Man könnte jetzt Mario-Barthesk alle möglichen Klischees darüber bedienen, was man wohl in einem Frauen-Fanshop kaufen könne. Schuhe zum Beispiel. Hier aber geht es nicht um jedenfalls noch nicht, das könnte sich aber bald merklich ändern, schließlich steht die WM 2011 im eigenen Land vor der Tür typische in endlosen Simplizissmen Frauen zugeordnete Interessen, sondern um den FCR Duisburg, der seinen ersten eigenen Fanshop eröffnet hat, wie duisburgfans.de [Link leider tot] zu berichten weiß. Nicht wie der große FC Bayern im CentrO in Oberhausen (Hallo, Jürgen!), sondern nur in der kleinen Galeria des Kaufhofs inmitten von Duisburg. Dennoch eine Meldung wert, schließlich kommen zu Frauen-Fußball-Bundesliga-Spielen immer noch teilweise weniger Zuschauer als beim ewigen Minusrekord der in diesen Tagen viel zitierten Tasmania (827). Es mag einigermaßen von Vorteil sein, dass die Duisburger Frauen wesentlich erfolgreicher sind als ihre männlichen Kompagnons, schließlich ist der FCR Duisburg amtierender UEFA-Pokalsieger (ein aussterbendes Wort, übrigens) und punktgleich mit dem Tabellenführer, während sich die Herren weiter in der 2. Liga abmühen, solche kleinen Klubs wie Arminia Bielefeld oder Fortuna Düsseldorf hinter sich zu lassen.
Die zur Eröffnung abgehaltene Autogrammstunde ist leider bereits vorbei, da es trotzdem noch nur 5 Minuten zu Fuß dorthin sind, werde ich bei Gelegenheit Bericht erstatten, was dieser erste (?) Fußball-Frauen-Fan-Shop denn alles so im Portfolio hat.
[Disclosure: Rainer Zimmermann, 2. Vorsitzender des FCR Duisburg, war mal mein Nachbar.]
[photopress:dritte_liga_war_schoen_zeit_fuer_uns_zu_gehn.jpg,full,alignleft] Weil es justament bei mir eintraf und als Sonntagmorgen-Lektüre dienen wird, sei es hier auch noch einmal erwähnt: Janus greift wie man weiß immer noch regelmäßig in die Tasten, wann immer er die Fortuna live auf dem Platz verfolgt. Diese Fortuna wiederum war Gründungsmitglied des „Premiumprodukts“ des DFB, der 3. Liga nämlich. Und genauso schnell wie sie dort reingekommen war, hat sie sich auch schon wieder in Richtung 2. Liga verabschiedet, nach einem dramatischen Finale samt Zuschauerrekord. Zur Zeit schnüffelt sie gar an den Aufstiegsplätzen zur man mag es kaum glauben: Fortuna Düsseldorf! ersten, ja, zu jener Bundesliga, in der man den „richtigen“ Fußball verortet, der zumindest die größte Aufmerksamkeit bundesweit erhält. Doch auch darunter spielt man Fußball, in den meisten Fällen, dürfen wir immer noch annehmen, sogar ohne gekaufte gegnerische Verteidiger oder Schiedsrichter. Janus war nicht erst in jener 3.-Ligasaison von Anfang bis Ende dabei, er hat es ja auch schon in der Oberliga mitgemacht, nun gibt es seine gesammelten Werke aus der 3. Liga als Buch zu kaufen.
Zur Einstimmung der Klappentext:
Nach zehn Jahren Abstinenz steigt Fortuna Düsseldorf wieder in die 2. Fußball-Bundesliga auf. Mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen. Einer macht es trotzdem und lässt die gesamte Saison 2008/2009 der Fortuna in der neu gegründeten 3. Liga Revue passieren. Über schöne Siege, blöde Niederlagen, unglaubliche Unentschieden und die ein oder andere abwechslungsreiche An- und Abfahrt.
Sandhausen, Burghausen, Emden, Aalen … aber auch Braunschweig, Dresden, Offenbach, Berlin. Ein nostalgischer Rückblick. Mit Fußball.
Und um zu beweisen, dass neben ausführlichen Reisebeschreibungen tatsächlich Fußball drin vorkommt, hier ein kleiner Appetithappen:
Was soll man über solch ein Spiel schreiben? Eigentlich wäre ein Roman angebracht. Denn mal Hand aufs Herz – wie oft im Leben bekommt man so etwas geboten? Wie viele Kilometer reißt man für seinen Verein ab, bevor man einmal bei einem solchen Spiel im Stadion sitzt? Ein Spiel, welches im Minutentakt zu völlig unterschiedlichen Gefühlsausbrüchen hinreißt, um einen hinterher fassungslos verstummen zu lassen, weil wirklich jede Steigerung, die man sich während des Spiels vorstellen kann, dann auch tatsächlich eintritt? Ja, gut, wenn ich mir genug in- und ausländische Ligen im Bezahlfernsehen zusammenkaufe, dann sehe ich im Laufe einer Saison vielleicht einige Spiele der Kategorie „unglaublich“, ist ja rein statistische Wahrscheinlichkeitsrechnung. Man mag sich dann auch immer glänzend unterhalten fühlen und der Meinung sein, das entsprechende Abo habe sich doch voll gelohnt. Meinetwegen. Aber eins, das kann man dann nicht: am Ende eines Spiels fassungslos nach oben aufs Tribünendach starren, weil der letzte Höhepunkt des Spiels dann doch einer des Gegners war und trotzdem gleichzeitig denken: „Schön, dass ich dabei war …“
Und da Weihnachten vor der Kabinentür steht und bestimmt jeder irgendwo ganz entfernt einen Fortuna- oder auch Janus-Fan kennt, wäre das Ganze ja eine nette Idee, für Auswärts- oder sonstige längere Fahrten. Bei BoD kann man das Buch kaufen. (Nein, keine Provision für mich, aber gute Unterhaltung für alle Empfänger, diesmal ja sogar mit Happy End.)
Markus Babbel hat es benutzt, dem sehen wir das noch ein bisschen nach, die Verantwortlichen der TSG Hoffenheim haben es benutzt, denen sehen wir es nicht mehr nach. Liebe Leute, Robert Enke mag zwar tot sein, aber er ist kein Totschlagargument. Denn er ist schon tot. Man muss weder ihn noch anderer Leuts Argumente damit noch tothauen. Der Werther-Effekt ist auch kein kleines Witzchen geblieben (nein!), ich habe mich wirklich gefürchtet, ja, tut mir leid, beim IF noch einen großen Bohei daraus zu machen, der dann via der ZEIT noch größer wurde. Ich hab keine Angst vor der Auseinandersetzung mit dem Tod oder vor der Frage, ob ich denn überhaupt wisse, was ich tue. Nein, ich habe keine Angst vor dem Tod (haha, natürlich scheiße ich mir davor in die Hose), die Frage war: Setze ich mich mit dem Tod auseinander, oder nicht. Ich wusste auch schon lange vorher vom Werther-Effekt, ich habe nicht nachgefragt, aber das ansonsten durchaus lesenswerte Blog „Anstoß-Online“ berichtet von einer Verdreifachung der Zug-Suizide seit Robert Enke. Und wie klein die ursprüngliche Zahl auch gewesen sein mag. Jeder weitere Tod ist zu viel. Wir müssen nichts weiter davon fortführen, ja, ich hatte und habe Angst, eine Verantwortung dafür zu tragen, ich lasse es seitdem sein, davon zu sprechen. Ich habe einmal für über x-Tausend Leute davon berichtet, danach ging das Ding in noch mal die Zehntausende, und zwar nur, weil ich es mit meinen eigenen Händen schrob. Ich bin ein Co-Mörder. Ich habe versucht, es so klein wie möglich zu halten. Ich schäme mich dafür, dass ich nicht die eigentlich nötige Entscheidung gefällt habe (zumal niemand das von mir verlangt hatte, es zu tun), es nicht zu tun.
Wenn jemand ernsthaft Robert Enke als Argument benutzen will, dann soll er, das gilt auch für Markus Babbel, gefälligst seine Schnauze halten, wenn er seine eigene kleine (aber großzügig honorierte) pisselige Berufstätigkeit (oder sein Scheitern) im Bereich des Profifußballs damit entschuldigen, erklären oder verklären will, dass irgendjemand den Suizid gewählt hat. 90%, las ich zuletzt, 90% aller Selbstmörder sind depressiv, wahrscheinlich sogar schwer depressiv, die anderen 10% brauchen wir jetzt nicht zu diskutieren. Wenn ein Mensch auf die Gleise geht, weil er eine, seine Firma in den Ruin getrieben hat, wenn er das als ausreichenden Grund für seinen Suizid empfindet, ohne depressiv zu sein, hat er auch irgendwas nicht verstanden, was das Leben ausmacht.
Es gibt wenige Dinge, die man als Suizidgrund annehmen kann, ohne depressiv zu sein. Die Enola Gay gesteuert zu haben, ohne zu ahnen, was man den Menschen da unten zumutet, mag so einer gewesen sein, es gibt sicher noch einige, aber wenige andere.
Was es aber nicht gibt, ist, dass wir jetzt heute und neuerdings uns jederzeit des Robert-Enke-Totschlag-Arguments bedienen, wenn uns irgendwas nicht passt, oder wenn irgendwo zu Gewalt aufgerufen wird. Die Krankheit Robert Enkes hat ungefähr überhaupt nix damit zu tun, wie die Leute miteinander umgehen. Das zu verstehen, und es eben nicht mehr als Totschlag-Argument zu benutzen, wäre wesentlich mehr ehrend des toten Robert Enke als ihn in jedem kleinen scheiß-Leberwurst-Konflikt als Argument zu missbrauchen. Wenn ich so eine Kacke lese, wie Babbel den Fan-Aufruhr als irgendwie mit Robert Enke zu tun habend oder eben missverstehend beschreibt, wenn ich lese, dass ernsthaft die Verantwortlichen der TSG Hoffenheim behaupten, die ihnen zugetragenen Schmähungen hätten etwas mit mangelndem Respekt gegenüber dem toten Robert Enke zu tun, dann muss man sagen, haben diese Totschlag-Argumentierer nichts, aber auch gar nichts verstanden.
Ich bin zumindest teilweise mitschuldig an einigen der Nachahmer-Tode. Ich käme aber nie auf die Idee, Kritik an mir oder meinen Blog-Inhalten jetzt mit Verweis auf einen toten Fußballer von mir zu weisen.
Und ich ahne, dass man der Robert-Enke-Stiftung wesentlich mehr als schlappe, schlappe 150.000 Euro als Startkapital geben sollte.
Oder auch: „Was Christoph Daum, Giovanni Trappatoni Trapattoni und ‚Hertha BSC Amateure‘ gemein haben.“
Ist sicher allen von damals noch bekannt, darf aber nicht untergehen im Rauschen des Nachrichten-Overflamenco:
„Das Spiel wurde auf Grund des Wettskandals wiederholt. Die erste Partie endete 2:1 für Hertha (A). Die Spielwiederholung wird für Hertha (A) wegen Einsatzes von 4 Lizenzspielern über 24 mit 0:2 als verloren gewertet.“
Die WM-Auslosung liegt gerade hinter uns. England hat Glück (USA, Algerien, Slowenien) gehabt, was schnell wieder aufgebraucht sein wird, wenn es ins Playoff-System geht, wo man bekanntlich zum Glück nach der Abschaffung des Golden Goals und des den Jüngsten unter uns ja schon gar nicht mehr bekannten Silver Goals, das es nur einen Wimpernschlag der Fußballhistorie lang gab, am Ende ins Elfmeterschießen gehen könnte. Wie viele meinen, hätte England noch nie ein Elfmeterschießen (bei einem großen Turnier) gewonnen, dem ist natürlich nicht so. Außerdem hat sich Michael Ballack mittlerweile vom dort grassierenden Virus bereits anstecken lassen und zuletzt einen Elfmeter im Elfmeterschießen verschossen. Wollen wir also hoffen, dass Löw so weise sein wird, den „Capitano“ (nicht zu verwechseln mit dem Printz) im Fall der Fälle eben nicht antreten zu lassen. Dumm ***** gut und schießt auch gut Elfmeter, wie man weiß. Siehe Andy Brehme im WM-Finale zu Rom. Oder zig andere Beispiele. Ballack hingegen ist nicht so wirklich dumm, sonst hätte er es nicht mittlerweile geschafft, sich einigermaßen passabel eine Kunstsprache, die der Verständigung der ganzen Welt untereinander dient, namens „simple english“ anzueignen.
Es gibt dann hier ein kleines Witzchen seitens des Guardian, bei dem man als Deutscher, der um die schlechten Fremdsprachen-Kenntnisse seiner Genossen weiß, nicht weiß, ob das ein Witz ist oder sein soll oder eben nicht. Die Deutschen sprechen besser Englisch als die Englischen? Well, ich habe da schon so Einiges mitbekommen, ohne Witz, wie deutsche Austauschschüler in den USA einen Englisch- oder Literaturpreis gewannen, weil sie besser Englisch beherrschten oder Gedichte schrieben als es der gemeine Amerikaner an der High School soundso schaffte. Dass man in Deutschland aber durchaus besser englisch spricht als in Frankreich, Portugal, Spanien oder Italien, ist nun auch wieder nicht von der Hand zu weisen. Hier erinnert man sich gerne an den längeren Kurzurlaub in Barcelona, in dem es wirklich schon eine absolute Ausnahme darstellte, wenn irgendjemand überhaupt ein paar Brocken Englisch beherrschte.
(Nein, das Video ist nicht das, welches man hier annimmt. Es ist ein ganz anderes.) Man fürchtet dennoch, dass der Guardian in seinem WM-Special eher so Leute wie Guido Westerwelle gemeint haben könnte und eben nicht zum Beispiel Helmut Schmidt, Steffi Graf oder Arnold Schwarzenpecker, Deutsche also, die es dann doch irgendwann geschafft haben, ein bisschen englisch zu lernen, welches besser ist als das Englisch der White-Trash-Fraktion aus der Nähe von Birmingham, Manchester oder Ipswich. Pittsburgh, PA, oder Houston, Texas.
In Bezug auf Nationalsport muss man dann doch noch mal Helmut Kohls Äußerung anfügen, der Margret Thatcher die Nachricht zukommen ließ, dass Deutschland 1990 die Engländer (im Halbfinale) in ihrem Nationalsport geschlagen hätte. Woraufhin die gute Margret antwortet: „Sagen Sie Helmut Kohl, dass wir die Deutschen schon zwei Mal in ihrem Nationalsport geschlagen haben.“
Word.
(Ja, es tut weh, das Englisch von Westermölle zu sehen, viel mehr tut es aber weh, zu sehen, wie er seine Gestik so sehr nach außen kehrt, seine unterwürfige Gestik, wenn er merkt, dass er nun mal beschissenes Englisch spricht. Man sollte ihm da doch ein wenig, sogar gerne auf Staatskosten, Unterricht respektive Training angedeihen lassen, in welchem er lernt, a) englisch, b) ein bisschen souveräner zu sein, auch wenn er eigentlich einen Köttel in der Hose hat. So kann man keine Verhandlungen führen, nur weil man kein Englisch kann.)
(Was der Guardian jetzt gemeint hat, ist immer noch nicht klar, Westerwelle kann er jedenfalls nicht gemeint haben. Gibt es (bekannte) Deutsche, die gutes Englisch sprechen? Antworten in den Kommentaren sind welcome.)
Falls irgendjemand angenommen haben sollte, dass das Berliner Desinteresse an internationalem Fußball irgendetwas mit der notorischen Torlosigkeit Herthas in diesen Wettbewerben zu tun habe, der muss sich hier eines Besseren belehren lassen.* Lange Zeit hat man sich hier gefragt, warum verdammt nochmal eigentlich das UEFA-Cup-Final-Rückspiel der Saison 1985/86 zwischen dem 1. FC Köln und Real Madrid in Berlin stattfand und nicht in Köln.
Man grübelte und grübelte seit Jahren schon und konnte sich partout nicht erinnern, bis plötzlich der Blick auf diese Tastatur vor einem fiel und man die alte Tante (in dem Fall nicht Hertha, sondern) Wikipedia fragte.
Der 1. FC Köln durfte wegen vorangegangener Zuschauerauschreitungen (in Waregem) das Finalheimspiel nicht im heimischen Müngersdorfer Stadion austragen und wich nach Berlin aus.
So einfach ist die Antwort.
Berlin als Austragungsort, eine äußerst ungewöhnliche Wahl von Köln aus gesehen, aber da man in Berlin damals selten europäischen Fußball zu sehen bekam, dachte man sich vielleicht in Köln, man tut den Menschen dort mal einen Gefallen. Ein paar DM Westberlin-Förderungsgeld waren sicher auch noch mit im Spiel. Und womöglich hatte es eine Mindestentfernung vom Heimstadion gegeben, um die Strafe auch zu einer solchen werden zu lassen.
Da trat dann also das in den 1980er Jahren zwar nicht ganz so erfolgreich und glamourös wie heute daherkommende, aber immer noch Weltruf genießende Real Madrid schon mal in West-Berlin an. Und ratet mal, wie viele Zuschauer kamen.
Genau wie heute kamen etwas mehr als siehe dort, wenn mal ein Europapokalspiel ansteht. Man sieht also, es würde gar nichts nützen, wenn Hertha jetzt doch noch das Europa-League-Finale erreichte. Es kämen trotzdem nur siehe dort.
* Das Ergebnis des Hinspiels lassen wir mal außen vor. Und auch die Frage, warum so wenig Kölner nur nach Berlin fuhren oder flogen, was nicht unwesentlich mit dem ersten Teil nach dem Asterix zu tun haben könnte.
Der Afrika-Cup in Angola steht fast schon vor der Tür, und dann werden sie wieder rausgeholt, die kleinen Tricks, mit denen man sich einen Vorteil zu verschaffen glaubt. Während man dort tote Hühner oder Katzen auf dem Platz des Gegners vergräbt oder dessen Spieler von zweifelhaften Zaubermännern verwünschen lässt, geht man in der Ukraine ein wenig legitimierter vor.
Ich könnte hier jetzt eine Menge faseln, über „flashbulb memories“, aber da lese man doch einfach den verlinkten Text lieber selbst.
Eigentlich war es ohnehin schon länger mal geplant, dass „wir“ uns hier über unsere flashbulb memories in Bezug auf erlebte Endspiele unterhalten, obschon ich mir nicht sicher war, ob daran überhaupt Bedarf besteht, schließlich haben diese Endspiele, abgesehen natürlich von dem einen wahrlich schrecklichen Moment („Burruchaga – Toni, halt den Ball! – Nein.“) keine weitere, größere emotionale Bewandtnis. 1982 war verdient, 1966 war man nicht geboren, 1974 war man geboren, aber auch noch nicht wirklich geistig anwesend, 2002 war spannend und enttäuschend, aber kein Beinbruch.
Außerdem hätte ich ohnehin lieber mit einem anderen Endspiel begonnen als mit dem äußerst, äußerst, äußerst schnöden Spiel von 1990, das ja bekanntlich noch unschöner entschieden wurde. Natürlich auch nicht mit 1994, das noch fürchterlicher war. Sondern z. B. mit eben jenem 1986 oder vielleicht mit 1992. Oder mit 1996, oder mit 2002, oder mit 1982. Oder mit dem Halbfinale von 2006, damit aber wohl eher nicht, weil man ja zu jenem Zeitpunkt bereits sich hier hätte mitteilen können, was man sicher getan hätte, wenn man Mitteilungsbedürfnis hätte.
Aber nun gut, nehmen wir halt den Vorschlag der dortigen auf. Ich nehm mir mal die Freiheit, aus dem a*i*as-Blog zu zitieren.
Beinahe 20 Jahre sind nun vergangen. Für viele Fußballanhänger sind die Erinnerungen an den 8. Juli 1990 dennoch sehr präsent. Gilt das auch für dich? Was hast du an diesem Tag ab 20 Uhr gemacht? Hast du auch vor dem Fernseher gesessen? Oder warst du etwa einer von 73.603 Zuschauern im Olympiastadion im Rom?
Und gebe auch gleich meine Antwort, die so furchtbar langweilig ist, dass es schon (und nicht „fast“) wehtut. Ich meine das ganz wörtlich, denn ich war mir der Dimension des Ereignisses leider nicht bewusst und hätte statt dem, was ich tatsächlich getan habe, auch in meiner Heimatstadt in ein vollbesetztes Kino gehen können, in welchem das Spiel live übertragen wurde und/oder nach dem Sieg mit Tausenden im Zentrum der Stadt bei Autokorso, Girlanden und Erdnußflips feiern können, überschwänglich, bis der Abend zum Morgen geworden wäre. Vielleicht hätte ich ein Kind gezeugt oder zumindest meine Zukünftige kennengelernt, ich hätte diesen Weltmeistertitel nicht allein gefeiert zur Kenntnis genommen.
So aber:
Ich saß als Heranwachsender, der allerdings durchaus schon feiertauglich war, bei meinen Eltern im Wohnzimmer, wo ich das Spiel schaute, mitzitterte und mich danach auch schwer freute.
Nach dem Spiel ging ich in mein Zimmer und irgendwann ins Bett.
Historisch schlecht steht die Hertha der BSC das Berlin in der Tabelle da, wie diese Auflistung der Bilanzen und Punkte der Tabellenletzen in der Geschichte (deshalb „historisch“ …) der Bundesliga zeigt. Von 1963 bis 1995 anhand der Zwei-Punkte-Regel konstruiert, danach mittels der Drei-Punkte-Regel.
Lassen wir also das Ganze erstmal auf uns einwirken.
Zu Ehren des Tages oder des Menschen, da haben wir uns noch nicht so ganz entschieden, ein besonderes Highlight aus der sportlichen Karriere desjenigen, der nun Präsident des FC Bayern ist, obwohl er ja nun mal ohnehin schon seit 30 Jahren der FC Bayern ist. Zum Präsidenten von sich selbst gewählt zu werden ist etwas, was in der Liste der zu erreichenden Erfolge im Laufe eines Lebens nicht ganz so weit oben steht wie zum Beispiel eine WM nach Deutschland zu holen.
Man denkt unweigerlich ein wenig an Otto Waalkes‘ „Großhirn an Milz“ und „Großhirn an Leber“, wenn Uli Hoeneß sich nun also selbst, nun ja, regieren soll.
Und nein, die Würdigung besteht nicht aus dem Belgrader Nachthimmel. Auch nicht aus dem 2:6 gegen Kopenhagen, da saß er ja schon nur noch auf der Bank als Manager.
Die Älteren werden sich erinnern, wir sind schon nicht mehr ganz so jung, für alle davor und danach also dieses Highlight aus Uli Hoeneß‘ Karriere, die ja heute zu Ende ging, denn weiter nach oben geht’s nicht mehr. Oder?
Auch im Leben 2009 kann es noch Situationen geben, in denen man ohne Internetzugang ist. Da helfen altbekannte Medienausprägungen dabei, sich auf dem Laufenden zu halten und sogar lieb gewonnenen Gewohnheiten zu frönen, und was würde einem als altem Internet-Junkie, der man im Laufe der Jahre geworden ist, mehr fehlen als sinnlose Umfragen zu sinnlosen Fragen?
Ich oute mich auch gerne als im Internet an allen möglichen Fußballumfragen Teilnehmender, gerne auch etwas obskur abstimmend, einfach aus der Freude heraus, dass mich jemand fragt um zu sehen, ob ich der einzige Blöde bin, der bei der Frage nach dem kommenden Herbstmeister auf Hertha BSC klickt, weil Nonsens ja auch sehr sinnbefreiend sein kann.
Hier gab es auch mal Umfragen, die sind in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen, nicht weil die Muße oder die Muse fehlt, sondern weil es selten zuvor so viele realistische Meisterschaftskandidaten gab und die Auflistung all dieser eventuell die Sidebar zerschösse. Und weil ich hier auf meiner Seite auch keine Leute haben möchte, die dann aus Spaß auf Hertha BSC tippen und womöglich noch das ganze Umfrage-Ergebnis versauen.
Im Internet, da nimmt sogar mal an Umfragen zu Themen teil, deren Auswahlmöglichkeiten man gar nicht versteht, einfach, weil sich danach auf der Seite was ändert, weil man Einfluss hatte (wenn auch nur auf dieses kleine Ergebnis) und vielleicht auch, weil man ein ganz besonderer Thema-XY-Hasser ist, der gerne kundtun möchte, dass ihn dieses Thema nun überhaupt nicht interessiert, weshalb er auf die Option „Ist mir doch egal“ oder „Ich interesse mich generell nicht für XY“ klickt.
Wirkt zwar auf den ersten Blick merkwürdig, solch Verhalten, im Unterschied zu früher kostet es aber nix* an solchen Umfragen teilzunehmen und es bereitet ja wie gesagt Freude, gefragt zu werden.
Es wird aber dann wirklich merkwürdig, wenn jemand nicht nur Zeit und Energie auf die Teilnahme an einer solchen Umfrage verschwendet, sondern auch noch Geld.
Die insgesamt recht kleine Zahl an Teilnehmern bei dieser Umfrage ist wohl eher dem Phänomen des nicht existierenden VfL-Wolfsburg-Fans geschuldet als einem generellen Absterben der Videotext-Begeisterten.
Wer aber dieser eine Honk war, der auch noch 25 Cent dafür bezahlt, einer großen Masse von Lesern (insgesamt 33 Teilnehmer!) mitzuteilen, dass ihm die Antwort auf diese Frage egal ist, das möchten wir zum Schutze dieser Person lieber nicht eruieren.
Abgesehen davon, dass die Ursache dafür, dass man jetzt überhaupt wieder darüber diskutieren kann, eigentlich nicht für eine genau solche Maßnahme missbraucht werden sollte.
Abgesehen davon, dass man sich auch Probleme schaffen kann, wo man keine hat.
Abgesehen davon, dass die Legende unbewiesen ist, dass man einen Torhüter in ständiger Angst und Unkenntnis über seine schließliche Stellung im Team halten müsse und dass dieser einem das mit einer Leistungssteigerung danke.
Abgesehen davon, dass sich dann bald die halbe deutsche Bundesligatorhüter-Belegschaft noch Chancen ausrechnen kann und man nicht weiß, was man mit bald einem halben Dutzend Kandidaten für einen einzigen Posten solle.
Von dem all abgesehen gibt es eigentlich keinen Grund, etwas dagegen zu haben, dass Jogi Löw das „Torhüterrennen“ für wieder neu eröffnet hält, auch Timo Hildebrand könne sich durchaus noch Hoffnungen ausrechnen, man wisse ja nie, wie das mit Verletzungen so sei und wann es käme. Und da sei es sicher von Vorteil noch den einen oder eben zwanzig andere in der Hinterhand zu haben. Die aber natürlich niemals enttäuscht sein dürfen, schließlich werden sie alle dann immer noch „ganz nah dran“ am Team gewesen sein. Man wünschte dem jungen Löwi fast die Zeiten des alten Rudi zurück, als dieser tatsächlich nur aus 25 tauglichen, mit deutschem Pass versehenen Bundesliga-Spielern auswählen konnte und somit vielleicht zweien eine tolle WM-Reise verwehren musste.
Ebenso vielleicht sollte man Jogi Löw mal mitteilen, dass selbst die modernsten Flugzeuge nicht so viel Platz aufweisen, wie er gerne das Flugzeug vollnominieren will.