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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Ich möchte ein Schwede sein …

… am kalten Polar.

Dann wäre ich immer rein, alles wär so klar.

Reine Seele ist hier natürlich gemeint, denn der Schwede an und für sich betrügt nicht und spielt vor allem nicht foul. Selbst die Fans verhalten sich vorbildlich, und so kann man in diesem Zusammenhang mit Fug und Recht behaupten:

Von den Schweden lernen heißt siegen lernen.

Von den Norwegern lernen übrigens auch.

Denn die Fairplay-Wertung der UEFA wurde nicht weniger als 6x von Schweden gewonnen und 5x von Norwegen. Die anderen Teilnehmer der Endphase dieser Wertung kommen übrigens aus Dänemark, Finnland, Schottland oder England sieht man von dem einen Ausreißer aus Weißrussland (bestimmt gekauft, dieser Sieg!) ab.

Was befindet sich in der nordischen Luft, dass Teams und Zuschauer aus diesen Ländern stets so ausgemacht fair auftreten? Ist diese Substanz einmal identifiziert, sollte man sie hierzulande auch einsetzen. Gerne als Duftspray, welches man als Fairplay-Gedanken-verbreitenden Teppich vor Anpfiff in den Bundesligastadien, aber auch in den dies noch dringender benötigenden Kreisligen versprüht, um auf diese Weise fortan wunderbaren Fußballsport ohne Schwalben, Schauspieleinlagen, Kartenfordern, bösartige Fouls und randalierende Zuschauer zu genießen.

Den reinen Fußballsport eben, rein wie die schwedische Seele.

Die Gewinner dieser UEFA-Fairplay-Wertung seit 1995:

1995 Viking Stavanger Norwegen
1996 Malmö FF Schweden
1997 Brann Bergen Norwegen
1998 Aston Villa England
1999 FC Kilmarnock Schottland
2000 IFK Norrköping Schweden
2001 Schachzjor Salihorsk Weißrussland
2002 Brann Bergen Norwegen
2003 Manchester City England
2004 Östers IF Schweden
2005 Viking Stavanger Norwegen
2006 Gefle IF Schweden
2007 BK Häcken Schweden
2008 Manchester City England
2009 Rosenborg Trondheim Norwegen
2010 Gefle IF Schweden

Dass es aus Deutschland erst zwei Vereine über diesen Weg in den UEFA-Pokal/die Europa Liga geschafft haben, verwundert hoffentlich niemanden.

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Einen historischen Irrtum korrigieren

Eigentlich müsste man den folgenden Beitrag gar nicht schreiben, denn es gibt niemanden, der seinem Inhalt widersprechen würde (von einer zwei Ausnahmen abgesehen).

Allerdings gibt es dennoch Stimmen, die sich auf ganz merkwürdige Weise öffentlich äußern. Denen entfallen ist, dass es allein einen leider viel zu lange währenden, aber großen historischen Irrtum des Fußballgotts (manche nennen ihn auch Zufall, andere erkennen ihn in einer Symbiose aus Zufall und Kontostand) darstellt, dass der VfL Wolfsburg seit 1997 in der ersten Bundesliga spielt. Von einem „Top-Klub“ ist da die Rede. Dabei sieht die Bundesliga-Bilanz des VfL Wolfsburg folgendermaßen aus:

14, 6, 7, 9, 10, 8, 10, 9, 15, 15, 5, 1, 8.

Neben der Meisterschaft ein einziges Mal unter den ersten 5, ansonsten mehr als nur einmal knapp am Abstieg vorbeigeschrammt. Die angesprochenen Stimmen jedenfalls können doch nicht bei Trost sein, wenn sie den VfL Wolfsburg zu einem „großen“ Verein der Bundesliga machen. Wer spricht heute noch von Eintracht Braunschweig oder vom TSV 1860 München (beides einmalige Bundesliga-Meister) als „großem“ Verein? Wer wird in 20 Jahren noch vom VfL Wolfsburg als mehr als einer Eintagsfliege in Bezug auf Top-Platzierungen sprechen? Wären diese sprachlichen Pfade nicht schon so ausgetreten, man müsste den VfL Wolfsburg glatt als graue Maus bezeichnen. Wir belassen es dann lieber beim weniger schmachvollen Zeigen der einzigen beiden weiteren Fans des Top-Klubs.

Ist der KV Mechelen mit seinem einmaligen Europapokalgewinn ein Großer unter den europäischen Klubs? Steaua Bukarest? Ipswich Town? Ist Hannover 96 mit seinem halben Pokalsieg und seinen zwei Meisterschaften von annodunnemal heute noch ein großer Klub?

Man möge sich doch bitte die Saisonstatistik des VfL Wolfsburg anschauen, zudem zur Kenntnis nehmen, dass der Meistertrainer ebenso wie die wichtigeren Elemente des Kaders schon längst weitergezogen sind, sowie, dass dort ein Manager am Werke ist, der abgesehen von Träumen vom Großsein sportlich noch nicht allzu viel hinbekommen hat. Träumen ist ja gerade im so zufallsbeeinflussten Sport Fußball erlaubt, aber doch bitte bei Fans und Spielern und nicht bei jenen, die darüber berichten.

Die Chance, den Irrtum der Bundesligazugehörigkeit dieses Nirgendwos zu korrigieren, kommt aber just in dieser Saison wieder. Weshalb wir alle Stuttgart-, Gladbach-, und Bremen-Fans sind, denn es soll nicht sein, dass der „Top-Klub“ VfL Wolfsburg, der historische Irrtum, erneut das Glück hat, dass gleich drei andere Teams am Ende der Saison noch schlechter dastehen als er.

Immerhin hat der Zufall kein Gedächtnis, und so sind Ausreißer in beide Richtungen stets das willkommene Salz in der Suppe. Man frage eben jene Eintracht Braunschweig und den TSV 1860 München.

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Geifern, sabbern, tröpfeln

Völlig fern liegt es hier mittlerweile, nachdem man einige Zeit lang diese Strömung immer mal wieder in die Beiträge hat einfließen lassen, die allgemeine Verdenglischung der deutschen Sprache zu bekritteln, noch ist an dem Substrat an sich etwas auszusetzen, besitzt es doch eine nicht nur dem Kenner auffallende Eleganz, sowohl klanglich als auch optisch, und verleiht dem es Verwendenden eine Strahlkraft und ebensolche Eleganz, die dem ursprünglich gebrauchten Wort völlig fehlt, welches noch dazu ziemlich ungewaschene Konnotationen weckt, ein wenig infantil daherkommt und nicht den Eindruck erzeugt, als sei — wie es bei seinem Nachfolger der Fall ist — das damit beschriebene Vorgehen besonders planvoll oder auch nur Teil eines größeren Ganzen, das annähernd zielführend sein könnte, sondern vielmehr ein mit einem zwar lustvollen, aber wenig ertragreichen Herumtollen, bei dem die Angelegenheit reiner Selbstzweck ist und nicht eingebettet in ein System, an dessen Ende eine weitere Handlung erfolgen soll, besser beschriebener Vorgang.

Nichtsdestotrotz:

Ich vermisse das Wort „fummeln“ an Stelle von „dribbeln“ immer mal wieder, urplötzlich, jäh, aber dann sehr intensiv.

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Anti-Kommentatoren-Bashing-Beitrag

Weil das Bashing — zu deutsch Schelte, nicht dass das in Vergessenheit gerät — von Kommentatoren so abgenudelt ist, dass sich mittlerweile schon jeder Blog-Kommentator zunächst mal entschuldigt, dass er nun doch wieder bashen muss, wenn er es irgendwo tut, hier der ultimative Anti-Kommentatoren-Bashing-Beitrag. Gleichzeitig entschuldigt sich jedoch niemand, wenn er bei twitter voll in die Saiten greift und abledert, was das Zeug hält. Zuletzt erlebt beim zugegebenermaßen unerquicklich schlechten Tom Bartels gestern bei der Partie Deutschland — Italien, als man sich vor Nörgeltweets bezüglich Tom Bartels‘ Leistung kaum retten konnte.

Weshalb dem etwas entgegen geworfen werden muss.

Und das geht folgendermaßen, einfach, schlicht und ergreifend:

Welchen Kommentatoren hört(et) Ihr gerne?

Ich selbst muss lange überlegen, bis mir zumindest aus der Gegenwart einer in den Sinn kommt. Ich verfüge weder über himmel noch verfügte ich je über Uraufführung, zudem schaue ich TV-Fußball ohnehin häufig in Situationen, in denen man den Kommentar kaum versteht und genauso häufig kann ich mir den Namen nicht merken, sofern es nicht eine jener Eminenzen ist, die man seit Jahren kennt oder seit Jahren basht bzw. schilt.

Wie dem auch sei, ich kann heute mit keinem Namen in Vorleistung gehen, würde aber gerne wissen, welchen Kommentatoren Ihr als angenehm empfindet. Timbre, Themen, Tonation. Was auch immer dafür relevant sein könnte. Und gerne auch aus der Vergangenheit, muss aber natürlich nicht, ein aktuell Wirkender wäre fast noch lieber.

Welchen Kommentatoren hört(et) Ihr gerne?

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Zünglein an der Tabelle

Natürlich muss man keinem Fußballinteressierten erklären, dass die Tordifferenz extrem wichtig werden kann, insofern als sie in bestimmten Konstellationen genauso viel zählt wie ein Punkt mehr als der punktgleiche Tabellennachbar zu haben. Und das vergisst über die gesamte Saison wohl auch niemand, schon gar nicht, so hofft man als Anhänger, wenn eine Mannschaft mal so richtig untergeht, eine Partie schon zur 60. Minute entschieden ist, weil man mit 3, 4 oder 5 Toren hinten liegt. Und genauso hofft man, dass allen auf dem Platz Beteiligten klar ist, dass es eben keineswegs gleichgültig ist, ob man nun mit 0:3 oder 0:7 nach Hause geht, von den direkten Auswirkungen dieses Unterschieds noch einmal abgesehen.

In den knapp 50 Jahren Bestehen der Bundesliga kam es schließlich mehr als nur ein Mal vor, dass sich elementare Fragen wie Abstieg oder Meisterschaft allein durch die Tordifferenz entschieden. Dazu kommt das Phänomen, dass nahezu keine Spielzeit vergeht, ohne dass nicht wenigstens eine Platzierung anhand der Tordifferenz entschieden würde. Und dass das wiederum Auswirkungen auf die Finanzen hat, muss man hoffentlich ebenfalls nicht mehr erwähnen.

Grün und Rot markiert sind jene Fälle, in denen tatsächlich die Frage Meisterschaft, Abstieg oder Teilnahme am internationalen Fußball mittels Tordifferenz entschieden wurden.

Früher war es der DFB, heute macht die DFL jedes Jahr drei Kreuze, dass die beiden besten Teams einer Saison noch nie punkt- und torgleich waren, wobei danach noch einige Kritierien mehr („Fragen zum Spielbetrieb“ anklicken) zum Einsatz kämen. Helfen diese alle nicht, steht man vor der Frage: Wo sollte man zu welchen Bedingungen ein Entscheidungsspiel austragen?

Rekord-Depp ist natürlich der Depp, Entschuldigung, der Club, der gleich zwei Mal wegen der schlechteren Tordifferenz abstieg, Stichwort Phantomtor. Der VfB Stuttgart hingegen wurde zwei Mal nur aufgrund der besseren Tordifferenz Meister. Ansonsten scheint die Drei-Punkte-Regel für eine geringere Häufigkeit von Punktgleichheit zu sorgen, wodurch die Ängste der DFL-Verantwortlichen ein wenig geringer geworden sein dürften.

Bis zur Saison 1966/1967 zählte nicht die durch Subtraktion ermittelte Tordifferenz, sondern der so genannte „Torquotient“, der sich denkbar einfach berechnen lässt, allerdings den Vorteil der mehr geschossenen Tore und somit eines vermeintlich attraktiveren Spielstils nicht berücksichtigt. Seit 1967/1968 gilt also die nicht mehr ganz neue Regelung der Tordifferenz im Gegensatz zum Torquotienten.

Die mit einem Asterix versehen Clubs mussten in die Relegation, welche sie dann aber erfolgreich bestritten. Fettgedruckte Mannschaften sind absolut punkt- und torgleich, während kursiv gestellte Teams zwar die selbe Tordifferenz aufweisen, eines der beiden Teams jedoch mehr Tore erzielte als das andere und ersteres somit vor dem zweiten rangiert.

Den sprichwörtlichen Vogel schießt die Saison 1974 ab, als sich die stolze Zahl von fünf punktgleichen Teams auf den Plätzen 9 bis 13 am Ende der Saison allein anhand der Tordifferenz in eine Reihenfolge bringen ließen.

2007/2008
4. Hamburger SV +21 47:26 54
5. VfL Wolfsburg +12 58:46 54
2006/2007
9. Borussia Dortmund -2 41:43 44
10. Hertha BSC -5 50:55 44
11. Hannover 96 -9 41:50 44
…
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Das himbeerne Gold

Das himbeerne Gold geht in diesem Jahr wie in allen anderen Jahren zuvor auch an Sabine Töpperwien. Der Preis wird ihr verliehen für die einfallslosesten Sprachbilder, für die ausgewrungensten Adjektive in den immer gleichen Phrasen in Kombination damit, auch bei unterschiedlichsten Spielsituationen mehr oder weniger alles, was auf dem Platz passiert, schlicht auf die drei Vokabeln „UN-FASS-BAR“ mit allerdings überdeutlich artikuliertem Ausrufezeichen zu reduzieren.

Die mark- und beinerweichend quäkende und stets selbst fürs Radio überdramatisierende Stimme, die noch jeden zufällig der Bundesliga-Konferenz akustisch beiwohnen müssenden Nicht-Fußballinteressierten dazu bewogen hat, am Verstand des selbst der Konferenz Lauschenden zu zweifeln, ist dabei nicht mal in die Wertung eingeflossen. Die hat sie sich ja abgesehen von der Intonierung nicht selbst ausgesucht.

Wohl aber die Tatsache, dass sie seit 20 Jahren in immer den selben Bildern quäkt, und damit so viel Phantasie beweist, wie es auch der Name des Preises zu würdigen weiß:

In ihrem Fall ist Reden schließlich Silber.

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Königsblog und Königstraße

Eigentlich war es immmer angestrebt, so wenig wie möglich über Dinge außerhalb des Fußballs zu schreiben, und auch über andere Blogs nicht mehr als über den eigentlichen Fußball zu schreiben. Beides ist ein wenig aus dem Leim gegangen in letzter Zeit, und heute folgt gleich die nächste Ausnahme.

Zunächst nämlich gibt es Gutes vom Königsblog zu berichten, Herr Wieland hat irgendeine Form von Rückkehr diesseits des reinen Twitterns angekündigt, und zwar im Blog Reeses Sportkultur mit im Hyde Park Anleihe nehmenden Worten:

Ja, mir fehlt das Höckerchen zum Ausposaunen meiner Gedankengänge. Ich denke ich werde mir bald wieder eins zurechtrücken.

Soweit zum Königsblog, nun zur Königstraße, bzw. ich zu ihr, wohnenderweise, welche eine andere Straße ist als es sie in den letzten sieben Jahren war, was bedeutet, dass ich an diesem Wochende umziehen werde. Was wiederum bedeutet, dass es ausnahmsweise mal kürzere Zeit hier still sein wird. Doch danach geht’s weiter. Wieder mit dem alleinigen Fokus Fußball.

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Mein erster zweiter Lieblingsspieler

Dieser Beitrag ist Teil der von Sidan auf seinem früheren Blog „El fútbol“ initiierten Reihe „Mein Lieblingsspieler“. Mittlerweile sieben Ausgaben verschiedener Autoren hat Sidan dort versammelt. Und kommend.

Gibt es jemanden, der über Fußball bloggt, oder der in Fußball-Blogs kommentiert, der nicht Nick Hornbys „Fever Pitch“ gelesen hat? Mag sein. Stefan von blog-g.de traue ich das zu, weil er nicht zur „Fußballkultur“ gehört, sondern zu Fußball. Was ihn ehrt.

Die meisten heutigen Fußballschreiber aber dürften Nick Hornby gelesen haben. Hoffentlich gelesen, denn der Film mit dem selben Titel wie das Buch ist eine Farce.

Die Szene, die Hornby beschreibt, als er sich in Arsenal und ein bisschen auch in Fußball allgemein verliebt, ist im Buch Fantastrillionen besser als im Film. Was allerdings eher daran liegt, dass der Film so schlecht ist.

Nichtsdestotrotz erlebte ich in den 1990er Jahren, schon lange aus der Pubertät und erst recht lange aus der Zeit davor herausgewachsen, ein ähnliches Erlebnis, sogar physisch recht ähnlich.

Es muss wohl um 1996 gewesen sein, als mein damals bester Freund C. einwarf, an einem Abend doch mal zum Spiel MSV — 1. FC Kaiserslautern hinzufahren, wenn ich doch immer noch so viel selbst Fußball spiele. Okay, also fuhren wir hin. Er am Steuer, ich am Bier. Letzteres hatte aber nichts mit dem folgenden Ereignis zu tun. Es war glücklicherweise ein Spiel unter der Woche, Flutlicht also an, Anstoß 20h, oder vielleicht auch 19h. Wahrscheinlich 20h.

Es gab im alten Wedaustadion drei Möglichkeiten, auf der Gegengerade ins Stadion zu kommen: Mitte, links und rechts. Wir wählten zufällig links und liefen ein paar Minuten zu spät ins Stadion ein. Das erste, was ich neben dem Torgestänge vom Spielfeld sah, noch im Stadiontunnel befindlich, aber war er. Wie er gülden leuchtete im Flutlicht-Licht und wie er gleichzeitig trotz seiner kompakten Statur zwei Gegner austanzte, um danach einen Schuss, leider über das Tor des FCK, abzulassen.

Stig Tøfting.

(Das G im Vornamen ist stumm, er heißt also, ausgesprochen: „Sti“, was weder alle deutschen Reporter noch den Rest meiner Fußballmannschaft davon abhielt, den Namen stets falsch auszusprechen respektive mich auf Jahre hinaus als „Stig“ mit gesprochenem „g“ zu bezeichnen.)

Es war ein Moment, den man nicht künstlich erzeugen kann: Ich stand bzw. lief noch ganz langsam durch den Stadiontunnel, und auf dem Platz machte gerade Stig Tøfting zwei Gegner nass und schloss danach ab. Wobei für seine weitere Karriere Tor-Abschlüsse eher untypisch waren. Meistens legte er Torschüsse auf. In dem Moment aber, als bester Freund C. mich mit dem Auto ins Stadion verfrachtet hatte und ich gerade anfing, zuzuschauen, schoss Stig Tøfting aufs Tor.

Ich war fasziniert und vom ersten Moment an gebannt. Er spielte ein, zwei grandiose Saisons für den MSV, er war einer der besten, die je im Wedau-Stadion zu meinen Lebzeiten spielten und vor allem war er nicht nur nominell (dänischer Nationalspieler samt WM-Teilnahmen) gut, sondern tatsächlich auf dem Platz.

Extrem zweikampfstark, aber auch extrem spielintelligent, vor allem, aber nicht nur, im defensiven Bereich, war die Zeit mit Tøfting die beste Zeit, die der MSV in den letzten 25 Jahren erlebte. Darum ging es mir aber nicht, weil ich anfänglich gar kein MSV-Sympathisant war, sondern einfach nur Bundesliga-Fußball sehen wollte. Welcher mich dann vom ersten Moment an verzauberte, in Person dieses kleinen, kräftigen Dänen.

Klar, verzaubern, diese Vokabel passt zu Stig Tøfting wie Plätzchen backen zu den Bandidos, aber Verzauberung fragt nicht danach, ob es gerade in den situativen Rahmen passt, sie passiert, selten genug, eben oder nicht. Hier war es so.

Ich darf anmerken, dass ich von seiner Spielweise so verrückt wurde, mir ein gelb-rotes (von den zebrastreifen-weiß-blauen) Auswärtstrikot mit dem Schriftzug „Tøfting“ zu kaufen, obwohl das, was der spielintelligente und zweikampfstarke Kampfgnom da aufs Parkett legte, eigentlich überhaupt gar nix mit meiner eigenen Spielweise (ich kann nicht mal grätschen) zu tun hatte, er mir aber doch äußerlich — nicht besonders groß, blond und kompakt — relativ ähnlich sah und zudem immer mal wieder für gefährliche und auch zu Toren führende Freistöße gut war.

Irgendwann am Ende seiner Duisburger Karriere verarschte er noch den Verein, dass er zurück zur Familie nach Dänemark wolle, woraufhin ihn die herzensgute und naive Führung des MSV für kleines Geld aus dem Vertrag ließ, Tøfting aber nur wenige Tage später von seinem eigentlichen Heimatverein wieder zum HSV wechselte. Im Jahr des Meisters der Herzen war er übrigens derjenige, der bei Anderssons Freistoß doof bzw. falsch in der Mauer rumsprang, und so Bayerns Titel und Schalkes weiteres Martyrium bewirkte. Da war mir aber schon lange egal, was Tøfting, der HSV-Spieler, machte. Ich hatte mich in den mit eigenen Augen zu sehenden, so nur scheinbar hart arbeitenden, in Wirklichkeit aber elegant das Spiel verstehenden und zelebrierenden Stig Tøfting verliebt, manuel-neueresk hatte ich ihm liebend gerne bei den Aufwärmspielchen zugeschaut, mit welchem Talent er trotz seiner äußeren Erscheinung so ungemein virtuos mit dem Ball umzugehen wusste, mit seinen raumöffnenden Pässen, mit seiner am Fuß klebenden Ballbehandlung und mit seinen fantastischen Freistößen, für die er kaum je gewürdigt wurde, mir aber immer mehr ins Herz wuchs.

Ja, später hat er in diversen dänischen Fastfoods andere Menschen verhauen und ging dafür sogar in den Knast, ja, er ist übermäßig tätowiert, was mir an sich überhaupt nicht gefällt, aber Verzauberung kann man sich eben nicht aussuchen.

[Hier Foto von meiner Badezimmerschrankinnenseite mit einem Kicker-Ausschnitt von Stig Tøfting einfügen.]

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Äh-äh-ähm, Sportblogger

Die Kollegen in Wort und Bild.



Der Interviewer macht es direkt in der ersten Frage vor: äh. Und in den späteren Fragen auch nach.

Tja, es ist nicht leicht, frei vor der Kamera zu sprechen. Man wüsste ja auch gerne mal, wie Barack Obama ohne Teleprompter klingt, äh-äh-ähm. Da darf man die Herren Fußballprofis doch gleich mal ein wenig in Schutz nehmen. Äh, äh, ähm, ich selbst könnte es aber nicht besser als die hier Gezeigten. Ich stotter schon bei Radio-Interviews, bei denen nicht mal eine Kamera existiert.

Also, im 3D-Radio mein ich jetzt.



Ähm.

Hat der Interviewer zum Kaisergrantler wirklich Pätrick gesagt? Helmes, ick hör Dir trapsen.

Echte Rückkopplungen gibt es hier: Fritten, Fußball und Bier, Sportmedienblog, probek, allesaussersport, textilvergehen.

Die Interviewten sind übrigens breitnigge, Pottblog und Kaisergrantler.

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Sportblogger-Beitrag des Jahres: Racingblog

Der Gewinner des Jahres 2010 ist erkoren.

587 Stimmen wurden für die Wahl zum „Sportblogger-Beitrag des Jahres 2010″ abgegeben. Das sind 21% mehr Stimmen als die 486 bei der 2007 durchgeführten ersten Wahl.

Satte 25% dieser Stimmen entfielen auf den Beitrag des Racingblogs. Zweiter wurde die umfassende Saisonvorschau der ersten Fußball-Bundesliga von dogfood mit 19% der Stimmen, Dritte jekylla mit ihrem Text von Michél Mazingu-Sinda-Dinzey über dessen Zeit beim FC St. Pauli mit 15% Voten der Teilnehmenden.

1. Racingblog: Formel 1: Die Sache mit dem Überholen

2. allesaussersport: Saisonvorschau Teil 1, Teil 2, Teil 3

3. Fabulous Sankt Pauli: Der Jahrhundertelf-Spieler und „sein“ FC Sankt Pauli

4. Textilvergehen: Pavel Kuka, 9%
5. Trainer Baade: Im Angesicht der Sekte, 7%
6. Kid Klappergass: Die Droge, 5%
7. catenaccio: Minutenandacht, 5%
8. angedacht: Was für eine coole Sau, 4%
9. Werder-Fußball-blog: Wie verteidigen, wenn es keine Stürmer mehr gibt?, 4%
10. Spielbeobachter: Infografikmassaker, 4%
11. Kontextschmiede: Erfolg im Fußball: Das Glück erzwingen, 3%

Wir vom Sportbloggernetzwerk gratulieren dem Sieger, allen Platzierten und Nominierten und danken vor allem den vielen Teilnehmern an dieser Abstimmung wie auch allen Blogbetreibern, die auf diese Wahl aufmerksam gemacht haben.

Wir lesen uns wieder zum selben Thema während des Jahreswechsels 2011/2012. Bis dahin kann man nicht nur die hier Nominierten weiter verfolgen, sondern auch die vielen weiteren Austern der Sportbloggerei im deutschsprachigen Netz.

So, und jetzt bitte Champagner fürs Racingblog und seine Autoren!

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Wählen gehen

Die Abstimmung zum Sportblogger-Beitrag des Jahres 2010 geht in ihre Rapid-Viertelstunde YB-Viertelstunde Schlussphase und es bleibt noch bis 0.00h Zeit, an der Wahl teilzunehmen. Die 11 Beiträge sind hier zu finden, die Abstimmungsknöpfe selbst rechts in der Sidebar. Noch kann eine plötzlich einfallende Horde von Abstimmungswilligen alles auf den Kopf stellen, wenn, dann aber hurtig, denn nur noch dreieinhalb Stunden lang.

Alle anderen dürfen gespannt sein, wer schließlich nach 2007 der zweite Gewinner der Wahl zum Sportblog-Beitrag des Jahres sein wird. Damals gewann „direkter freistoss“ mit dem Kommentar „Ein Trainer, der nichts zu gewinnen hat“ vor einem gewissen dogfood mit seiner Detektiv-Arbeit „Die ARD-Tonstörung namens Godefroot“, einem Beitrag zum Radsport. Dritter der Wahl wurde ein Cartoon von dülp selig mit dem Titel „Hochzeitstag“. Selbst gemachte Videos wie heuer von Catenaccio gab’s 2007 noch nicht in der Abstimmung, man hatte damals ja quasi gar nichts.

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass wir den einen oder anderen aus der Wahl von 2007 auch für das Jahr 2010 wieder auf dem Treppchen sehen, aber welcher das sein könnte, wird nicht verraten, obwohl von den damals 11 nominierten Blogs überhaupt nur noch deren 4 aktualisiert werden. Allerdings kann bei dieser Wahl immer noch alles völlig umgedreht werden. — Moment, Telefon, Putin ist dran … Okay, die Leser sollen noch schnell ihre Stimme abgeben, alles Weitere wird dann hinter den Kuissen geregelt.

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Fernglas BVB

Eigentlich müsste jeder generell an Fußball Interessierte diese Saison hassen, denn nichts ist langweiliger als eine Mannschaft, die die Tabelle der Bundesliga so dominiert, wie es Borussia Dortmund zur Zeit tut. Doch als relativ Neutraler erfreut dieser Vorgang überraschenderweise ungemein. Was natürlich für alle Schalke- und Bayern-Fans nicht gelten kann, und den übrigen Vereins-Fans ist es ja auch meist recht egal, was irgendsonst in der Liga passiert. Wichtig ist, was der eigene Club macht.

Als geneigter Zuschauer aber stellt sich komischerweise gar nicht der hier zu erwartende Effekt ein, dass man von den stets gleichen Ereignissen einer solch einseitigen Saison gelangweilt wäre. Dabei reicht es einfach aus, dass es nicht immer die Bayern sind, die mit 15 Punkten Vorsprung Meister werden, und schon macht es Spaß, die Tabelle anzusehen, Bayern dort rumkrebsen zu sehen, wo sich die anderen Teams, die sonst immer gerne Meister würden, stets aufhalten. Platz vier bis fünf.

Große Sprüche reißen, die Sehnsüchte der Fans stimulieren, um dann wieder und wieder grandios zu scheitern. À la Schalke oder Hamburg. Oder Leverkusen, wobei deren Sprüche ja ohne Daum schon lange nicht mehr so groß daher kommen. Wie aber immer wieder aufs Neue angekündigt wird, jetzt endlich anzugreifen, eine Serie zu starten und dann weht doch nur ein laues Lüftchen durchs Stadion mit einem mickrigen Unentschieden am Ende, da kann man diesen Verhältnissen einen großen Unterhaltungsfaktor einfach nicht abstreiten.

Wie nun die restliche Liga mit dem Fernglas zum BVB schauen muss macht auch dann Spaß, wenn man nicht den Theorien vom Großwesir Klopp“o“ anhängt, sondern einfach nur sieht, wie die anderen strampeln, aber kaum vorwärts kommen.

Der Zufall im Fußball ist doch immer noch das schönste Geschenk, das er uns macht.

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SchildDuisburger Farce, Lokal-Content

Es geht dabei („Lokal-Content“) aber nicht um Gaststätten, andererseits eben doch.

In Duisburg ist der Fußball trotz des neuen Stadions und einer besonders diese Bezeichnung verdienenden „Multi-Kulti-Truppe“ auf dem Platz — seit Jahren allerdings in ständig wechselnder Besetzung — immer noch ein Stückchen näher am Klischee über Fußballfans, als er das in vielen anderen deutschen Städten ist. Der MSV war nie schick, und so gibt es neben den örtlichen Fans kaum jemanden, dessen Kontostand etwas höher ist als der des gemeinen MSV-Fans, der sich in irgendeinem Glanz des Fußballvereins sonnen können wollte. Denn es gibt keinen Glanz. Nicht mal jenen vergangener Erfolge. Noch titelloser als der MSV („Deutscher Amateurmeister 1987″) ist schließlich nur noch der VfL Bochum.

Hier gibt es immer noch ausgemacht bildungsferne Interessenten im Publikum, viele zahn-, aber nicht nörgellose Opis, sich während eines Spiels besonders aggressiv und vulgär gerierende Männer in ihren 40er und 50er Jahren auf den Tribünen, und das Argument von Hermann Gerland, warum er nicht beim MSV anheuern wolle, ist immer noch gültig: Fast nirgendwo gibt es ein kritischeres, pfeiflustigeres Publikum als beim MSV, wo der kleinste Fehlpass nicht akzeptiert wird und man beim Stand von 2:1 für den MSV sicher davon ausgehen kann, dass der Mob am Ende schreiend und lamentierend ob der zwei späten Gegentore nicht sofort nach Hause geht, sondern die Mannschaft erst mit einem intensiven Pfeifen in die Kabine schickt, bevor man sich schimpfend zur Straßenbahn begibt.

Zumindest war das bis vor zwei, drei Jahren so. In letzter Zeit scheint sich dies ein wenig geändert zu haben. Sicher sein kann man sich allerdings nicht, dafür ist der sportliche Erfolg zur Zeit zu groß, die unglücklichen wie auch die verdienten Niederlagen sind zu selten, um ein zuverlässiges Urteil darüber fällen zu können, ob der durchschnittliche MSV-Fan mittlerweile ein wenig gnädiger geworden ist, vielleicht auch etwas mehr mit sich selbst im Reinen, weil er nicht mehr unter Tage Kohle kloppen oder ausmergelnderweise Stahl kochen muss.

Über die Ursachen dieser besonderen Galligkeit der Duisburger Zuschauer kann man sicher lange sinnieren, hier fehlen die soziologisch angehauchten Einblicke in die echte Duisburger Fanseele (man ist schließlich nur Zugezogener …), selbst bei einer erst kürzlich durchgeführten empirischen Studie in den Kneipen von Marxloh, Bruckhausen, Ruhrort und Kaßlerfeld konnte nichts besonders Bemerkenswertes festgestellt werden, abgesehen von den Tatsachen, dass MSV-Fans völlig überrascht sind, wenn man sich als (in dieser Kneipe) Fremder für den MSV interessiert und davon, dass diese Menschen plötzlich unglaubliches Redebedürfnis an den Tag legen. Selbst dann, wenn der Abend noch sehr jung und deshalb trocken ist. Ein tief eingebranntes Minderwertigkeitsgefühl schien unüberhörbar zu sein, doch gibt es berechtigte Zweifel, ob das bei Klubs wie Schalke, Oberhausen, Bochum oder Essen anders ist.

Es fehlt möglicherweise einfach das Interesse einer gänzlich anders motivierten Schicht, derer man sicher nicht wenige in Dortmund oder vielleicht in Bremen erleben kann, wo man gerne kommt und sich zuwendet, wenn der Verein mal etwas gewinnt. Da Dortmund das Glück hatte, gerade 1995 und 1996, als der Fußball immer mehr reingewaschen wurde und die Fernsehpräsenz ins Unerträgliche stieg, zwei Mal Meister zu werden, dürfte der Anteil derartiger Fans in Dortmund nicht allzu gering sein. Solch eine auch nur theoretische Möglichkeit fehlt natürlich beim MSV Duisburg, weshalb er zwar in seiner Hymne schön die „Zebrastreifen weiß und blau“ besingen darf, das Schimanski- und Stahlwerk-Grau aber auch nach längstmöglichem Aufenthalt in der psychologischen Schwarzkaue nicht abwaschen kann.

Die von mir einst als dümmsten Fans der Welt bezeichneten MSV-Fans zeigen nun aber erstaunlicherweise im Wortsinne Herz. Denn es gibt in der nur vermeintlich Love-Parade-geschlagenen Stadt (sie war auch vorher schon geschlagen) eine für ihre Größe äußerst maue Kulturszene, selbst wenn man den MSV da nicht mitzählt. Die Gründe dafür mögen die selben sein wie jene für den geringen Anklang des MSVs generell beim hiesigen Publikum. Zu große Konkurrenz in den sehr nahe liegenden anderen Städten (es ist durchaus Usus, von Duisburg aus zum Weggehen nach Dortmund oder nach Köln zu fahren, und das nicht nur in besonderen Ausnahmen; Düsseldorf, Essen, Oberhausen sind sogar ganz normaler Standard dabei), aber auch das mangelnde Interesse der hier Lebenden an kulturellen Veranstaltungen. Ziemlich analog also zur Lage des MSV: entweder man interessiert sich ohnehin nicht für Fußball oder Kultur, und falls doch, sind die Angebote woanders (Schalke, Gladbach, Dortmund bzw. Ausgehen in Köln, Dortmund, Düsseldorf) eben besser als zu Hause.

[photopress:logo_djaezz.jpg,full,alignleft] Eines der wenigen akzeptablen Kulturangebote ist das DJäzz, welches mitten in der Innenstadt liegt und demgemäß auch von einigen Wohnhäusern umgeben ist. Und um die ohnehin schon bescheidene kulturelle Szene in Duisburg nun weiter zu beschneiden, hat die Stadt diesem Club, der keine reine Disco, sondern vor allem auch Konzertveranstalter für unbekanntere Bands sowie Session-Abende ist, aufgrund von Beschwerden einiger weniger Anwohner über den entstehenden Lärm nun die Auflage gemacht, nur noch bis 1h in der Nacht öffnen zu dürfen. Dass das den wirtschaftlichen Tod eines derart kleinen Unternehmens bedeutet, dürfte auf der Hand liegen, sind doch die am Wochenende durchgeführten Parties am späteren Abend jenes Mittel, mit dem die oft, aber nicht nur, unter der Woche stattfindenden Konzerte querfinanziert werden können, ganz abgesehen davon, dass dem Betreiber auch noch Geld zum Leben übrig bleiben muss. Er klagte in Düsseldorf gegen diese Entscheidung des Duisburger Ordnungsamts und verlor. Woraufhin er ankündigte, den Laden in Kürze schließen zu müssen, da der Betrieb nicht mehr finanzierbar sei.

Dieses Geschehen mutet ähnlich verquer an wie die Diskussionen und Klagen in Freiburg, als eine Handvoll Anwohner sich damit durchsetzen wollte, das Stadion in Freiburg nicht zu erweitern, weil die Lärmbelästigung bei gerade mal schlappen 17 Heimspielen in der Bundesliga (von 52 (!) Wochenenden) so unzumutbar groß sei (hier fehlen allerdings genauere Informationen, dies ist nur aus der Erinnerung formuliert). Die Interessen der zwischen 25 und 30-Tausend Menschen, die diese Veranstaltung aber besuchen wollen, sollten also weniger wiegen als die Interessen von einiger Hände voll Anwohner, die noch dazu nur zu wenigen Stunden von den 8760 Stunden eines Jahres belästigt würden. Hanebüchen, nicht wahr?

Ebenso hanebüchen ist nun die Entscheidung des Ordnungsamtes Duisburg, das das Interesse einiger weniger Bürger an ungestörter Nachtruhe über jene von Hunderten bis Tausenden stellt, die sich am Wochenende und auch unter der Woche in diesem Club amüsieren möchten, wie vor allem jener, die für ihre musikalischen Werke Bühnen benötigen. Dabei muss hinzugefügt werden, dass es nicht um den Lärm der eigentlichen Beschallung des Clubs geht, denn dieser ist ausreichend gedämmt. Es geht einzig um den Lärm, den den Club verlassende oder sich sonst vor dem Club aufhaltende Besucher des Ladens mitten in der Nacht verursachen. Das Schildbürgerartige daran ist aber, dass das Ordnungsamt es nie für nötig gehalten hat, eine Lärmmessung vor Ort durchzuführen. Der Club selbst ist mit extra darauf achtenden Türstehern (das Wort klingt so böse, es sind keine typischen „Türsteher“, sondern eben Mitarbeiter des Clubs) gegen die natürlich unnötigen Lärmquellen auf der Straße vor dem Club vorgegangen. Die Stadt hingegen hält es nicht für nötig, die Vorwürfe einiger Bürger mit der Realität abzugleichen und zerstört lieber ungehörten Ohres die wirtschaftliche Existenz des Betreibers sowie ihr eigenes kulturelles Angebot. Das DJäzz erhält keinen Cent an Kulturförderung von der Stadt, sondern trägt sich selbst — und ist wie schon mehrfach erwähnt, einer der abwechslungsreichsten Veranstaltungsorte in seinem Metier.

Und hier kommt dann ein weiteres Mosaiksteinchen ins Spiel, das darauf hindeutet, dass sich die Struktur der Zuschauer beim MSV tatsächlich ein wenig gewandelt haben könnte. Denn die MSV-Fans präsentierten beim letzten Heimspiel ein Banner in der Kurve, in welchem sie den Erhalt eben jenes DJäzz‘ forderten.


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(Bild von Mike Städel.)

Dazu muss man wissen, dass der Name des Ladens tatsächlich Programm ist, neben Jäzz gibt es hier auch oft House oder elektronische Musik im Programm. Nicht wenige MSV-Fans positionieren sich also für den Erhalt eines Clubs, der einer Musikrichtung Bühne bietet, die nicht für Aggressivität bekannt ist — möglicherweise ist dieser vermeintliche Wandel der Publikumsstruktur aber auch gar kein realer, sondern er war einzig im Kopf des Autoren nötig. Die frühen 00er-Jahre im Stadion sprechen zwar eine andere Sprache, dennoch ist eine solche Gelegenheit, ein solches Beispiel sehr willkommen, an den eigenen Klischees zu drehen und sie neu zu justieren.

Um die ferner ab lebenden Leser nicht weiter mit nur lokal relevanten Inhalten zu langweilen, hier also der kurze Hinweis: Die erste von vielen noch folgenden Protestaktionen und Demos geschieht heute, Montag, um 14h vor dem Duisburger Rathaus, initiiert zufälligerweise vom Torwart meines ehemaligen Teams, der gleichzeitig auch Musiker ist. Die Haupt-Demo ist für die nächsten zwei Wochen geplant, und soll den Zuständigen nicht nur den Widerstand, sondern auch die Zahl der Interessenten am Progamm des DJäzz‘ demonstrieren.

Tausende Interessenten gegen die Interessen einer weniger Anwohner, welche ja nicht vollkommen ohne Entscheidungsfreiheit in die Innenstadt gezogen sein dürften.

In Freiburg durfte man das Stadion am Ende schließlich auch noch ausbauen …

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