hausherr spricht auch dabei.

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Vi vil se dig i Paris

Die Dänen waren schon immer etwas musikalischer als die deutschen. Fußballer, meint das natürlich nur.

1984 brach sich Allan Simonsen im Eröffnungsspiel der EM 1984 (Frankreich-Dänemark 1:0) ein Bein, woraufhin ihm seine Mannschaftskollegen den folgenden musikalischen Gruß ins Lazarett schickten. Übersetzt: „Wir werden Dich in Paris (zum Finale) wiedersehen“. Hat nicht ganz geklappt, wie man heute weiß. Das Singen allerdings schon.



Das hier war zwar umgekehrt herum eingestielt, macht aber nix.

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Traumjob Kloses Raumpflegerin

Heute melden wir uns aus der Titelvitrine des Weltklassestürmers Miroslav Klose. Die zwei DFB-Pokale und die zwei Meisterschalen sehen ein wenig schmucklos aus, in der Weite dieses Raumes. Aufgrund der beängstigenden Leere in dieser eigentlich für eine viel größere Zahl an Pokalen ausgelegten Vitrine haben wir immer wieder mit Turbulenzen durch stark böige Winde zu kämpfen. Ein WM-Torschützenkönig zu sein ist ja kein Titel und der Herr ist schon 33. Andere Stimmen, die von einem „Ewigen Dritten“ bei diversen Turnieren sprechen, sind aufgrund der Schallverwehungen in der Vitrine nicht wahrzunehmen. Was allerdings auffällt ist das Fehlen von Bildern, wie der Besitzer der Vitrine nach verlorenen Fußballspielen weint. Ob es daran liegt, dass die Presse derlei nie veröffentlicht und diese damit zu einer Standardpose des Weltklassestürmers gemacht hat, oder ob der Weltklassestürmer aufgrund der vielen vergebenen Titelchancen einfach keine Tränen mehr hat, ist von hier aus nicht zu entscheiden. Es ist einfach zu leer zum Denken.

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Was macht eigentlich Thomas Allofs?

Da man gemeinhin davon ausgeht, dass Brüder derselben Eltern 50% gemeinsame Gene haben, wäre die Frage interessant, was der Bruder von Klaus Allofs, dem zweifelsohne erfolgreichen Manager, zur Zeit so treibt. Und ob es nicht vielleicht eine gute Idee wäre als ein darbender unterklassiger Verein, Thomas Allofs zu engagieren, um wieder aus den Pötten zu kommen und liga-wise nach oben zu streben.

Was also macht Thomas Allofs?

[photopress:thomas_allofs_unternehmen.jpg,full,alignleft] Er besitzt ein Unternehmen der Abfallwirtschaft. Womit Thomas Allofs einer der selteneren Fälle von (sehr erfolgreichen) Ex-Fußballern ist, die den Absprung in ein fußballfernes Metier geschafft haben. Nicht ganz, denn der Slogan seines Betriebs immerhin muss noch etwas mit Fußball zu tun haben. „Immer eine Ball-Länge voraus“ — die Frage danach, wie lang eine Balllänge ist, verbietet sich hier, weil es doch immerhin die schöne, typische Schrift von Mittel- und Kleinständlern ist, in der dieser Schriftzug auf der Webseite des Unternehmens angebracht ist.

In seiner aktiven Karriere war er bekanntlich 1989 Torschützenkönig der Bundesliga und hatte Pech, bei einem seiner zwei Länderspieleinsätze mitverantwortlich für eine historische Pleite zu sein: Die erste Niederlage des DFB überhaupt in einem WM-Qualifikationsspiel, 1985 gegen Portugal. (In Stuttgart übrigens, weshalb dieser Ort eigentlich für immer als Austragungsort von Heimspielen gebannt usw., aber dem stand MV wohl im Wege.)

Der Grund für Thomas Allofs‘ fußballferne Tätigkeit ist allerdings auch schnell gefunden, denn er „leitet“ das Unternehmen zusammen mit seinem Schwiegervater. Was die Vermutung nahe legt, dass der Schwiegervater leitet und Thomas Allofs leiht, nämlich seinen Namen, um damit Türen zu öffnen. Und ansonsten Hausmann ist. Weiß man jedoch nicht und will man hier auch nur kurz als Möglichkeit skizziert, nicht aber behauptet haben.

Eine zeitlang war er auch im Vorstand von Fortuna Düsseldorf tätig, und dass er nicht gänzlich ausgelastet ist mit dem Leiten des Unternehmens, zeigt die Existenz einer Allofs-Fußballschule, die von seiner Agentur betrieben wird. Wieder nix also mit einem Ex-Profi, der keine Fußballschule hat oder in einer solchen als Trainer arbeitet.

Außerdem spielte Thomas Allofs vor einigen Jahren noch Tennis in der Bezirksliga Niederrhein. Wenn er nicht leitete.

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Der General in der Höhe ganz entspannt

[photopress:ottmar_hitzfeld_gspon_arena_01.jpg,full,alignleft] Aus der nicht existenten Rubrik „Sportplätze, die wie Ottmar Hitzfeld heißen“ gibt es heute keinen Google-Maps-Link, weil der Platz erst vor Kurzem umgebaut wurde, sondern ein paar direkte Fotos. Jemand hat seinen Sportplatz in eine Arena umbenannt. Weil das Wort „Arena“ allein aber so wenig aussagekräftig und auch für etwaige Besucher wenig zielführend ist, hat man zwecks besserer Unterscheidung noch einen Menschen gesucht, der seinen bürgerlichen Namen für diese Arena hergeben möchte. Und da Ottmar Hitzfeld so schlecht nein sagen kann (gell, Rosi?), hat er sich dazu breitschlagen lassen, künftig als Namenspatron zu fingieren. Deshalb heißt der Sportplatz eines Schweizer Klubs, beheimatet auf über 2000m Höhe (mind the FIFA-Regularien!) nicht mehr Sportplatz, sondern seit neulich:

Ottmar-Hitzfeld-Gspon-Arena.

[photopress:ottmar_hitzfeld_gspon_arena_02.jpg,full,alignright] Wer sich wundert, was diese unaussprechliche Buchstaben-Kombination zwischen Ottmar-Hitzfeld- und -Arena. bedeuten soll, dem kann geholfen werden. Gspon ist ein Dorf in den Schweizer Alpen, wo es so schön ist, dass man gleich das ganze Land nach Touristenfallen im platten mecklenburgischen Bereich benannt hat.

Laut Auskunft der Betreiber ist es der am höchsten gelegene Fußballplatz in ganz Europa. Dem Autoren wird schon beim Betrachten der 2D-Bilder schwindelig. Da hat Ottmar Hitzfeld diesem etwas voraus, da er im Gegensatz zu sonst bei der feierlichen Platzeröffnung völlig entspannt wirkt.

(Fotos mit freundlicher Genehmigung des FC Gspon, vielen Dank, einst weitergewilft von hier.)

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Belebende Aufgaben

Thomas Strunz wirbt auf Plakaten der Duisburger Stadtwerke für den Einsatz von Defibrillatoren. Die liegen an hochfrequentierten Orten der Stadt mittlerweile herum und sollten im Fall der Fälle zum Einsatz kommen. Was natürlich nur geschieht, wenn genügend Leute von ihrer Existenz wissen. Eine tolle Sache also von Thomas Strunz, dafür Pate zu stehen.


[photopress:thomas_strunz_wirbt.jpg,full,centered]

Allerdings muss er Derartiges auch tun, anderenfalls stünde er ganz schön im Minus, wenn er dereinst an Petrus‘ Himmelspforte anklopfen wird. Denn während er im obigen Fall die Herzen der Mitbürger retten will, wird er auf der anderen Seite nun jeden dritten Sonntag Morgen in einer Gesprächsrunde sitzen und zwangsweise etwas polarisierend sprechen müssen, im Wechsel mit Mario Basler und Thomas Helmer, die alle drei zusammen den weisen („Neid, Missgunst“) Udo Lattek ablösen. Die Namen an sich sprechen schon für ausgewogene, faire Berichterstattung und auch wenn Thomas Strunz ganz bestimmt nicht Ausfälle in Richtung „Ritterkreuz mit Eichenlaub“ wie sein Vorgänger erleiden wird: Zur Beruhigung und Schonung des Zuschauers ist diese Sendung sicher nicht gedacht.

Hoffen wir am Ende auf eine schwarze Null, wenn Petrus einen Blick auf die Gesamtbilanz von Thomas Strunz werfen wird.

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Als Stahl Eisenhüttenstadt an Werder Bremen scheiterte

Dies geschah im Halbfinale des DFB-Supercups 1991, der einzigen Ausgabe des offiziellen Supercups, welche je mit einem zusätzlichen Halbfinale ausgetragen wurde. Nach der Wende traten jeweils der Ost-Pokalsieger und Ost-Meister gegen ihr Pendant aus dem Westen an. Stahl Eisenhüttenstadt verlor vor 4.000 Zuschauern in Osnabrück gegen Werder Bremen, im anderen Halbfinale zog Hansa Rostock gegen den 1. FC Kaiserslautern das kürzere Hölzchen.

Stahl Eisenhüttenstadt hatte das FDGB-Pokalfinale gegen den Double-Sieger der DDR, eben Hansa Rostock, zwar verloren, nahm aber dann als Vertreter für den Pokalsieger am Supercup teil. Am Ende gewann der 1. FC Kaiserslautern den Supercup gegen Werder Bremen im Finale in Hannover.

Wie immer also gab es für den Ostfußball nichts zu gewinnen, nachdem sein Verband sich aufgelöst hatte und dem DFB beigetreten war. In nun 20 Saisons nach dem Beitritt zum DFB stehen zu Buche: null Titel.

Dabei waren in der gesamten Zeit die Chancen nie größer als in diesem Sommer 1991, sofern man, was natürlich niemand tut, den Supercup als Titel wertet. Chance vertan, und diese kommt auch in absehbarer Zeit nicht wieder.

(Einzige Ausnahme, wenn man es denn so zählen will: Turbine Potsdam, wo sogar noch der Trainer aus der Vorwendezeit tätig ist. Aber man wollte ja nicht mehr vergleichen …)

Damals spielte man übrigens im Supercup vor einem Elfmeterschießen noch eine Verlängerung aus. Erst seit der Wiederbelebung im Jahr 2010 hat man sich für die Variante zum Schutze der Leistungsfähigkeit der arbeitenden Bevölkerung entschieden.

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Karaoke im Borusseum

Anders als im Schalke-Museum wird man bei einem Besuch im Museum von Borussia Dortmund, dem Borusseum, gleich von ein paar netten Damen empfangen, die gutes Gelingen und so weiter wünschen. Die Auskunft, dass ein Rundgang etwa eine Stunde dauere, je nach Detailverliebtheit, zeigt sofort, dass das Borusseum deutlich weniger umfangreich ist als das Schalke-Museum. Aber zunächst soll es hier ja nicht um einen Vergleich gehen, sonden um Fakten, Fakten, Fakten.

Harte Fakten, so hart wie die Dollar, die man bezahlen muss, um an der Eingangswand des Borusseums als edler Spender erwähnt zu werden: Nur wer mindestens 109,09 Euro überweist, erhält dort ein Namensschild. Zu viel für viele Dortmunder, denn die Liste der Spender ist recht überschaubar für einen Verein mit dem mit Abstand höchsten Zuschauerschnitt in der Bundesliga. Ein Promi fällt per Zufall dann doch sofort ins Auge, ein gewisser Joachim Król hat die nötige Eurogrenze wohl auch so gerade eben noch mit seiner Spende überwunden.

Dann geht es aber schon in medias res: Direkt an der ersten Station im kleinen Rundgang werden die Gesangskünste der Museumsbesucher getestet. Aus sechs verschiedenen Songs kann man wählen, welches Fußballliedgut man zu zweit, gegeneinander, in einer Karaoke-Box schmettern will. Dabei wird tatsächlich bewertet, wie gut man Tonhöhe und Tonlänge der Melodie trifft. Eine gelungene Sache zum Warmwerden mit dem Borusseum. Außerdem muss man feststellen, dass man damals im Musikunterricht eine solche Anzeige der Tonhöhe des eigenen Gesangs gut hätte benötigen können. Denn nach nur zwei Durchgängen versteht man, da ist das halbe Leben schon vorbei, wie das funktioniert mit den Tonhöhen, die die eigenen Stimmbänder produzieren können und sammelt sogar ein paar Punkte in der Karaoke-Wertung. „You‘ll never walk alone“ und „Heja BVB“ reichten dann aber doch nur zur CPU-gestützten Einschätzung eines „Möchtegerntalents“ und eines „Antitalents“. Immerhin.

Es folgen einige Videoschnipsel aus der Historie des BVB. Waren diese auf Schalke noch „mit Liebe gemacht“, sprich: eher von Amateuren geschnitten, sind die Videos im Borusseum so kurz, dass man gar keinen Schnitt benötigte. Szenen aus der bewegten Geschichte des Klubs, von denen man natürlich schon hundert Mal gelesen hat, sie dort aber auch im Bild zu Gesicht bekommt. Dass die Navigation spinnt und man nie weiß, welches Video man schon gesehen hat und wie man das nächste anklickt, kann eindeutig nicht an mangelnder Vertrautheit der beiden Tester mit der Bedienung technischer Geräte liegen. Prädikat verbesserungsbedürftig.

Nächstes Ausstellungsstück: ein riesiger, von Fans mit irgendwelchen Botschaften zusammengestellter Quilt. Sehenswerter als eine Kutte vielleicht, historisch aber so bedeutsam wie eine Tüte Rasensamen vom Spielfeld im Westfalenstadion. Wenn man schon mit derlei Nichtigkeiten aufwarten muss, wird das Damoklesschwert der Befürchtung, dass gar nicht viel mehr an Inhalten kommen wird, immer größer.

Es folgen weitere Videos mit diversen Fangesängen von Dortmund-Fans der verschiedenen Jahrzehnte. Bevor das Programm des Museums an Banalität dann nicht mehr zu unterbieten ist, erhellt das an die Wand gehängte, ausgefeilte und deshalb sehenswerte Stecknadelsystem zur Organisation des Dauerkartenverkaufs aus Zeiten ohne elektronische Datenverarbeitung die Gemüter. Da schwebt dann schon ein Hauch von Fußball-Nerdtum durch die Räume, aber weder kann man irgendetwas anklicken noch gibt es weitere Erläuterungen zum guten Stück, die über schnöde Beschreibung hinausgingen.

Auch im Borusseum steht eine Mini-Ausgabe einer Tribüne des hauseigenen Stadions. Wie auf Schalke ist also Teil des Museums, dass man in diesem Museum, welches sich im Stadion befindet, das Stadion darstellt, in dem sich das Museum befindet. Dabei würde ein Blick vom Museum aus ins Stadion genügen, um zu sehen, wie eine Tribüne des Stadions, in dem sich das Museum befindet, aussieht, statt eine Tribüne des Stadions, in dem sich die Tribüne befindet, die sich im Museum befindet, das sich im Stadion befindet, die das Stadion darstellen soll, in dem sich das Museum befindet, zeigen zu müssen.

Eins allerdings hat das Borusseum dem Schalke-Museum voraus: Es besitzt einen eigenen Derby-Bereich. Darin werden die herausragendsten Spiele und Szenen aus den vielen Partien gegen diesen einen westlichen Nachbarn gewürdigt. Allerdings nicht so, dass man es wirklich genießen könnte, denn wieder ist die Bedienung der Filme für an vor-, hin-, rauf- und runterspulen ermöglichende Netzvideos gewöhnte Menschen schlicht umständlich. Noch dazu wird man von diesen Bildschirmen verjagt, wenn eine Vorführdame mit offensichtlich gleicheren Gästen im Schlepptau, alle männlich, über 50 und zwar nicht mit Krawatte, aber doch sehr seriös dreinschauend, herbeieilt und diesen wichtigeren Gästen die Vorführung der Derby-Szenen wieder von Beginn an ermöglichen möchte.

Woraufhin man sich zum rechnergestützten Wiki begibt, gefüttert mit allen möglichen Daten und Fakten zur Vereingeschichte. Steht jedenfalls dran, selbst ausprobieren und in die Geschichte des BVB eintauchen ist leider nicht möglich, denn das rechnergestützte Wiki ist an diesem Tag kaputt.

Schließlich widmet sich das Museum der Geschichte des Westfalenstadions, von seinem Bau bis zu den verschiedenen Erweiterungen, zusammen mit einer Zeittafel mit parallelen Infos zur fußballerischen Geschichte wie eben zu den Ereignissen rund ums Stadion. Daneben finden sich Bilderreihen aus der Gründungszeit, wie dieser und jener Spieler nicht aus dem Ersten Weltkrieg zurückkam, auf welchen Äckern man gegen welche Gegner spielte und wie man gewann und verlor.

Einen Raum im Raum hat man Duplikaten der gewonnenen Trophäen gewidmet, zwangsläufig etwas größer als die selbe Rubrik beim FC Schalke 04, und dennoch erstaunlich: Abgesehen von der Meisterschale wirken alle Pokale deutlich kleiner als in der vom TV vermittelten Realität. Der Champions-League-Pokal gerade mal eine halbe Armlänge groß? Der DFB-Pokal irgendwo zwischen altbackenem Blumenpott und abscheulichem Geschenk der Gemeinde zur Kommunion? Selbst der Weltpokal nur mit dem Charme des Interieurs einer Autobahnraststätte im südlichen Frankreich des letzten Jahrhunderts? Merkwürdig, denn auch wenn die Pokale schön inszeniert und angestrahlt sind: Sie wirken wie von einem Pokalmacher erstellt, der am Wochenende stets zu seinen Eltern nach Lilliput fliegt.

Höhepunkt des gesamten Borusseums ist schließlich ein nachgebauter Raum der Gründungskneipe des BV Borussia 09, der Kneipe „Zum Wildschütz“, wo sich einst einige Jungs über die Anweisungen des örtlichen Pfaffen hinwegsetzten, dass man eben keinen Fußball spielen solle. Hier blitzt die Liebe zur eigenen Geschichte auf, die man an den vielen weiteren Stationen ein wenig vermissen lässt, selbst wenn der Nachbau deutlich auf dem Niveau der Kulisse von Dalli-Dalli steht, Sperrholz also, statt echte Kneipenatmosphäre zu vermitteln. Dennoch sehr heimelig.

Zum Abschluss wird ein Fanquiz kredenzt, das prüft, wie viele Details vom Rundgang man behalten hat, ohne in der Aufmachung an WWM-Stimmung heranzureichen. Selbst wenn man, so wie wir, alle Fragen richtig beantwortet, bekommt man weder den Eintritt zurück noch ertönt wenigstens eine Jubelfanfare. Trocken.

Eine gute Stunde braucht man also durchs Borusseum, welche man auch kaum noch hätte strecken können. Einzige Möglichkeit: die übrigen 4 der 6 möglichen Karaoke-Songs ebenfalls singen. Ansonsten hat man in dieser einen Stunde alles Dargebotene konsumiert, nicht ohne das dumme Gefühl, dass man Fußballvereins-Museen — trotz Karaoke — nicht neu erfinden kann. Und dass man als ausgeprägter Fußballfan eigentlich jede dieser Anekdoten schon mal gehört hat.

Fazit: Einskommafünf von fünf möglichen Rubbeldikatz-Punkten. Das geht besser, mit mehr Liebe zum Detail und trotz des sehr freundlichen Personals wirkt das Ganze etwas lieblos, ist die Klientel eines Fußballmuseums doch ohnehin schon der noch mal extra-fußballverrückte Teil der Grundgesamtheit Fußballinteressierter.

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Jörg Wontorra empfängt die Weltmeister 1990 am Frankfurter Flughafen

Während in der Gegenwart heute die ersten beiden Viertelfinals der Frauen-WM 2011 stattfinden, während das Finale in Frankfurt erst in einer Woche über die Bühne gehen wird, blicken wir etwas länger zurück in die Vergangenheit, auf den 9. Juli 1990, einen Tag nach dem 8. Juli 1990.

Die deutsche Nationalmannschaft kehrt unter Bundestrainer Holger Osieck und dem einen oder anderen Teamchefchen aus Rom zurück, mit dem Pokal in den Händen.

Einige Geschenke von den Journalisten (!) kommen hinzu. Andreas Brehme erklärt genau, wie das so war im Spiel, am damaligen gestern. Durchaus zuhörenswert, das alles.

Sollte die deutsche Frauennationalmannschaft Weltmeisterinnen werden, wird es übrigens keinen solchen Empfang am Frankfurter Flughafen geben — denn dann wären sie ja schon in Frankfurt.

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Jannik Sorgatz‘ Erstling ist raus
„So weit die Raute trägt“

Etwas untypisch für einen Schreiberling im und aus dem Netz besitzt Jannik Sorgatz gar kein total kreativ ausgedachtes Pseudonym, so wie Herr Wieland (welches ja ohnehin leider in einer dramatischen wie überflüssigen Entscheidung seinerseits beerdigt wurde) oder Trainer Baade, oder aber dann doch janus, der Frittenmeister, mars und die vielen weiteren Menschen, die ins „Netz“ — wie die Kids heutzutage sagen — hereinschreiben.

[photopress:so_weit_die_raute_traegt.jpg,full,alignleft] Dennoch macht er das schon ziemlich lange und wenn, dann ziemlich lange. Weshalb es ihm auch ganz leicht fiel, aus seinen Blogeinträgen ein Buch zu erzeugen. Der erste im Blogosquarium ist er damit nicht, denn janus hat schon gleich zwei drei Mal seine Beiträge zu Büchern verwurstet, Jannik allerdings ist gerade mal Anfang 20.

Dass er über Borussia Mönchengladbach schreibt, seine Beziehung zu diesem Preußensaftladen und über seine Erlebnisse mit Bier, Bahn und Belone, macht seine Ergüsse nicht weniger lesenswert. Weniger als was? Als sein Blog natürlich.

Das Ganze ist nicht nur ein Experiment, um zu testen, wie leidensfähig seine Leser sind. Denn leiden müssen sie ja erneut, wenn sie durch die komplette Hinrunde der Borussia 2010/2011 hindurch wollen. Werden allerdings, wie man weiß, am Ende auch erlöst.

Nein, es ist auch noch eine selbstlose Aktion von Jannik Sorgatz, der sich wochenlang lektorierend durch seine eigenen Texte gekämpft hat, nur um den Gewinn vom Verkauf seiner Bücher an einen Verein weiterzureichen, der als Träger der Arbeitsstelle von Janniks Bruders fungiert. Jener arbeitet zusammen mit anderen behinderten jungen Erwachsenen in einer Jugendherberge.

Dies als Kaufmotivation anzudienen ist aber völlig unnötig, denn „So weit die Raute trägt“ ist selbst für Nicht-Borussen höchst lesenswert, was nicht zuletzt an Janniks einzigartigem Stil liegt, seine subjektiven Emotionen und Beschwörungsrituale mit dem teils dilettantischen, aber hochdramatischen Geschehen auf dem Platz zu verweben. Sagt Trainer Baade, der es schließlich schon gelesen hat.

Bestellen sollte man das Buch hier.

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Reisende gibt es immer wieder

[photopress:der_libero_lebt.jpg,full,alignleft] Es scheint so zu sein, dass man — einmal infiziert — nicht so leicht davon wegkommt.

Denn nach dem Königsblog und dem Volk ohne Raumdeckung ist ein weiterer der kurzzeitig zurückgetretenen Fußballblogger wieder mitten auf der Bühne des Balles: Das alte Thor Waterschei-Blog heißt jetzt „Der Libero“ und ist wieder im Programm. Die Beiträge dort erscheinen zwar nicht mehr in der gleichen Frequenz wie noch als Thor Waterschei, dafür aber schon seit geraumer Zeit und nicht zu kurz.

Wunderbar.

Einige Hände reichten nicht mehr aus, um die Zahl der Wortmeldungen zu zählen, die das Ableben von „Thor Waterschei“ bedauerten. Das Bedauern kann allerdings nun in die Gerätekammer gesperrt und dort für spätere Nutzung aufbewahrt werden.

„Thor Waterschei“ ist tot.

Es lebe „Der Libero“!

Andererseits kommt man anscheinend sehr wohl davon los, wie gerade erst drei längere Mitstreiter demonstrieren. Au revoir, Safftis Spottplatz, Fabulous Sankt Pauli und Hamburg Schwarz-Gelb. War mir eine Freude, und vielleicht nehmen sie sich ein Beispiel an den Erstgenannten. Falls nicht, auch nicht gut.

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Ein Remis ist kein Remis ist kein Remis

Eines der schönen Dinge am Fußball ist die Tatsache, dass es ein Remis gibt.

In vielen Spielsportarten, in denen sich je zwei Teilnehmer duellieren, ob nun als Mannschaft oder als Einzelner, existiert schon per Spielregeln kein Remis. In vielen weiteren, in denen ein solches möglich wäre, wird es durch endlose Verlängerungen inklusive kleiner, Verzeihung, schneller Tode ebenso ausgeschlossen wie in den erstgenannten.

Kritiker, vermeintliche Freunde ebenso, des Fußballs werfen diesem vor, durch seinen hohen Anteil an Spielen, die Remis enden, etwas von seiner wohl noch schlummernden möglichen weiteren Faszination zu verhindern. Auf dass auch noch der hinterletzte Bewohner dieses Planeten für den Fußball gewonnen werden möge. (Dieser zweite Aspekt ist allerdings ein anderes Fass als jenes, welches hier diskutiert werden soll.)

Dabei ist ein Remis selten wirklich ein Remis. Die eine, stets nötige Ausnahme von dieser Regel, zumindest für das erste folgende Argument stellt lediglich das 0:0 dar.

1.

Allen anderen Remis ist immanent, dass zunächst eine Mannschaft eine Führung erzielt, die andere also bis zu ihrem Ausgleich im Hintertreffen liegt und einer drohende Niederlage entgegensieht, bis diese Mannschaft den Ausgleich erzielt. Was für die erste Mannschaft den Verlust eines errungenen Vorteils bedeutet, während das ausgleichende Team etwas hinzugewinnt. Endet das Spiel nach derartigem Verlauf, wird sich eine Mannschaft freuen und die andere ärgern. Das ist einerseits trivial, wird aber offensichtlich stets übersehen, wenn man beginnt, an der Existenz von Remis im Fußball herumzudoktorn.

2.

Zweitens kommt ins Spiel, dass eine Fußballpartie fast immer — von den wenigen Situationen eines KO-Runden-Spiels abgesehen — innerhalb eines Ligasystems stattfindet. Einem System, in dem andere Teams ebenfalls Spiele verlieren, gewinnen oder unentschieden beenden. So kann ein Remis in einer bestimmten Tabellenkonstellation genau so ausreichend hoch dotiert sein, wie man es gerade benötigt, um sein Ziel zu erreichen. Klappt es dann — das muss nicht zwangsläufig am Ende einer Saison passieren, es sind auch Szenarien wie ein Ultimatum an den Trainer oder überkochen zu drohender Unmut mitgereister Zuschauer nach Niederlagenserien oder Ähnliches denkbar — das benötigte Ziel eines Remis‘ zu erreichen, wird es wie ein Erfolg empfunden werden. Ergo machen sich weder Langeweile noch Unzufriedenheit ob des vermeintlichen Fehlens einer Entscheidung breit.

3.

Drittens treten selten Mannschaften gegeneinander an, die in der perzipierten Spielstärke so gleichwertig empfunden werden, dass man vor der Partie keine Vermutungen bezüglich der Favoritenrolle in diese oder jene Richtung ablesen würde. Je nach Spielstärke des Gegners vermag ein Remis durchaus wie eine Niederlage oder aber bei scheinbar übermächtigem Kontrahenten wie ein Sieg zu wirken. Das wiederum geschieht beinahe unabhängig von der aktuellen Tabellensituation. Nicht gänzlich unabhängig davon, zugegeben, denn diese wird in den meisten Fällen moderieren, wie stark ein Team ganz aktuell eingeschätzt wird.

Nur wer mit den Augen eines reinen Entertainment Erwartenden, mit einem vom Wunsch nach totalem und möglichst finalem Drama beseelten Gemüt oder mit von anderen Sportarten verdorbenen Erwartungen (die dort durchaus passend sein mögen) einem Fußballspiel zuschaut, wird sich mit der Idee eines Remis nicht anfreunden können und gelangweilt zurück zu seinem Tic-Tac-Toe schleichen.

Doch wer würde ernsthaft einen solchen Zuschauer, der die Umstände und Auswirkungen eines Remis nicht erkennt, vermissen?

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