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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Epochal dehnbarer Kautschuk

Noch jede gut durchdachte Machtbewahrungsorganisation bemüht sich um eine juristische Legitimierung ihres willkürlichen Handelns, auch wenn noch so durchschaubar ist, dass man unter den verwendeten Paragraphen gleichzeitig alles und nichts verstehen könnte. Wehrkraftzersetzung, achnee, dann schreit man hier gleich wieder, ich würde den DFB mit den Nazis gleichsetzen, tu ich natürlich nicht, weil ich hier nichts verharmlosen will.

Also keine Wehrkraftzersetzung, sondern Staatsbürgerkunde. Achnee, dann schreit man hier gleich wieder, ich würde den DFB mit der Stasi gleichsetzen, tu ich natürlich nicht, weil ich hier nichts verharmlosen will.

Nun gut, dann halt die Analogie zur FIFA, die ihre eigenen Angelegenheiten im Euphemismus der „eigenen Familie“ bewältigen möchte.

Es gibt einen Paragrafen 9 in der Rechts- und Verfahrensordnung des Verbandes. Dort heißt es, dass man sich „eines unsportlichen Verhaltens“ schuldig macht, wenn man sich politisch, extremistisch, obszön anstößig oder provokativ beleidigend verhält.

Dass sich im Laufe der Zeit ändert, was als obszön anstößig oder auch nur als provokativ empfunden wird, ist ja gut und richtig, denn solche Gesetze oder Regeln bzw. deren Auslegung ist ja mit gutem Grund nicht starr, sondern an die Umstände der Zeit angepasst.

Dass die Auslegung aber undurchschaubar und intransparent stets nach gusto geändert werden kann, öffnet Verschwörungstheorien das Tor und macht das Gefühl, bei der Rechtssprechung des DFB in guten Händen zu sein, unmöglich.

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Selber singen: Ein Wachtraum

Eines Tages wird es doch noch passieren. Eines Tages fallen Freddie Mercury am Klavier bei den ersten Tönen des Intros von „We Are The Champions“ die Finger ab. Dann ist endlich Ruhe.

Den einen oder anderen Finger wird man später zu horrenden Preisen bei eBay ersteigern können. An der herrlichen Ruhe ändert dieser ansonsten nicht weiter erwähnenswerte Umstand allerdings nichts mehr.

Nicht nur die Fans, sondern auch die Spieler müssen ihre Jubellieder wieder selbst singen. Es könnte sogar sein, dass sie sich dabei etwas einfallen lassen, was Bezug zum Siegerclub, zum gewonnenen Wettbewerb oder gar zu den einzelnen Spielern hat.

Plöck, plöck, fallen ihm die Finger ab, einer nach dem anderen, schlagen auf der Tastatur des Klaviers auf, die Band verstummt und im Fußball singt man endlich wieder Zeilen und Melodien, die etwas bedeuten.

Wachtraum zu Ende.

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Currywurst im Glückauf-Club

Vorab schon mal schnell die Wertung: Fünf von fünf möglichen Brötchen zur Currywurst für den Glückauf-Club, alles super. Es muss also hernach niemand aufschreien oder mich irgendwohin einladen. Der Glückauf-Club ist perfekt, wie er perfekter gar nicht sein könnte. Allerhöchstens einige klitzekleine Details könnte man verbessern, aber darauf müssen die Betreiber schon selbst kommen.

So, also: Eine Einladung in den Glückauf-Club der Arena auf Schalke, jaja, die jetzt anders heißt, statt zu verpixeln nehmen wir einfach den vorigen Namen, stand ins Haus. Schön, wenn sich alte Bekannte an die Fußballleidenschaft des Autors erinnern. FC Schalke 04 gegen Borussia Mönchengladbach lautete die Paarung, zu einem Zeitpunkt, zu dem Borussia Mönchengladbach anders als sonst in den letzten 25 Jahren üblich nicht gegen den Abstieg kämpfte, was allerdings auch damit zu tun gehabt haben könnte, dass die Saison noch sehr jung war.

Wer in den Glückauf-Club eingeladen ist, der darf näher am Stadion parken als die Infanterie, weshalb der Fußweg zum Einlass zwar deutlich kürzer ist, die Anfahrt dennoch nicht schneller bewältigt wird. Denn der Stau im Umfeld des Stadions setzt schon Stunden vor Anpfiff ein und in diesem steht man auch als elitärer Glückauf-Club-Besucher. Jenem Club, welcher übrigens Sponsoren vorbehalten ist, bzw. deren Mitarbeitern und eventuellen Gästen, wie ich es einer an jenem Nachmittag war.

Der kurze Weg zum richtigen Eingangstor durch den selbst im August schon vorhandenen Nieselregen von Geilistirinkirkin ist schnell bewältigt, einige Treppen und im Nu blickt man in die Augen der nicht ganz so wie in der Loge der Allianz-Arena strahlenden Hostessen. Klar, man ist ja erstens nur Glückauf-Club-Besucher (und nicht VIP-Logen-) und zweitens in Geilistirinkirkin. Zum Einlass erhält man bei Vorzeigen der Karte ein schnödes, für Fanboys vielleicht auch schönes Bändchen um den Handknöchel und schwupps ist man drin, im Glückauf-Club.

Main Street #13: Room with a view
Ein Foto, das nichts mit dem Inhalt des Beitrags zu tun hat, es soll lediglich das Lesen erleichtern. Na gut, ein bisschen curryfarben ist das Haus schon.
photo credit: kevindooley

Darin sitzt man wie in einem großräumigen Restaurant, jeweils recht schmal bemessene Vierer-Tische in Reihen aneinander, davon vielleicht 100 an der Zahl im gesamten Saal. Rechts der Tür eine Bar, das nicht ganz so umfangreiche Buffet links zur Tür. An beiden Seiten kann man aus dem Glückauf-Club heraus an den tatsächlichen Logen vorbeistromern und Einblicke erhaschen, welcher Dagobert darin gerade seinen Kindern einen besonderen Geburtstag spendiert oder ob man vielleicht doch einen C-Promi oder -Ex-Spieler entdeckt. War zumindest an jenem Tage nicht der Fall.

Von überall aus ist der Blick — wie in den neuen Arenen üblich durch eine Glaswand — ins Stadion möglich, wobei man sitzend oder etwas weiter weg stehend nur die anderen Tribünen sieht, nicht die Spielfläche. Für die gesamte Dauer des Aufenthalts sind Kost und Logis frei. Die Kost besteht aus nicht weiter erwähnenswerten, aber schmackhaften Speisen samt obligatorischen Currywürsten sowie Getränken. Logis findet man eine Ebene höher als in diesem Zwischenrang, immerhin in einem Sessel, und nicht auf einem einfachen Klappsitz.

Um wenigstens ein bisschen Disneyland zu verbreiten sind die Kellnerinnen und Kellner in diesem Glückauf-Club alle in Pütthemden gekleidet, zudem befinden sich die Deckenlampen in Behältnissen, die an Körbe einer Kaue erinnern sollen. Wo Schalke draufsteht, muss schließlich aussehen wie Schalke.

Die Sponsoren und -gäste treffen sich also zum gemeinsamen Kauen, ah, Entschuldigung, Essen vor dem Spiel und so hat trotz Anstoßzeit um 17.30h ein jeder punktgenau zu Anpfiff einen vollen Magen, welchen er wie bereits erwähnt samt Magenbewegungsvorrichtung, genannt Körper, noch eine bis zwei Etagen weiter nach oben bewegen muss.

Nach dem Spiel kann man je nach Verlauf und dementsprechender Laune oder bei fußballerischer Neutralität auch davon losgelöst weiterschlemmen und Kehlen benetzen, wobei im Glückauf-Club auf einer Minibühne Spielerinterviews durchgeführt werden. Dafür stehen allerdings nur nicht eingesetzte Ersatzspieler bereit, die echten Raúls und andere Wunderstürmer begeben sich wohl in den Bauch der Haupttribüne, während der Glückauf-Club sich schließlich in der Gegengerade befindet. Die tatsächliche Pressekonferenz wird zwar auf den an den Wänden hängenden Großleinwänden angekündigt, dann aber doch nicht gezeigt.

Wer sich wundert, warum die Sitzplätze der Logengucker oft freibleiben: Auch innerhalb des Glückauf-Clubs kann man das gesamte Spiel auf dort angebrachter Leinwand verfolgen und hat trotzdem den originalen Stadionanfeuerungston der Fans im Ohr.

Zweitens entsteht beim Nachobenwälzen der vollgefressenen Bäuche schon einmal ein kleinerer Stau auf der Außentreppe, so dass man selbst mit gutem Willen und rechtzeitigem Losgehen zu spät ankommen kann. Das Argument, dass man während der Pause ja auch auf seinem Platz bleiben könnte, zählt nicht, denn natürlich muss man, selbst wenn man nicht im Glückauf-Club Freigetränke kredenzt bekommt, während der Pause aufs Klo. Fußballschauen. Abpfiff, die Bäuche wieder runter gerollt.

Nach einigen weiteren Gläsern des Rumlungerns beschließt die Gesellschaft, dass im Glückauf-Club nichts mehr von Belang passieren wird, alle Mägen gefüllt und alle Tabellenstände ausgerechnet sind, so dass man sich zu den praktischerweise, siehe oben, direkt vorm Stadion geparkten PKW begeben kann, welche dann, siehe oben, natürlich im selben langen Stau stehen wie alle anderen, obwohl der Abpfiff schon einige Zeit zurückliegt.

Losgefahren gegen 14h, Rückkehr gegen 21.30h — ganz schön lange für ein nicht mal sonderlich gemütliches Essengehen. Beim nächsten Mal wählt der Autor lieber wieder einen normalen Platz/Stehplatz, da hat man deutlich mehr von der Atmosphäre des Spiels. Allen, denen der Glückauf-Club verwehrt bleibt, sei gesagt, dass sie nichts verpassen.

Currywurst gibt’s auch an der Bude an der Ecke und das Spiel erlebt man auf anderen Plätzen besser.

tl;dr Der Glückauf-Club ist ein Restaurant in der Arena auf Schalke, in dem man bei entsprechender Einladung kostenlos essen und trinken kann, nebenan läuft Bundesliga in echt.

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Die aktuellen Hochrechnungen … sind zum Glück falsch

Um genau zu sein sind nicht die Hochrechnungen falsch, sondern die Realität. Die Realität, das wird die Zukunft zeigen, hält sich nicht an die Hochrechnungen — und das ist auch gut so. Denn sonst wäre Fußball so etwas wie die Lindenstraße, bei der man nach dem Auftreten des Cliffhangers die Uhr stellen könnte, der wiederum aber per Lindenstraßenstandard ohnehin in der nächsten Folge nie aufgelöst wird. Erwartbar könnte man dazu in weniger Buchstaben sagen.

Die aktuellen Hochrechnungen ergeben zum Beispiel, dass der FC Bayern München, wenn er mit der aktuellen Geschwindigkeit in Sachen Torerzielung weiterspielt, am Ende der Saison 108,8 Tore auf der Habenseite „haben“ wird. Das kann aus zwei Gründen nicht funktionieren: Erstens gibt es anders als bei Körpergrößen keine Kommaacht Tore. Das zu bewirken, schaffte nicht mal Herr Jablonski. Und zweitens wären das mehr als der FC Bayern München Tore unter Mithilfe von Gerd Müller geschossen hat (Höchstwert 101). Und das wiederum, weiß jedes Quizfragen auswendig lernende Kind, ist unmöglich, dass ein Rekord von Gerd Müller gebrochen wird.

Eine weitere aktuelle Hochrechnung ergibt zur Zeit (deshalb „aktuell“), dass Mario Gomez am Ende der Saison 54,4 Tore erzielt haben würde. 14,4 Tore mehr also als der Rekord von besagtem Gerd Müller, was, siehe oben, unmöglich ist, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Verliefe die Saison so weiter wie bisher, würde Manuel Neuer übrigens einer dritten Hochrechnung zufolge mühelos den Rekord der wenigsten Gegentore in einer ganzen Saison brechen. Auf gerade mal 7 Gegentore in der gesamten Saison beläuft sich die Prognose. So sehr es dem sympathischen Buerschen auch zu gönnen sein mag, den alten Rekord vom weniger sympathischen alten Kahn zu stibitzen: Da werden noch einige Fehlgriffe an Flanken vorbei und auch das eine oder andere herausgespielte Tor eines Gegners folgen.

Eine letzte, sehr nette aktuelle Hochrechnung liefert die Aussage, dass der HSV bis zum Ende der Saison gerundet nur 7 Punkte erreichen würde. Da können sich alle jetzt schon glücklich in den Armen liegen, denn auch diese Hochrechnung wird sich als falsch erweisen. Ein, zwei Punkte mehr werden es schon noch sein nach dem letzten Spieltag.

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Mario Gomez‘ Ahnen — Das Nicht-Tor des Jahres (1983)

Am schönsten sind ja immer noch die Soli über den ganzen Platz. Die bleiben im Gedächtnis, weil man die darauf folgenden Tore immer mit dem kompletten Vorlauf in den etlichen Wiederholungen sieht, während ein einfacher Fallrückzieher, husch, husch, ein direkt verwandelter Freistoß ebenso, so schnell an einem vorüber zieht.

Nur ins Tor treffen sollte man dann auch, wenn man schon mal den für Fußballer bekanntlich extra langen Weg vom einem zum anderen Tor zurückgelegt hat. Ansonsten bleibt das Solo nicht in Erinnerung, geht nicht über Los und taucht nicht Jahrzehnte später in Wiederholungen auf.

Es sei denn …



Das Nicht-Tor des Jahres erzielte 1983 Hans-Günter Bruns, äh, nicht.

Mit dem kleinen Unterschied zu Mario Gomez, dass Hans-Günter Bruns wegen dieser Szene niemand einen Vorwurf gemacht oder einen Fluch gedreht haben wird.

Die Phrase vom „Nicht-Tor des Jahres“ war sicher nicht neu, wird hier aber von Fritz von Thurn und Taxis verwendet. Welcher ja bekanntlich nicht „von“ heißt, das ist nur Teil seines Künstlernamens.

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Die Allerletzten

Der Kicker führt in seinem Sonderheft eine Auflistung, welcher Klub wie häufig Tabellenführer war. Dabei ist so eine Tabellenführung wie zuletzt bei Gladbacher Anhängern erlebt zwar sehr euphorisierend. Zudem lernt man auf diese Weise etwas. Den meisten Fans, so ihre Teams nicht zu den Dauergästen auf Platz 1 gehören, wird klar, dass man plötzlich etwas zu verlieren hat, etwas verteidigen muss; ein Umstand, den sie so sonst nicht kennen.

Doch die Fans der allermeisten Klubs wissen, dass es nicht die Aussicht auf Erfolg ist, die den Fußball gleichzeitig so lebendig und so hassenswert macht, sondern die Angst vor dem Misserfolg, vor dem totalen Untergang.

Rainer Calmund konnte nachts nicht schlafen, weil das Abstiegsgespenst nicht aus seinen Gedanken weichen wollte, und aufgehängt hat sich selbst in Südamerika noch nie jemand, weil sein Klub Meister geworden ist.

Dabei ist es natürlich noch einmal ein „psychologisch wichtiger“ Unterschied, ob man nur auf einem Abstiegsplatz oder aber dem allerletzten Platz der Tabelle steht. Ist man Letzter, pfeift hinter einem nur der Wind durch die Schlucht, in die man hinabzustürzen droht. Als Vorletzter steht man immer noch auf den Händen des Letzten, mit denen dieser sich verzweifelt an den Felsvorsprung klammert. Wie man auch als Letzter strampelt, es ist schlicht niemand mehr unter einem, der schlechter steht als man selbst. Und da bewahren nur die Hartgesottensten ruhig Blut. Trainer, Spieler, Fans.

Eine Auflistung, wer wie häufig Letzter in der Bundesliga war, existiert trotz der ausgewiesenen Dramatik dieser Situation (zumindest hier nicht bekannt) nicht.

Wer also in der Bundesliga ist extrem erprobt in diesem Drahtseilakt und für wen ist dieses Gefühl so selten wie Preußen Münsters Aufenthalt in der ersten Liga?

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Wutfans, anno dazumal

Manuel Neuer Eike Immel wechselte 1986 vom BVB 09 zum VfB Stuttgart, was bei einigen Wutfans der Borussia gar nicht gut ankam. Sie warfen — damals ging das noch, weil es wohl nicht verboten war, diese mit ins Stadion zu nehmen, vor allem aber, weil sie überhaupt in alternativloser Weise vor sich hin existierten — eine volle Bierdose nach ihm. Die dann entsprechend ihrer vorherigen Aufladung durch Schüttelung wunderbar durch den Strafraum spritzte.

Eike Immel sah das alles nicht so dramatisch. Vielleicht auch, weil er als Profi eine realistische Einschätzung der Fans besaß. Man dürfe „keine Unterstützung“ im gegnerischen Stadion erwarten.



Ein normaler Vorgang, schließlich sind es hier die Bierstadt Dortmunder Fans, die die Dose werfen, und nicht die eigenen Stuttgarter Fans.

Es ändert sich selten etwas. Nur den Inhalt „Immel ist ne schwule Sau“ würde man heute nicht mehr so hören, alle anderen schon. Glück hatten die Dortmunder Fans wiederum, dass der BVB nie gegen den TSV Eintracht Stadtallendorf antreten musste.

Torverlauf:
0:1 Karl Allgöwer 36.
1:1 Thomas Helmer 48.
2:1 Thomas Helmer 80.
2:2 Rainer Zietsch 88.

Zuschauer: 24.242, einige davon wütend.

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Mertesackers ausgeprägte Soft Skills

[photopress:Meine_Saison_mit_dem_SVW.jpg,full,alignright] Der eine geht, der andere spricht darüber. Der eine ist Per Mertesacker und geht, um genau zu sein fliegt er natürlich von Werder Bremen zu seiner dritten Station im Profifußball, zu Arsenal FC (wenn man an dieser Stelle „London“ hinzufügt, wird man virtuell gesteinigt), der andere kennt Mertesacker nicht persönlich, noch kennt er Arsenal. Allerdings kennt er Werder Bremen ein wenig, weil er unter meinesaison.tobiassinger.com darüber schreibt. Das wiederum macht er, weil er einst von einer Muse auf Malta geküsst wurde, wie er letztens erst erwähnte.

Da muss man, wenn man selbst nichts zu sagen hat, die Gelegenheit beim Schopfe ergreifen und den Mann aus Malta, Tobias Singer, zu diesem seltenen Wechsel befragen. Denn deutsche Spieler in der Premier League kann man immer noch an zwei Händen abzählen. Und war Mertesacker nicht derjenige von den jüngeren, lustigen Nationalmannschaftsgesellen, der das beste Abitur hat? Zumindest wirkt er so. Ob Tobias Singer Abitur hat, wissen wir nicht, aber lesenswert sind seine Antworten auf die Fragen rund um den Wechsel von Per Mertesacker zu Arsenal. FC.

Wie standest Du zu Per Mertesacker, als er noch bei Euch war? Also, warst Du allgemein von ihm angetan?

Ich war allgemein sehr von ihm angetan, vor allem von seiner Ruhe und seiner Übersicht. Er ist in meinen Augen ein sehr gutes Beispiel für einen modernen Führungsspieler: Einer, der sich nicht in den Vordergrund drängt, aber sich auch nicht vor Verantwortung drückt. In der Mannschaft gilt er als Integrationsfigur und einer, der für gute Stimmung sorgt. Auf Neudeutsch könnte man auch sagen: Er hat sehr gut ausgeprägte Soft Skills.

Wieso entsteht der Eindruck, dass er zuletzt stagnierte oder nicht so in Form war? Und wo liegen überhaupt seine Stärken, wenn er in Form ist?

Seine letzte Saison bei Werder war verhältnismäßig schwach. Gegen Ende kam er wieder etwas besser in Form, aber insgesamt blieb er deutlich unter seinen Möglichkeiten. Warum ist schwer zu sagen. Zum einen war er in einer verletzungsgeplagten Defensive eine der wenigen Konstanten, musste ständig mit anderen Nebenleuten zusammenspielen. Zum anderen kam er nach der WM und seiner Verletzung erst spät in Schwung. Eigentlich hätte er selbst wohl eine längere Pause gebraucht, aber das war nicht möglich. Seine Stärken sehe ich (neben den oben angesprochenen) in der Spieleröffnung, im Kopfball- und im Stellungsspiel.

Denkst Du, er wird dazu beitragen können, Arsenals Defensive zu verbessern?

Viel schlechter kann es dort ja nicht mehr werden. Sieht man sich Arsenals derzeitige Verletztenliste und die verbliebenen fitten Spieler an, ist Mertesacker direkt eine große Verstärkung. Mittelfristig wird es davon abhängen, wie er sich an den englischen Fußball gewöhnt. Im Gegensatz zu vielen anderen glaube ich nicht, dass ihn seine mangelnde Schnelligkeit behindern wird. Die musste er auch schon in der Bundesliga und in der Nationalmannschaft kompensieren. Ich denke, dass er mit Vermaelen eine gutes Innenverteidigergespann abgeben wird, zumal es Arsenal akut an Kopfballstärke in der Defensive mangelt.

Wie wird sich sein Weggang auf Werder auswirken?

Er wird Werder vor allem als Persönlichkeit fehlen und hinterlässt eine Lücke in der Mannschaftshierarchie. Für Werder ist es eine Saison des Umbruchs und mit Frings und Mertesacker sind nun der Kapitän und sein Stellvertreter der letzten beiden Jahre weg. Das muss kein Nachteil sein, momentan funktioniert die Mannschaft gut als geschlossene Einheit. Das kann sich aber auch schnell ändern und dann bin ich sehr gespannt, wie Trainer und die verbliebenen Führungsspieler damit umgehen.

Welche Umstellungen sind konkret denkbar?

Entweder ersetzt ihn Prödl eins zu eins in der Innenverteidigung – zumindest solange bis Naldo wieder fit genug für die Bundesliga ist – oder Sokratis rückt von rechts in die Mitte. Dann hängt es davon ab, wie fleißig Schaaf verschieben will. Ignjovski oder Wesley könnten als Rechtsverteidiger spielen oder Fritz wird aus dem Mittelfeld zurück beordert, wo er ebenfalls von Ignjovski oder Wesley (oder Ekici oder Borowski) ersetzt werden könnte. Da die derzeitige Formation bislang gut funktioniert, glaube ich nicht, dass Schaaf große Änderungen vornimmt und tippe auf die erste Variante.

Hast Du Angst vor der Zukunft in Bezug auf die Defensive bei Werder?

Nein. Personell ist Werder gut aufgestellt, zumal man ja nur noch Bundesliga spielt. Wolf und Prödl sind sicher kein gleichwertiger Ersatz, aber ich hoffe im Laufe der Saison auf eine Innenverteidigung aus Naldo und Sokratis. Werders Transferpolitik im Sommer hat mir gefallen, aus dem Kader kann man in den nächsten ein bis zwei Jahren ein gutes Team formen.

Denkst Du, er kehrt eventuell später einmal zurück? Bei Werder kommen ja auffällig viele Spieler, die das Team auch geprägt haben, ein zweites Mal zum Verein, Herzog, Frings, Pizarro.

Bei Mertesacker glaube ich das ehrlich gesagt nicht, auch wenn er hier sicherlich immer willkommen wäre. Ich denke eher, dass er irgendwann zurück nach Hannover geht.

Spricht Mertesacker überhaupt Englisch und wird er jetzt erstmal länger mit Jens Lehmann telefonieren?

Wie gut sein Englisch ist weiß ich nicht, aber er hat Abitur, da sollte es zumindest ausreichen, um sich in London zu verständigen. Zur Not spricht Arsène Wenger ja auch Deutsch. Mit Jens Lehmann braucht er nicht zu telefonieren, der taucht gerne mal bei Arsenal auf dem Trainingsgelände auf, wenn er nicht gerade mit Gerichtsprozessen zu tun hat.

Vielen Dank für Deine Ansichten, Tobias.

Tobias Singer hat auch noch einen ausführlichen Abschiedsbrief an Per Mertesacker verfasst.

Ältere „Interviews“ gibt es mit El Fútbol und mit catenaccio.

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Ein Plasma-TV

Als ich doch letztens mit einem und für einen Freund ein solches Plasma-TV abholte, in mein recht schmales Auto verfrachtete (der schwierigste Teil der Zelebration, denn man darf ein solches Plasma-TV ja nicht hinlegen, es muss aufrecht transportiert und auch eingeladen werden, weiß der Teufel, warum) und schließlich in den vierten Stock hievte, wo es jetzt auf die Einweihung am Freitag mit der Partie Deutschland — Österreich wartet, da fiel mir wieder ein, für wie wenig sich manche doch kaufen lassen.

Gut, ein paar Tausend Euro waren ja noch zusätzlich im Körbchen, aber dass ein Plasma-TV — so die Legende überhaupt stimmt — an sich schon solche Faszination ausübte, dass man nicht darauf warten konnte, es von den ohnehin ermanipulierten Geldern selbst zu kaufen, das ist aus heutiger Sicht nur schwerlich noch nachzuvollziehen. Zumindest mir fällt es schwer, der das Bedürfnis, stets das Neueste vom Neuen zu besitzen, ohnehin eher so vom Hörensagen kennt.

Wie ich anderswo mal erwähnte, könnte man von mir aus Fußballspiele auch in diesem schicken ASCII-Style übertragen, wie es ein findiger Mensch während der WM 2006 tat. Ich glaube nicht, dass mir allzu viel fehlen würde. Geprimet von den Szenen beim Football Manager auf dem C64 ist mir am Ende wichtig, zu wissen, ob der Ball drin ist oder nicht. Was nicht bedeutet, dass ich nicht am Freitag Abend innerhalb von Sekunden meine Meinung ändern werde, schlappe 40 Zoll gilt es zu bestaunen.

Nach meinen Erfahrungen in diversen Elektrogeräte-Großmärkten und deren Präsentationseckchen nützt das aber auch nichts, wenn das Spiel oll ist. Ein Standpunkt, den der damals auf das Plasma-TV heiße Mensch sicher nicht teilte.

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Der Big Bombastic Frantic Freezer von Reus

Schau ihn Dir gut an, sagte ich zu meinem Nebenmann, seines Zeichens eingefleischter Fan der Gladbacher. Schau ihn Dir gut an, denn lange wirst Du ihn nicht mehr in Eurem Team sehen.

Man muss allerdings kein großer Prophet sein, um solch eine Prognose abzugeben. Da reicht es schon, vom Prophetsein so viel zu verstehen, wie Mohammed vom Fußball.

Denn wenn Marco Reus an den Ball kommt, hat er stets einen dieser Supertricks parat, die man nur dann beherrscht, wenn man die 38 Tasten-Kombinationsmöglichkeiten eines Joypads mit der Muttermilch aufgesogen hat. Wie man es eigentlich von allen in Reus‘ Altersklasse erwarten würde, die jetzt in der Bundesliga spielen. Dem ist aber nicht so.

Den einen, geheimen Trick kennt wohl nur Reus allein (und ein paar andere, deren Namen jetzt einzuwerfen nur Anlass dazu wäre, unzulässige Vergleiche anzustellen): Den Big Bombastic Frantic Freezer.

Dieser Trick bewirkt, dass der Gegner für entscheidende Sekundenbruchteile gelähmt („eingefroren“) wird. Jene Momente nutzt Reus dann, man sieht es nur, wenn man genau hinschaut, um ein bisschen Schabernack mit Zeit und Raum zu spielen, denn er schlüpft durch zwei Gegner hindurch und lässt dabei den Ball noch zum Tunnel durch die Beine des einen der beiden laufen. Welche ja gelähmt sind und sich für diesen kurzen Zeitraum nicht bewegen können.

Das alleine wäre nicht so wirksam wie die Tatsache, dass der Gegner direkt nach der Anwendung des Big Bombastic Frantic Freezers nichts mehr davon weiß, dass er gerade gefreezet wurde. Er schaut auf, und dort, wo gerade noch Marco Reus stand, ist nur noch dessen Schatten (der ebenfalls nicht so schnell hinterherkommt), während Reus selbst auf dem Weg in Richtung Strafraum von dannen eilt.

Umfangreiche Tests haben zudem ergeben, dass die als Abwehrwaffe gegen den Big Bombastic Frantic Freezer konzipierte „Überbordende Antizipation“ wirkungslos bleibt. Experten arbeiten an anderen Lösungen, können zur Zeit aber nur mit den Schultern zucken, wenn man sie fragt, was gegen den Big Bombastic Frantic Freezer einzusetzen wäre.

Manchmal allerdings hat Reus Pech, wenn der Trick noch nicht wieder vollständig aufgeladen ist und nicht zur Verfügung steht. So verliert er auch schon mal im simplen Eins gegen Eins den Ball. Der Laie wundert sich dann. Der Fachmann nicht.

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Mehr Skandale müssen her

… sonst wird das nix mit dem tollen Projekt. Der letzte („Führungsspieler“) hat ja schon ein bisschen gewirkt. Wie viele der „User“ dann auch eine „Premium Mitgliedschaft“ abschließen, um die tollen Features und Angebote zu nutzen, weiß man dabei natürlich nicht. Aber das ZDF wird demnächst sicher gerne wieder behilflich sein, spätestens bei den Sendungen zur EM 2012 von Usedom.


[photopress:fanorakel_reach_bei_alexa.jpg,full,centered]

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Michael Skibbe, gib mir meine Zeit zurück

Eigentlich bliebe einem nur eins zu tun, wenn man das hört, was Lahm häppchenweise verbreiten lässt: Die Zeit von Michael Skibbe zurückzufordern, die man vor dem Fernseher verbracht hat, in der Hoffnung, dass die deutsche Nationalmannschaft besser sein würde als ihre jeweiligen Gegner. Denn damit hat sich Michael Skibbe, obwohl es seine Aufgabe war, offenbar nicht befasst.

Was durchaus bedeuten könnte: Mit einem Bundestrainer, der den Namen wert wäre, wäre man vielleicht 2002 Weltmeister geworden. Vielleicht aber auch nicht.

Dass gleichzeitig anklingt, dass die anderen damals auch nicht mehr an Vorbereitung investiert haben, macht es nicht weniger schlimm: Umso größer wäre ja der Vorsprung gewesen, wenn man sich besser vorbereitet hätte.

Dass Völler nur der Mann für die Kameras war, war ja klar. Dass der daneben aber mal so gar nichts hatte, was er hätte einbringen könne, schockiert dann doch noch enorm, auch mit dem Abstand von 7 Jahren zum Ereignis.

Was die Neuigkeit zusätzlich so niederschmetternd macht: All die Ernst Happels, Branko Zebecs, Hennes Weisweilers — Haben die wirklich nichts Anderes gemacht als fünf gegen fünf und dann am Wochenende ausgewürfelt, wen sie aufstellen? Das lässt all die Mythen und auch Erfolge doch ziemlich verblassen.

Man will es ja immer wissen, was da hinter den (für uns) verschlossenen Türen passiert(e). Dass es einfach gar nichts ist, ist dann allerdings eine Wahrheit, auf die man auch gerne hätte verzichten können.

So schmucklos, so schlicht, so trivial und so leer ist es dann eben: Es war gar nichts.

Es war einfach nichts.

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