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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Drakonisch wäre noch untertrieben

Nach Ausschreitungen in den letzten Partien mit Beteiligung des 1. FC Magdeburg hat der DFB eine Strafe verhängt, die jegliches Augenmaß vermissen lässt. Zum nächsten Heimspiel des 1. FC Magdeburg ist das Kontingent für die Fans der Heimmannschaft auf 5.500 begrenzt worden. So weit ja durchaus noch akzeptabel.

Was aber jegliches Maß vermissen lässt, ist die ebenfalls getroffene Regelung, dass nur 500 Fans des VfL Wolfsburg II Karten für diese aus ihrer Sicht Auswärtspartie erwerben dürfen.

Welch skandalösen Ausmaße dieses Urteil erreicht, verdeutlichen die Zuschauerzahlen der letzten Heimpartien eben jenes VfL Wolfsburg II:

70 gegen den SV Wilhelmshaven
200 gegen Sachsen Leipzig
95 gegen Hertha BSC Berlin II
210 gegen den SV Babelsberg 03
295 gegen Hannover 96 II

Ein klarer Fall für ein ordentliches Gericht.

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Was ist eigentlich die IEFA?

Fußballschulen, die modernen Lotto-Annahmestellen. Wer früher nicht viel auf sich hielt oder keine besonderen Möglichkeiten hatte, es vielleicht auch einfach nur versäumt hatte, während der aktiven Karriere die nötigen Kontakte zu knüpfen, der machte nach der Karriere als Fußball-Profi eine Lotto-Annahmestelle auf. Wer darin richtig groß wurde, nahm dann nicht nur an, sondern teilte auch aus. Zum Beispiel Schreibwarenartikel für die Geschäftsstelle des FC Bayern, wo man offensichtlich besonders generös mit diesen Artikeln umging, auf dass Georg Schwarzenbeck ein Leben lang damit zu tun hatte, diesen FC Bayern mit jenen Schreibwarenartikeln zu beliefern. Was man halt so macht, als Weltmeister.

Doch die Zeiten ändern sich. Zwar ist zur Zeit das Online-Abgeben von Lottoscheinen verboten, im Großen und Ganzen aber hat die Onlinewelt die Geschäftsgrundlage von Lotto-Annahmestellen zerstört. Wohin also mit all den überzähligen ehemaligen Profifußballern, wenn die Lotto-Annahmestellen-Branche ohnehin schon unter dem Druck des Netzes zusammengebrochen ist – und das lange vor Eintreffen der Finanzkrise? Docutainments gibt’s nicht so viele, und ganz so interessant ist auch nicht jeder, dass er für eine solche in Frage käme.

„Fußballschule“ lautet die Antwort. Wer keine Lotto-Annahmestelle mehr ergattern konnte oder sich des enormen merkantilen Risikos im Wettbewerb mit rund um die Uhr geöffneten virtuellen Annahmestellen bewusst ist, der macht jetzt eben die moderne Form der Lotto-Annahmestelle auf:

eine Fußballschule.

Ob auf Mallorca, im Taunus, in der Sächsischen Schweiz, in der Kieler Förde oder in Florida, egal wo: Man wird garantiert genug Eltern finden, die ihre Kinder dort anmelden, wo nur der Name eines ehemaligen Bundesligaprofis auf dem Plakat steht.

Dass das besonders ehrenrührig noch verwerflich noch minderwertig wäre, kann man an keiner Stelle finden. Weder, dass Eltern ihre Kindern dort anmelden, wo sie dann mit jemandem trainieren, den sie zu ihren Lebzeiten nie selbst (als Profi) spielen sahen, geschenkt: Wozu gibt es youtube, zumal es auch früher schon vhs gab und noch dazu nur mündlich tradierte Legenden viel besser geeignet sind, ein lebendiges Bild vor das Auge der lieben Kleinen zu zaubern.

Und dass ehemalige Bundesligaprofis es versäumt haben, ein Fernstudium abzubrechen oder ihren Trainerschein so rechtzeitig zu machen, dass sie mit Ende der Karriere damit fertig sind: ebenfalls geschenkt. Wer kennt keinen Studienabbrecher oder Dauer-Studienfach-Wechsler, der es am Ende dann doch noch zu Kind und Kegel gebracht hätte? Warum sollen die Ex-Profis nicht das tun, was sie am besten können? In Trainingsanzügen bei jedem Wetter auf einem Ascheplatz gegen ein vermatschten Ball treten und im Anschluss daran anderen erzählen, wie man das jetzt selbst bewerkstelligen sollte. Dass Bundesligaprofis selten echte Pädagogen sind, zumal die meisten jetzt inaktiven noch unter Trainer der Gattung „harter Hund“ groß geworden sind, die Redewendungen faselten, wie dass es keine schlechtes Wetter gäbe, nur schlechte Kleidung oder dass man zum Mittagessen die Pflanze zu sich nehmen solle, die besonders die Engländer zur höchsten Qualität gezüchtet und vertikutiert hätten, das Pädagogiklose an ihnen also: ebenfalls geschenkt.

Und hier kommt dann die IEFA ins Spiel. Nein, sie gründet keine Europa League im nächsten Jahr und sie hat auch keinen Präsidenten, der allen Unkenrufen zum Trotz ein „echter Freund der Deutschen“ ist. Sie bildet kleine Kinder im Fußball aus, ergo ist sie eine dieser Fußballschulen. Und weil jede Fußballschule, die etwas auf sich zählt, den Namen eines Ex-Profis in der Werbung tragen muss, erfahren wir auch gleich die Antwort auf die Frage, was eigentlich Thomas Brdaric mache, von dem man noch nicht mal so wirklich wusste, dass er überhaupt seine Karriere beendet hatte: Er macht in Fußballschulen, in diesem Falle in Langenhagen bei Pusemuckel.

Das heißt, eigentlich macht der bekannte und berühmte Enver Alisic diese Fußballschule (anscheinend aber nur mit ausgemacht blonden Jungen und Mädchen, und auch nur dann, wenn diese ein Trikot einer National- oder Profimannschaft tragen, wie diese Werbung [Link leider tot], nur leider kennt keine Sau diesen Enver Alisic in Deutschland, obwohl er doch ehemaliger bosnischer Nationaltrainer ist. Deshalb muss zumindest ein Name her, den man auch in Deutschland kennt und das ist dann eben „in Kooperation mit Thomas Brdaric (ehem. Nationalspieler Deutschland)“.

Und wie eine solche Kooperation einer Fußballschule mit Thomas Brdaric dann so aussieht, verrät die Schlagzeile, die uns gestern entgegen grinste: „Brdaric wird sportlicher Leiter von Union Solingen“.

In Kooperation. Jetzt ist die große IEFA also wieder allein mit Enver Alisic und es wäre ein Platz frei auf dem Plakat für den nächsten Ex-Profi. Torsten Frings ist ja auch nicht mehr ganz taufrisch und um Mark van Bommel wäre es nicht mal schade. Ganz ohne Kooperation geht es aber nicht, sonst droht der IEFA dasselbe Schicksal wie den Lotto-Annahmestellen.

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Wenn der Grieche nicht mehr wäre

Das Problem ist: ich weiß gar nicht, ob er Grieche oder Türke ist. Es macht aber für die Geschichte nix.

Er war damals da, bei der WM 2006, er wank mir zu. Ich sagte: Hallo, alter Herr, ich wink Dir zu, und, nein, es war nicht, weil 2006 war. Er wank mir zu, ich wank zurück. Weil er mir zuwinkte, wank ich zurück.

Egal, wer gewann, ob nun Australien oder die Schweiz, er winkte immerzu.

Womöglich war er gar nicht qualifiziert. Ich konnte das nicht Ersehen an seinem Winken, er war begeistert, ob nun Türke oder Grieche, man merkte ganz genau, der Mann war so glücklich wie ich, dass nun WM war und dass nun WM in Deutschland war. Er lebte sicher schon länger hier. 20 Jahre, vielleicht 30 Jahre. Er hatte eine Frau, sie lebte neben, vielleicht sogar mit ihm. Das war aus der Ferne schwer zu erkennen.

Wir winkten uns zu, immerzu aber erst seit der WM. Ich sah ihn manchmal an der Bude, er hatte die gleiche Garage wie ich, er merkte das früher als ich, ich war immer so wenig dabei, das Garagentor zu schließen. Sein Vorhang war nicht schön, ich wusste dennoch. Mehr als hier wehte. Hier wehte nix, bei ihm wehte die Fahne, das war die XXXXXXX, ich hab’s vergessen, deutsch, griechisch oder gar türkisch. Ich glaube griechisch, das ist aber nicht so wichtig. Ich wohnte oben im Fenster, er wohnte zwei Fenster gegenüber. Vielleicht ist seine Frau wirklich sehr krank, aber so wie er aussieht, ist er eher furchtbar krank. Bei der WM wog er noch zehn bis fünfzehn kg mehr als jetzt. Ich fürchte, er sei bald tot. Mein kleines WM-Symbol, kann nicht einfach so von mir gehen. Als noch WM 2006 war, war er genauso fit wie ich. Und deshalb wank ich ja.

Nun seh ich ihn, schwer abgemagert. Hallo, wink ich, er winkt zurück. Und hab schon Angst, bald winkt keiner mehr zurück.

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Er ist ein bisschen weird

Nun, das passiert selten hier.

Der Tag musste aber irgendwann einmal kommen.

Heute müssen wir den Blick einmal nach außen wenden.

Ja, es gibt sie, die Menschen, die sich nicht für Fußball interessieren.

Nicht allzu erstaunlich, aber wenn man Menschen durch Männer ersetzt, dann fährt doch sicher gleich dem einen oder anderen der Schreck in die Glieder: Ja, es gibt sie, die Männer, die sich nicht für Fußball interessieren.

Jeder kennt, von früher, aus Schulzeiten, wie es vielleicht kommt und geht auch von der Uni, ein paar von diesen Freaks, diesen Weirdos, die behaupten, Fußball ginge sie nichts an, sie könnten damit nichts anfangen. In aller Regel verliert sich vor allem aus diesem Grund der Kontakt dann, sobald die äußere Klammer wie Schule oder Uni nicht mehr existiert (im Sinne des gemeinsamen Dorthingehens; Schulen und Universitäten hören für gewöhnlich eher selten einfach so auf, zu existieren).

Damals hatte man vielleicht noch ein gemeinsames Thema, Schule oder Uni und deren Inhalte nämlich. Wie gesagt, ist diese Klammer erstmal entfernt, hat man auch keine gemeinsamen Themen mehr, weshalb, klar, man irgendwann auch nicht mehr anruft. Und man antwortet auch nicht mehr, wenn dieser verrückte Typ ausgerechnet immer gerade dann anruft, wenn gerade die Sportschau läuft. Oder es irgendetwas nach 15.30h ist.

In seltenen Fällen bleibt trotzdem etwas an Gemeinsamkeiten über, vielleicht php, vielleicht Architektur, vielleicht chinesische Heilkunst oder heilende Chinakunst als gemeinsames Thema. Dann aber muss man sich aufeinander einstellen. Die Besonderheiten der Interessen des anderen respektieren und damit einhergehende Konventionen achten lernen. Man ruft nicht um 15.30h bei Bekannten an und zwingt ihnen ein Gespräch auf, wenn man weiß, dass der andere ein Normaler ist, während man selbst „ein bisschen weird“ ist.

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Was eine Frau für einen Berufsfußballer tun muss (II)

Normalerweise nähme man an, dass es eher die Männer sind, die ihren Frauen bestimmte Musik näherbringen oder deren Geschmack in gewisser Weise mitbestimmen und -formen. Unter Anderem nimmt man dies deshalb an, weil man so wenige Menschen mit ausgeprägter Plattensammlung kennt, die Weibchen sind, und so viele davon, die Männchen sind. *

Profi-Fußballer, Berufsfußballer hingegen haben ohnehin schon wenig, sehr wenig Zeit. Noch dazu bleibt gerade in jener Lebensphase, in der der Wunsch nach einer ausgeprägten Plattensammlung reift, der Phase des Heranwachsens, wenig Zeit, sich mit irgendetwas Anderem als Fußball zu beschäftigen. Also auch nicht mit Musik. Und was eine patente Berufsfußballerfrau ist, die weiß, was sie dann tun muss. Sie muss dem Manne die Entscheidung abnehmen. Neben den Maßnahmen, die man ohnehin schon kennt. Natürlich weiß auch die Frau des älteren Rummenigges, dem Berufsfußballer, was sie für ihren götterbeknieten Gatten tun muss, berichten 11Freunde im SPON über das Lied „Rummenigge, sexy knees“ von einem Treffen der beiden Interpreten mit dem Besungenen selbst:

Frage: Und wie fand er das Lied?

Denise: Als wir ihn trafen, fragte ich ihn gleich nach seiner Meinung. Er sagte, als er das Lied das erste Mal hörte, sei er sich nicht sicher gewesen, was er davon halten sollte. Als seine Frau dann aber sagte, sie würde es unheimlich gut finden, mochte er es schließlich auch.

So muss Karl-Heinz Rummenigge sich also von seiner Frau bevormunden lassen, weil er keinen eigenen Musikgeschmack entwickeln konnte. Ein hoher Preis, den man fürs Berufsfußballertum zahlen muss. Oder er ist einfach immer noch nicht genesen von seinem langfristigen Weißbierkonsum. Wobei Bier ja, wie man weiß, normalerweise den Musikgeschmack sagen wir: entintellektualisiert. Da hätte er also selbst drauf kommen können, dass dieses schöne Lied doch eigentlich „unheimlich gut“ ist.

Man darf sich gerne selbst überzeugen, was dabei herauskommt, wenn Berufsfußballerfrauen die Rubrik „Musikgeschmack“ für ihre Berufsfußballerehemänner übernehmen:

* Ausnahmen bestätigen die Regel.

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Eine wundervolle Saison

Es ging zuletzt bei Jens Peters durch seine eigenen Rundungen, der aber im Endeffekt auch nur auf eine selbst titulierte Nutte einen Junkie verwies: Es hat den Anschein, als sei das Netz vornehmlich dazu da, zu twittern zu nörgeln. Das Nörgeln stellt den Grundzustand des Netzes dar. Das Nörgeln stellt auch den Grundzustand des Menschen dar, was sich einander bedingt. Schauen wir länger ins Netz, wissen wir irgendwann nicht mehr, wer zuerst da war: Der Blick ins Netz, das da wie ein ruhiger Fluss ständig vor sich hinnörgelt, oder der eigene Impuls, zu nörgeln. (Wäre es nicht schon mit anderen Assoziationen besetzt, drängte sich beinah dieses Bild auf: Sehr passend, wie jeder zu Hause sitzend in den großen Wurm des Nörgelns einstimmt.)

Natürlich wissen wir, dass alle Umfragen früher schon hauptsächlich deshalb für den aufs Schafott einer öffentlichen Abstimmung Geführten negativ endeten, weil zu Zeiten des Telefons (damals, you know) eben nur jene zum Telefon griffen und Neunundachtzig Pfennig für einen Anruf zu zahlen willens waren, die sich wirklich ärgerten. Wer sich eher weniger über den oder das Abzustimmende ärgerte, dem leuchtete auch nicht ein, diese Neunundachtzig Pfennig zu investieren: Es ist doch alles beinahe Bestens. Wozu sich also abmühen?

Begegnet man Menschen, die sich in einer meist teigähnlich geformten Auseinandersetzung mit anderen Menschen befinden, hört man auch von ihnen meist nur Schlechtes. Eine teigartige Verflechtung mit genau einem anderen Menschen, welche Spaß macht, zu gelingen, ja, aufzugehen scheint, ist selten der Rede wert. Worte der Begeisterung wollen auch nicht so leicht aus der Feder, dem Mund oder der Hand kommen wie der sich nur kurz anbahnende, dann aber abgeleitet werden müssende Impuls, seinem Unbill, seiner Missachtung und seiner Abscheu sowie seinem Nichteinverstehen Ausdruck zu verleihen.

Deshalb, weil das Grundrauschnörgeln der Grundzustand ist, und weil es eben da es immer gleichförmiger zu werden scheint, kaum noch dazu langt, sich dafür aus dem Bette zu erheben, deshalb wird es heute ausgerufen: Das Wochenende des Wohlfühlens. Wir für unseren Teil fühlen uns natürlich nur mit dem deutschen, gerne auch mit dem internationalen Fußball wohl. Damit aber zumindest für diese Woche umso mehr.

Fangen wir also an damit, den Blick auf die tollen, faszinierenden, begeisternden, ästhetisch ansprechenden, hintergründigen oder kurz gesagt einfach schönen Dinge des Fußballkosmos zu werfen, wobei dabei ausdrücklich nicht die Schönheit der Gesichter oder Körper bestimmter Handelnder gemeint sein sollen, denn diese Dinge finden wir immer — ganz unabhängig vom Grundnörgelrauschen des Netzes, welches ja schließlich wiederum nur das Grundrauschnörgeln der Menschen ist — schön.

Hier soll das im Fokus stehen, was wir sonst eigentlich allzu gerne bekritteln: Schiedsrichterentscheidungen wie zu wenig abseits, zu oft abseits, zu häufig Foul, zu oft indirekter Freistoß, zu rote Karten. Zu wenig Zuschauer, zu viele Zuschauer. Falsch singende Zuschauer, zu laut, an den falschen Stellen singende Zuschauer. Mit Trikots in der falschen Farbe singende Zuschauer. Schlechte Uhrzeiten und schlechte Stimmung, schlechte Stadien als solche, schlechte Anfahrtswege, schlechte Endergebnisse, schlechte Trainer, schlechtes Geld von schlechten Menschen, schlechtes Doping, alles schlecht, wir ergötzen uns am Götzen der Nörgelei.

Ich fange also an und werfe das Runde namens Schönheit in das Sperrige namens meine Webseite, die sich mit Fußball beschäftigt: Diese Saison ist außerordentlich schön anzusehen. Schöne Tore fallen (außer in Frankreich) ja ohnehin in jeder Saison viele. In dieser Saison gibt es aber neben außerordentlich schönen Spielen (Bayern-Hoffenheim) auch einen außerordentlich schönen Saisonverlauf und das sogar in allen Himmelsrichtungen (außer in Dortmund). Es perlt das Glück auf meiner Nase, zu sehen, wie auch nach zwei Dritteln der Saison immer noch ein Drittel der Saison Meister werden kann.

Wie wunderbar es ist, wenn Borussia Mönchengladbach gegen Köln gewinnt, wie wunderbar es ist, wenn wir eine direkt verwandelte Ecke sehen, wie wunderbar es ist, dass wir nicht mehr in Zürich nachlesen müssen, dass es uns gibt. Wie anstrengend es ist, dass Ibrahimovic kaputt ist, wie wunderbar es ist, dass Helmes alles noch reißen kann, dass die Hertha ernsthaft noch Meister werden kann und dass Hoffenheim nach der Hinrunde jetzt noch abkackt. Dass Daum plötzlich leise ist, dass der Rasen immer noch nach frisch gemäht riecht, dass Bälle im Winkel einschlagen, dass es endlich wieder müllert.

Und zu guter Letzt: dass es nur dann noch ein Wunder bleibt, wenn man nicht weiß, dass es eins ist.

So, bitte-butt,

machen wir es uns klar:

Die Wochen der Wohlfühlzeit sind da!

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Mourinho rutscht Hand aus

Es gibt Nachrichten, die sind so abstrus, dass es schwer fällt, sie zu glauben.

Griechenland Europameister gehört in die Rubrik. Andy Möller wechselt zu Schalke war ein ganz heißer Kandidat der Kategorie „unglaubwürdig“, muss eine Ente sein. Ebenso dass Litmanen zu Hansa Rostock wechselt oder dass Uli Hoeneß keine Email-Adresse besitzt.

Und dann gibt es Nachrichten, bei denen wundert man sich überhaupt nicht und hält das Geschehene für absolut zutreffend, ohne es weiter prüfen zu müssen.

Matthäus mit Tochter Müller-Wohlfarth liiert. Christoph Daums Haarprobe ist positiv.

Und jetzt eben „Mourinho schlägt Fan“.

Das passt einfach.

Wenn man annimmt, dass Jose Mourinho sein Auftreten eben nicht zu großen Teilen inszeniert, sondern wirklich so ist, wie er sich gibt, dann passt es, dass der Auserwählte sich von ein paar dahingeworfenen Beleidigungen so sehr provoziert fühlt, dass ihm die Hand ausrutscht. Dieses Jähzornige in seinem Auftreten, das deutlich spürbare Brodeln eines Vulkans in ihm, macht es kaum noch nötig, die Meldung von seiner Attacke noch weiter zu prüfen. Juristisch selbstredend schon, aber das Bauchgefühl sagt:

Das passt.

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Trauerflor

Man hat es ja in Zeiten der Überwachung nicht leicht und muss sich hüten, nur noch Negatives zu schreiben. So war das hier auch nie gedacht. Wenn es aber nötig ist, dann ist es nötig. Und ein Trauerflor ist überhaupt nicht nötig.

Wo ist denn da eine Verbindung zwischen einem Amokläufer, seinen Opfern, und den Teams der Bundesliga?

Contra das Aufspringen auf Züge, die in ganz anderen Regionen fahren.

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München, Stadion Opera

And the rest of you, if you just rattle your jewelry

Wie man möglicherweise inzwischen an anderen Stellen erfahren hat, war Trainer Baade nicht alleine in München, sondern mit einigen anderen Menschen, die ebenfalls eingeladen worden waren. Wer das im Detail war und darüber auch öffentlich berichten möchte, wird das auf seiner jeweiligen Seite tun, womit schon mal klar ist, dass nur Gäste anwesend waren, die selbst eine Seite betreiben, im Webdeutsch auch „Clochards“ genannt.

Auf dem Programm stand neben einer „Produktpräsentation“ (was sich zugegebenermaßen sehr nach Kaffeefahrt anhört, die es aber nicht wurde) die Partie FC Bayern München gegen Hannover 96, zu betrachten von den beiden Logen der Einladenden aus: Anstoß sollte um 11.55h sein, wie die Zeitungen versicherten, besonders für Jürgen Klinsmann, der wenig erfolgreich in die Rückrunde gestartet war und dem Kritiker schon den Abflug nach Florida (von da aus zu Fuß weiter nach Kalifornien) voraussagten, sollte es gegen Hannover 96 erneut eine Niederlage setzen. Als wir also um kurz vor 12h am Stadion eintrafen, war außer ein paar versprengten Polizei-Einheiten und den an diesem Tage bei Plusminus Null Grad besonders häufig von oben nach unten heraufsteigenden Schneeflocken noch niemand zu sehen. Offensichtlich hatte niemand unsere Gastgeber informiert, dass die Partie schon so früh beginnen würde. So blieb Zeit genug, sich den einen oder anderen Zeh abzufrieren und sich in die winterliche, abweisende Landschaft in Form einer festgefrorenen Eissäule zu integrieren. Kleine Kinder erkannten schon nach wenigen Minuten nicht mehr, dass es sich um lebendige, aber eingefrorene Menschen handelte und begannen, Karotten in die offenstehenden Öffnungen zu stecken und an Knöpfen herumzuspielen, deren Zweck es eigentlich war, die eigene Anwesenheit in der Öffentlichkeit weiterhin jugendfrei gestalten zu können; von den Aktivitäten passierender Hunde ganz zu schweigen. Glücklicherweise wurde der Irrtum bezüglich der Anstoßzeit bald aufgeklärt. Hannover hatte im Vorhinein zu verstehen gegeben, dass man an die eindrucksvolle Serie bei Auswärtsspielen anknüpfen wolle: Erst 1 Punkt auswärts bislang, denen man keine weiteren hinzuzufügen gedenke. Die Uhren wurden wieder gerade gerückt, Klinsmann atmete auf. Also doch 15.30h Anstoss. Wir aber waren schon dort, was nun tun mit der vielen Zeit?

Es bot sich an, sich mal im Bauch des Stadions umzugucken, was nach dem Auftauen auch ganz leicht fiel. Dort stehen fein säuberlich alle Erfolge des FC Bayern aufgelistet. Da diese Liste bekanntermaßen nicht kurz ist, verging die Zeit zwischen 13h und dem schließlichen Öffnen (ha!) der Loge um 13.30h geradezu wie im Flug, dessen Kosten übrigens ebenfalls die Einladenden übernommen hatten. Weiterhin anwesend in diesem Eingangsbereich zu den Logen war eine ganze Reihe von Gästen aus Hannover. Man hatte sie mit falschen Versprechungen ins Stadion gelockt. Unter Anderem wurden Sie nicht über die Rolle, die Hannover 96 in diesem Spiel zu spielen gedachte, benachrichtigt. Außerdem wurde ihnen vorgegaukelt, dass die im heute schwarzen Trikot von Hannover umherlaufenden Spieler zuvor schon mehr als nur ein Mal zusammen trainiert hätten, so dass so etwas wie Laufwege untereinander bekannt seien. Tja, Pech gehabt. Dennoch kam ihre Anwesenheit nicht ganz ungelegen, so wurde man im VIP-Gedränge vor dem Einlass schneller wieder warm.

Das Stadion

Jeder kennt wohl die vielen Bilder der Allianz-Arena, wie sie zur WM erbaut und genutzt wurde, gerade erst fuhr Jens Peters an ihr vorbei. Ganz sicher ist sie eine eindrucksvolle Konstruktion und von den aktuell existierenden deutschen Stadien das optisch Exotischste, dennoch wirkt das Stadion wie von — Erich von Däniken hatte doch Recht — Aliens in der Landschaft wahlweise abgesetzt oder bei der Rückreise vergessen, sci-fi-artig oder auch Ufo-haft, somit aber auch auf unangenehme Weise surreal. Bindung zu seiner Umgebung erhält dieses Gebäude durch flankierendes Was-auch-immer in diesem Umfeld leider nicht. Die „Esplanade“, die sich von der U-Bahn kommend zum Stadion hin erstreckt, könnte gut und gerne ebenso im verlassenen Tschernobyl stehen. Lieblos, zugewuchert und ungepflegt, wie überhaupt das gesamte Umfeld des Stadions so wirkt, als sei es noch nicht fertig. Ein längerer Weg von der U-Bahn zum Stadion ließ sich wohl planerisch nicht vermeiden, etwas, was man z. B. in Düsseldorf deutlich besser hinbekommen hat. Dort ist man mit Austritt aus der U-Bahn direkt am Stadion. Möglicherweise trübten die niedrigen Temperaturen auch die Sinne, und der Fußmarsch von der Haltestelle hatte gar keine bemerkenswert epischen Ausmaße, dennoch erscheint nur das Stadion selbst unter Berücksichtigung dessen entworfen, was heutzutage möglich ist, nicht jedoch das Drumherum.

Vollkommen unerklärlich bleibt noch dazu, wieso man vom Flughafen kommend keine Verbindung mit dem ÖPNV zum Stadion hat. Der Flughafen liegt noch weiter nordöstlich der Stadt als das Stadion; somit aber in derselben Gegend. Klar kommen die wirklich wichtigen Leute ohnehin mit dem Wagen inklusive Chauffeur, Gästefans, insbesondere bei internationalen Spielen, Gegner und Clochards aber wohl in aller Regel mit dem Flugzeug und anschließender Nahverkehrsmittelnutzung. Verständlich, dass die Münchener diesen Zugereisten unbedingt ihre schöne Stadt zeigen wollen, bei allem Stolz, den man in Bayern auf das Erreichte und Gebaute pflegt. Folge dessen ist leider, dass man erst ein Mal die Reise vom Flughafen bis zur Mitte der Stadt machen muss, um anschließend von dort aus fast die selbe Distanz wieder zum Stadion zurückzulegen. Die wenigen Kilometer, die zwischen der U- und der S-Bahnlinie liegen, die hier angesprochen sind, waren zumindest wenn man den Plänen des ÖPNV Vertrauen schenken darf, nicht miteinander verbunden. Ärgerlich und unverständlich. Sollte es auch dafür eine stichhaltige Erklärung geben, wie weiter unten für die Aufteilung der eigenen Fans in verschiedene Blöcke, bin ich gespannt, sie zu erfahren.

Im Inneren des Stadions ist der oben erwähnte Eindruck eines UFOs ohne Bindung zum Umfeld schnell weggewischt. In diesem Biotop fühlt man sich wie in einer wie aus einem Guss gestalteten eigenen Welt, in der es tatsächlich schon 2009 ist, und nicht wie draußen immer noch 1973. Vom Dach bröckelte zwar zunächst — vor Ankunft des gewöhnlichen Publikums — noch die eine oder andere Eisplatte herunter, die dann laut krachend im leeren Zuschauerbereich zerbarst. Offensichtlich gibt es mit diesem Thema ansonsten aber keine Probleme, zumindest hat man davon nie gelesen noch gehört. Die von außen wie ein sich aufblähender Schaumkopfkuss wirkende Konstruktion verliert diese Konnotation im Inneren, zum Glück, völlig. Gerade der förmliche Verlauf des gesamten Inneren des Stadions wirkt mit seinen stromlinienförmigen Rundungen wie aus einer noch zu erwartenden Zeit, in der Gebäude und Produkte unter Berücksichtigung der Prämissen, die das menschliche und somit natürliche Gehirn anmahnt, gestaltet sind.

Das Dach wirkt anders als in anderen Stadion weder überdimensioniert noch wie gezwungen obendrauf gepfropft. Vielmehr verstärkt es den Eindruck, dass hier aus einem Guss gestaltet wurde. Dies mag für Stadien neuerer Bauart selbstverständlich sein, trifft aber beispielsweise auf das elendige Dach des Berliner Olympiastadions oder das Luck änd Viel des immer wieder restaurierten Westfalenstadions nicht zu. Natürlich sitzt man tatsächlich „hautnah“ am Spielfeldrand, obligatorisch bei neuen Stadien. Und trotz seiner nicht geringen Größe ist man selbst zwischen zweitem und drittem Oberrang, wo sich die Logen befinden, wesentlich weniger weit vom Spielfeld entfernt als es Fernsehbilder und Panorama-Postkarten vermitteln. Trotz des Fassungsvermögens gute Sicht, die jedem Amateur im Zuschauerbereich die augenblickliche Beurteilung von strittigen Szenen ermöglicht. Nicht, dass Leute das nicht auch dann tun würden, wenn sie gar nix erkennen könnten, aber hier hat man die Gelegenheit, wenigstens den Schein zu wahren.

Das Spielfeld selbst war in einem erbärmlichen Zustand und man darf davon ausgehen, dass es das auch schon vor den Schneefällen der letzten Tage war. Ein Drittel des Spielfeldes war mit neuem (?) Rasen versehen, die anderen zwei Drittel mit massig nachträglich eingebundenen Rasenplatten. Nicht nur optisch nicht schön, das wäre ja zu verschmerzen, sondern möglicherweise mitverantwortlich für die Standprobleme mancher Spieler. Immer wieder erstaunlich, wie horrende Summen für Spieler und Stadien ausgegeben werden, aber der Untergrund, auf dem der Sport dann ausgeübt werden soll, stiefmütterlich behandelt wird. Vielleicht sollte man doch mal über den Loddar als Greenkeeper nachdenken, zu tun gäbe es offensichtlich genug.

Die Loge

Da es zwei einladende Unternehmen gab, wir aber mit runden (Der Baade!) 20 Personen zur Partie „Produktpräsentation vs Clochards“ aufliefen, wurden die beiden Logen der Verantalter zusammengelegt. Prunk und Protz sucht man in den Fluren dieser Etage vergebens, nicht mal ausnehmend elegant wirkt dieser Ort, der mit seiner zentralen Lage auf Höhe der Mittellinie und noch dazu über der VIP-Tribüne wohl der exquisiteste aller Orte in diesem Stadion ist. Zwei magere Pissoirs, wenigstens Mario Gomez hätte keine Probleme, sich zu entscheiden, eine nicht mal richtig verkleidete Holzabtrennung zum anderen Klo. Eine Visitenkarte sieht anders aus. Ich schreibe das nicht mit Häme, sondern mit Verwunderung. Da hätte man doch Repräsentativeres erwartet.

Die Logen selbst sind scheinbar alle unterschiedlich gestaltet. Nebenan fand ein Kindergeburtstag statt. Jesus (bitte englisch lesen, nicht deutsch), hätte ich als Knirps in einer Loge der Bayern meinen Kindergeburtstag feiern dürfen, ich hätte augenblicklich aufgehört, noch weiterzuwachsen oder zu lernen. Warum denn noch anstrengen? König bin ich doch schon.

Zu jeder Loge gehören auch 3 „normale Sitzreihen“ im Stadion, die meisten kennen das Prinzip natürlich ohnehin aus eigener Anschauung in anderen Stadien oder aus anschauender Eignung im eigenen Stadion. Diese drei Reihen reichten dann auch gut und gerne für die versammelte Clochards-Schar (autsch). Sehr bequem, wenn auch sehr kalt. Um dem entgegen zu arbeiten, bekam man FC-Bayern-München-Sitzkissen mit intelligent darin enthaltenen FC-Bayern-München-Decken gereicht, welche normalerweise sicher ebenfalls im Preis enthalten sind.

Während wir auf den Plätzen mit gutem Blick so herumsaßen, merkte ich plötzlich ein kurzes Ziehen an meinem Gesäß. Das kommt vor, zunächst dachte ich mir nichts weiter dabei. Dann wieder so ein Ziehen und dann noch mal. Patsch, haute ich jemandem auf die Hand, der sich an meinem Portemonnee zu schaffen machen wollte. Bevor ich mich umdrehen konnte, war der Unbekannte, der sich an meinen Geldern gesund stoßen wollte, aber auch schon wieder in eine der vielen anderen Logen verschwunden. Die Täterbeschreibung, die ich der Polizei dann aufgab, lautet so: „Ca. Ende fünfzig, ca. 1,80m, fettleibig, weit fortgeschrittener Haarausafall, Brille, mit Bayern-München-Jacke und mit ziemlich rot dampfendem Gesicht“.

Die „Stimmung“

Man liest ja allzu oft vom spanischen Operettenpublikum, das kaum Stimmung mache. Selbiges Phänomen solle sich angeblich auch in England verbreiten, weil die sanges- und trinkesfreudigen Brüder, die man eher in unteren Einkommensregionen zu finden glaubt, sich den immer teureren Eintritt (und wahrscheinlich auch das immer teurere Bier) nicht mehr leisten können oder angesichts dieser Veränderung des Publikums vielleicht auch nicht mehr leisten wollen.

In München bekam man einen schönen (Vor-)Geschmack darauf, was es bedeutet, wenn von 70.000 Anwesenden nur noch ein Häuflein nach alter Definition „echter Fans“ im Stadion ist: Diese kleine Gruppe von vielleicht 1.000 oder 1.500 Menschen, ich bin kein guter Schätzer von Menschenmassen, vielleicht waren es auch weniger, war die einzige, die überhaupt irgendetwas von sich gab. Obligatorische Ausnahmen wie das überall durchexerzierte Rufen der Nachnamen eines Torschützen* nach Nennung des Vornamens durch den Stadionsprecher bestätigen die Regel. Ansonsten war der Laden, was die Fußballatmosphäre angeht:

tot.

Und tot bedeutet hier natürlich nicht still. Natürlich macht es Lärm, wenn 70.000 Menschen irgendwo rumlungern, es wurde auch mal „Bayern, Bayern!“ gerufen. Aber das war’s. Keine Verunglimpfung des Gegners, auch nicht in der Phase, als es noch 0:0 stand oder man gar hinten lag. Keine Wechselgesänge, oder wenn, dann mit so wenig Beteiligten, dass es nicht so richtig funktionieren wollte. Aaahs und Ooohs je nach Spielsituation gab es immerhin, mehr aber auch nicht von einem Publikum, dem es offensichtlich ausreicht, nach Toren der Heimmannschaft den Schal und ein paar Fahnen zu schwenken.

Umso bizarrer wirkte das Dauergesinge des kleinen Blocks, der sich der Stimmung verschrieben hat.

Ich möchte betonen, dass ich kein Bayern-Hasser bin und deshalb nun zwangsläufig zu diesem ernüchternden, geradezu traurigen Urteil kommen musste. Mit einem Fußball-Samstagnachmittag wie ihn der Fußballromantiker kennt und wünscht, hatte das nur wenig zu tun, unbenommen der Tatsache, dass man als Logengast selbstredend ohnehin kein Teil der eigentlichen Zuschauerschaft ist. Dennoch ist mir selten ein Stadionbesuch untergekommen, bei dem in Relation zur Zuschauerzahl derart wenig Atmosphäre entstand. Man muss es so hart sagen: Das Stadion ist zwar immer voll, Stimmung ist aber selbst bei Hertha BSC mehr, und das sogar dann, wenn diese wie sonst üblich irgendwo um Platz 12 rumdümpeln.

Da nützt es wenig, wenn einer der anwesenden Bayern-Fans noch begründend hinzufügte, dass man die traditionellen Besucher der Südkurve im Olympiastadion aufgeteilt habe und eine Hälfte hinter das eine und die andere hinter das andere Tor verfrachtet hätte. Gleichzeitig sitzen die Gästefans in einer Ecke des Stadions. Dies ist in vielen Stadien Usus, dort lässt man den Gästefans aber unten an der Eckfahne wenigstens die Illusion, akustisch aufs Spiel einwirken zu können. In der „AA“ sitzen (!) die Gästefans oben unterm Dach.

Einzig der Block hinter einem der beiden Tore sang, wie man es von diesen Gruppen kennt, quasi unaufhörlich und ebenfalls relativ unabhängig vom Spielstand. Ich weiß nicht, was da schief läuft bei Bayern. Aber erstens verstehe ich jetzt noch viel besser die Diskussionen auf der vorletzten JHV um die Stimmung im Stadion. Und zweitens wäre es wohl tatsächlich so, dass ohne diese sich ständig als Gralshüter der Stimmung gerierenden Ultras im Stadion außer einem Grundrauschen akustische Ebbe herrschte.

Dennoch hatte es, gerade aus dem Blickwinkel der Loge, etwas von Zuständen wie in einem Zoo, Theater oder Zirkus. Nicht bezogen auf die Spieler, Hobby-Clown Podolski musste ja selbst spielen, sein Co Ribéry saß weit oben auf der Tribüne, da konnten sie keinen ihrer üblichen Späßchen anbringen. Bezogen auf diese Ultras, die man dorthingekarrt zu haben schien wie man eben beim Theater eine Kulisse aufbaut, die die gedachte Szenerie nur und aber immerhin andeutet. Jeder weiß, dass diese Pappfassaden keine echten Häuser sind, aber ganz ohne Papphäuser soll es dann doch nicht sein. Jeder weiß, dass 1.000 singende Fans keine Stadionatmosphäre erzeugen, aber ganz ohne soll es dann doch nicht sein.

* Funktioniert besonders bei „Lúcio“ nicht so gut.

Das Spiel

5:1 klingt nach einem rauschenden Fest, nach Offensivfußball der feinsten Sorte. Leider muss man festhalten, dass das Spiel allein aus der Vielzahl der Tore seinen Reiz bezog. Weder bäumte sich Hannover 96 mit allen nicht vorhandenen Mitteln gegen die Niederlage auf, noch war auf bairischer Seite zu erkennen, dass man wusste, was man tat. Der rutschige Boden nach dauerhaftem Schneebefall, der anders als in Düsseldorf oder auch auf Schalke in Ermangelung eines verschließbaren Daches richtigerweise ohnehin nicht verhindert werden könnte, tat sein Übriges, um Spieler beider Teams in aussichtsreichen Situationen immer wieder wegrutschen zu lassen. Alles Genauere von dem einzigen mitbloggenden Anwesenden dogfood.

Bleibt noch anzufügen, dass sowohl die Pfiffe bei der Vorstellung Jürgen Klinsmanns als auch der Doppelhalter „Klinsi raus“ nach der Wende mit dem schnellen Doppelschlag zum 2:1 nicht mehr gehört noch gesehen warden. Und dass Anwesende sich später beschwerten, dass im Gegensatz zu Luca Toni und Franck Ribéry, die bei jedem Tor jubelnd aufgesprungen wären, Tim Borowski sich regungslos verhalten hätte.

Der Anlass

Der Anlass für diese Einladung war nicht wie zu Unrecht befürchtet die mangelnde Auslastung des Stadions. Die Tatsache, dass T-Home in Kooperation mit Microsoft ein neues Produkt entwickelt hat, welches insbesondere in die Leben der Fußballinteressierten dieser Nation wandern soll. Da ich Fußball liebe, und nicht TV (auch wenn es in dem Fall eben ums Netz ging), war ich einer der denkbar schlechtesten Feedback-Geber für dieses Produkt. Ich verweise bei Interesse an der Diskussion der technischen und merkantilen Aspekte auf jene bei allesaussersport sowie auf dem Sportmedienblog.

Going T-home

Auf dem Rückflug war mir dann noch ein besonderes Vergnügen vergönnt: Direkt neben, vor und hinter mir saßen Teilnehmer eines Kurses zum Abbau von Flugangst. Nein, Dennis Bergkamp war nicht dabei, dafür aber eine Kursleiterin, die insbesondere bei Start und Landung Anweisungen in die Kabine donnerte, wie man wann zu atmen habe und welche Körperteile man in welche abstruse Stellung bringen solle. Dass die Teilnehmer sich in all ihrer Angst dann auch noch an den Händen fassten und beim Start ihre Angst wegwippen wollten, machte das Ganze nicht erträglicher. Zum Glück ist eine Wintermütze bestens dazu geeignet, zur Schlafbrille umfunktioniert zu werden.

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Warum indirekter Freistoss?

Die Rede ist jetzt ausnahmsweise nicht vom Indirekten Freistoss, der Presseschau.

Sondern vom indirekten Freistoß als solchem.

Ja, zur Hölle, warum?

Ich frage mich selbst, warum das keiner der sonstigen Anwesenden aufklären konnte. Indirekter Freistoß für den 1. FC Nürnberg zum 1:1-Ausgleich. Aber niemand wusste, warum das überhaupt passieren konnte. Die weit verbreitete Idee des „Rückpasses“ kann ja, so mich meine Augen nicht trügen, nicht zum Tragen gekommen sein. Tom Starke hatte den Ball gar nicht in der Hand.

Niemand sonst wusste die Alternativen zur Rückpassregel aufzuzeigen, die zu einem indirekten Freistoß geführt haben könnten.

Was besonders peinlich ist: Bis jetzt gerade, bevor ich anfange zu googlen, ist mir auch keine eingefallen, dabei gibt es indirekte Freistöße in Strafräumen schon seit lange vor der Einführung der Rückpassregel.

Wann zur Hölle gibt es indirekten Freistoß, wenn nicht gerade die Rückpassregel greift?

(Wer heute DSF geschaut hat, ist wahrscheinlich ohnehin schon rundum aufgeklärt worden. Diesen anzweiflungswürdigen Luxus hat man als Stadiongänger aber nicht, weshalb ich hier noch mal nachfrage.)

Es bleiben zwei Anmerkungen: Das angenehmste an einem Stadionbesuch ist neben der Übersicht über das komplette Feld, ohne auf einen (TV-) Regisseur angewiesen zu sein, die Abwesenheit von Kommentatoren.

Zweitens: Wenn der Fußball etwas vom Football adaptieren sollte, dann wäre es, dass der Schiedsrichter mittels Gesten für alle sichtbar erklärt, was er eigentlich entschieden hat.

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