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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Die Zombies haben Ausgang

Hans-Peter Lehnhoff schoss im Testspiel von Bayer Leverkusen gegen den Kreisligisten VfL Altendiez beim 15:1 zwei Tore.

Hans-Peter Lehnhoff? Der Mann ist 44 Jahre alt. Gut, Bernd Dreher ist dritter Torwart bei Bayern und auch nicht viel jünger, aber er steht im Tor. Was war da los? Der kicker schreibt davon, dass Hans-Peter Lehnhoff für diese eine Partie reaktiviert wurde. Man erinnert sich noch, wie Harald Schumacher 1996 im letzten Spiel der Saison, damals Torwarttrainer bei Borussia Dortmund, eingewechselt wurde, als die Meisterschaft schon feststand und Schumacher so einen weiteren Titel als Aktiver seinem Briefbogen hinzufügen konnte. Man weiß auch, dass Romário noch aktiv ist (oder bis vor Kurzem war) und dass in England Teddy Sheringham im Alter von 42 Jahren demnächst gegen seinen Sohn spielen könnte, in einem Profifußballspiel, nicht daheim im Garten.

Welchen Zweck die Reaktivierung eines Mannes im hohen Alter von 44 Jahren für genau ein Testspiel verfolgen soll, erschließt sich meiner Phantasie allerdings nicht. Wahrscheinlich ging es einfach darum, dass der alte Sack mal wieder Lust verspürte, das runde Ding ins Netz zu jagen. Sich dafür ausgerechnet einen armen Kreisligisten auszusuchen spricht aber nicht gerade von Sportsgeist. Trotzdem begrüße ich die Reaktivierung Lehnhoffs, im Boxen boxen schließlich auch ständig noch Opas gegeneinander und Profigolf kann man scheinbar bis ans Lebensende spielen.

Als ersten wünschte ich mir Otto Rehhagel wieder auf dem Feld, dann gerne auch den jungen Ernst Happel (okay, das wird schwierig), ich möchte sehen, ob Uwe Seeler tatsächlich so viel besser Fußball spielte als er denken kann und dann gäbe es noch einen ganz großen Wunsch: Paul Breitner, die allwissende Müllhalde, sollte endlich wieder die Stutzen runterlassen und zehn Elfmeter in einer Saison verwandeln, keinen einzigen Kopfball spielen und später dann von sich selbst interviewt werden, warum er so Scheiße gespielt hat und sich von sich selbst erklären lassen, was er alles falsch gemacht hat. Herrlich.

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Man weiß, dass …

… Fußball in den USA endlich angekommen ist, wenn selbst ein neues Stadion in Atlanta für nur 3.000 Zuschauer [Link leider tot] mit denselben bunten Sitzschalen ausgestattet wird wie das Rheinstadion die LTU-Arena in Düsseldorf, damit man nicht sieht, wie wenig Zuschauer tatsächlich im Stadion sind.

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Geheilt?

Muss ich mir Sorgen machen, wenn ich gerade in einem Kiosk am kicker-Sonderheft vorbeilief und es nicht kaufte, mich beim Gedanken ertappte, dass ja sowieso immer derselbe, an der Oberfläche kratzende Quark drinsteht und sich die Prognosen auch (fast) alle nicht erfüllen? Dass fussballdaten.de die Daten der Spieler ohnehin online bereit hält und alle Sonderhefte der übrigen Jahre fein säuberlich gesammelt bei mir rumliegen, ich aber sowieso nie reinschaue? Dass das einzige, was mich noch zur Ausgabe des Geldes für dieses gemeinhin Standardwerk genannte rote Bibelchen locken könnte, eine bevorstehende längere Bahn- oder Flugreise wäre?

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Die Fortuna Düsseldorf des nahen Ostens

Warum zum Teufel ist es so, dass Saudi-Arabien sich seit Jahren für jede WM qualifiziert, aktuell beim Asien-Cup wieder im Viertelfinale steht und dann doch bei jeder WM mit grottenschlechtem Fußball ohne jede Durchschlagskraft und ohne jeden Biss enttäuscht?

Ganz einfach: Weil Asien die Regionalliga des Weltfußballs ist.

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Ich bringe ihn um

Morgen bringe ich ihn um.

Wer den Loriot-Sketch nicht kennt, dem sei er ans Herz gelegt. Von hier aus. Von Beckmanns Sprecherkabine aus eher nicht, denn dort gibt es keinen Humor. Dort gibt es nur vorgefertigte Schablonen, dort gibt es nur Emotionen, Emotionen, emotions, nein, erwarten Sie nicht zu viel. Dort gibt es keinen Fußballkommentar, ob mit oder ohne Humor. Es gibt ihn nicht.

Sollte er noch einmal ein Spiel kommentieren, das ich schaue, werde ich ihm eine Axt an den Kopf werfen, auf dass das zugefrorene Meer in ihm schmilze, das verhindert, dass er das Spiel, welches ist, sehen und kommentieren kann, und nicht jenes, welches er gerne sähe oder welches sich doch eigentlich, gemäß seinen Vorstellungen, entwickeln müsste.

Morgen bringe ich ihn um.

(Falls hier irgendjemand das passende, von Beckmann kommentierte Spiel vermisst, das in den letzten Wochen ja gar nicht stattgefunden haben kann: Haben Sie je Wien bei Nacht gesehen? Haben Sie das schon erlebt? Oder anders gesagt: Ist es relevant, um welches Beckmannsche Spiel es hier geht? Man schämt sich ein wenig, aber man wünscht sich fast Faßbender zurück. Der war inhaltlich nicht besser, aber er blieb bei dem, weswegen wir eingeschaltet hatten: beim Fußballspiel.)

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Binge Eating im Juli

Während alle Welt über die Sinnlosigkeit des Betrachtens von Testspielen vor der Saison philosophiert, sahen das heute 45.000 Menschen anders und fuhren in den Borussiapark, um bei der Partie Mönchengladbach gegen FC Bayern dabei zu sein. Ungefähr drei Mal so viele Tore wie im Schnitt der letzten Saison erzielte die Borussia in diesem Spiel und kam so zur unglaublichen Zahl von zwei eigenen Toren. Das reichte für den Sieg gegen lucalose Bayern.

45.000 Menschen mitten zur Ferienzeit bei einem wurstigen Testspiel: Diese Zahl demonstriert uns, wie ausgehungert der gemeine Fußballanhänger ist. Da kann man sich auch mal an einem Testspiel sattsehen.

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Minutiös

Ich hab mich schon immer gefragt, wer nach Ende einer Partie diese auf allen möglichen Vereinsseiten existierenden minutiösen Spielberichte liest (außer den Kindern, die später solche Statistikliebhaber werden wie ich). Der bedeutungslose Zweikampf im halblinken Mittelfeld interessiert doch wirklich niemanden mehr, wenn man schon weiß, dass das Spiel ohnehin verloren wurde. Inzwischen ist auch mein Interesse für solche Details wie „23. Minute: Mrs. Krababbel macht sich die Schnürsenkel zu.“ erloschen.

Beim Verfassen eigener Spielberichte habe ich spätestens nach 50 Spielen gemerkt, dass man die Muse schon ziemlich heftig küssen muss, ob sie will oder nicht, möchte man nicht immer das Selbe schreiben. Allerdings ist ein Spielbericht als Fließtext ja noch mal etwas anderes als ein minutiöser Bericht.

Einen habe ich aber doch aufgetrieben, den selbst ich bei ansonsten erlahmtem Interesse an dieser Detailvesessenheit gerne gelesen habe: den vom WM-Finale 1954.

Wer wusste schon, dass sich in der 42. Minute Liebrich „zwei Mal […] glänzend in Schüsse der Ungarn“ warf? Oder dass Eckel in der 45. Minute „kurz zuvor noch länger nach einem Zusammenprall von Masseur Deuser auf dem Platz behandelt worden war“? Oder dass in der 58. Minute Kocsis „köpft. Die Latte rettet für die deutsche Abwehr!“? Die 86. Minute war da schon eher bekannt: „86. Minute: Kocsis flankt auf Puskas, der aus kurzer Entfernung ins Tor trifft. Aber der Schiedsrichter pfeift die Situation zurück. Abseits.“

Das Spiel war dann übrigens irgendwann „Aus!“ Aber das wusste man ja auch vorher schon.

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Ich spielte 4-3-3

Trainer, so heißt das hier, Trainer Baade. Ist natürlich Quatsch. In Wirklichkeit müsste es heißen: Manager Baade. Allerdings kein Manager deutscher Prägung, sondern britischer Sorte.

Manager Baade.

Stellt nicht nur die Mannschaft zusammen, organisiert die Mannschaft, die Termine, und so weiter und so weiter.

Also eher Manager und Trainer Baade. Das wäre für eine URL aber ein bisschen lang. Deshalb bleibt es beim Trainer Baade.

Und was so ein Trainer ist, den prägt eben das, was er von anderen gelernt hat. Nur habe ich leider überhaupt nichts gelernt, so lange ich Jugendfußball als Aktiver spielte. Vier-drei-drei, vier-drei-drei, vier-drei-drei. Das ist kein guter Freund von mir, das ist nicht das, was ich bevorzuge, das ist auch nicht das, was der Spielsituation angemessen war.

Vier-drei-drei, das ist einfach das einzige, was allen meinen Jugendtrainern eingefallen ist. Immer vier-drei-drei.

Unabhängig davon, wie der Spielstand war, ob 7:0 oder 1:9, ob 3:3 im Pokalspiel oder 3:4 im letzten entscheidenden Spiel. Spielstand egal, Spieler egal. Viele schnelle Leute? Vier-drei-drei. Viele technisch starke Leute? Vier-drei-drei. Eine schlechte Abwehr, ein schwacher Gegner? Vier-drei-drei.

Vier-drei-drei. So lernt man, was man tun muss.

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Wer immer nur vorne rumsteht …

… der kann eigentlich kein Eigentor schießen.

Glaubt man so gemeinhin.

Dann vergisst man aber das Spiel der Bayern von 1975 gegen Fluminense, bei dem Gerd Müller mit einem herrlichen Eigentor, wie nur er es kann (natürlich im Strafraum, aus der Drehung) das Spiel für den Gegner entschied. 1:0 gewinnt Fluminense. Und Gerd Müller ist der Depp. Komisch, dass man von solchen dummen Eigentoren nie liest, nie gelesen hat und nie lesen wird.

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Der Trick ist alt

Wer erinnert sich nicht an die Kübel von Hohn und Spott, die über der Mannschaft der „DDR“ ausgeschüttet wurden, als sie bei ihrer einzigen WM-Teilnahme 1974 im Spiel gegen Brasilien Opfer eines Freistoßtricks wurde, den — angeblich — im Westen jede Kreisligamannschaft kannte. Natürlich erinnern sich all jene nicht, die nach ca. 1966 geboren wurden, deshalb erzähl ich es noch mal kurz:

Freistoß für Brasilien vor dem Tor der DDR. Die Spieler der DDR bilden eine Mauer. Ein Brasilianer stellt sich in die Mauer, also mitten in die Mauer, wird nicht von einem weiteren DDR-Spieler „gedoppelt“, so dass die DDR sicher stellen würde, dass auch durch diesen vom Brasilianer eingenommenen Raum der Ball nicht ins Tor fliegen könnte. Der Freistoßschütze läuft an, der Brasilianer in der Mauer lässt sich fallen und der Schuss, der genau durch die dadurch entstandene Lücke rauscht, trifft zum Entsetzen der DDR-Spieler ins Tor.

Da ich weiß, dass ich nicht besonders gut erklären kann, habe ich mal nach Bildern von dieser Szene gesucht und tatsächlich eins gefunden:

[Link leider tot.]

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