Aus der Reihe „Total originelle Wortspiele“. Heute mit:
Adler.
Nein, bitte nicht. Diese Viecher können übrigens auch kacken, fressen, sich fortpflanzen, rumsitzen und gucken. Sie PIEP gar nicht die ganze Zeit. Und sich selbst auf der Brust tragen sie auch selten.
Früher kamen Entwicklungen und Trends aus den USA mit fünf Jahren Verspätung hier an, jene aus Großbritannien ungefähr ein Jahr nach ihrer Entstehung. Zu Zeiten von wuwuwu und damit einhergehenden Möglichkeiten haben sich diese Abstände dramatisch verkürzt.
Außer beim Fußball.
Da spielt die Bundesliga noch mit Libero (Nürnberg, Duisburg) und hält den Ball so lange, dass das Großhirn gar keine andere Wahl hat, vorm Stream sitzend auf Stand-By zu schalten, eine Einrichtung, die man auch unter der Bezeichnung Schlaf kennt.
Gestern das Spektakel im Namen Guiseppe Meazzas hingegen war großes Golf und man darf die Frage stellen, wieso so etwas mit 20-Jährigen schaffbar ist, welche hierzulande erst noch in die Provinz zum Lernen geschickt würden, statt sie direkt an Ort und Stelle und vor allem mit den eigenen Methoden zu verbessern um sie schlussendlich dazu zu verwenden, wofür man sie zu sich geholt hat: um den bestmöglichen Fußball zu spielen.
Heute widmen wir uns mal den großen Ligen des amerikanischen Fußballs Sports, weil ja unter der Woche die Bundesliga nicht spielt. Monday Night Football gibt es zwar montags in der zweiten Liga, aber sonst nix. Englische Wochen sind rar, Champions League und aufgeblähtem UEFA-Pokal sei Dank.
Weil es so schön ist, so herausstechend, habe ich das kicker-Profilfoto von Filip Trojan mal hier direkt geklaut, ohne mich zu erlauben gescreenshotet und eingestellt. Normalerweise strahlen solche Profilfotos die Raffinesse und den Stil einer Einkaufszone in Recklinghausen oder (hier die eigene Heimatstadt eintragen) aus. Oft genug ist es nicht mal die Schuld des Spielers, sondern die des Fotografinnen und außen: Das muss er doch sehen, dass der Typ zufällig gerade ein extrem unfreundliches Gesicht schneidet, mitten in die Kamera hinein und dass man dann auch so viel Respekt haben sollte, es noch einmal zu versuchen. Schließlich sind Kicker-Sonderhefte und auch Kicker-Webseiten-Spieler-Profile nicht etwas Marginales, sondern etwas Monumentales (so lange man unter 14 ist, jedenfalls). Ich höre schon die Stimmen aus dem Off rufen, dass sie durchaus auch jenseits der 14 noch etwas haben, nämlich Marketingwert, etwas, was man verkaufen will. Natürlich ist dem auch so, wer aber jenseits der 14 ist überhaupt noch empfänglich dafür, wie ein Spieler oder ein Kaderfoto aussieht? Man ist doch längst schon gefallen. Man ist doch schon dem Unbill des Zufalls erlegen und kann sich nicht mehr abwenden von Borussia Mönchengladbach, Hansa Rostock oder ja, auch dem VfB Stuttgart.
Schauen wir nun noch mal auf das Bild von Filip Trojan. Alles scheint hier zu stimmen. Der Hintergrund: links stehen ein paar Blagen, die sich das Fußballspiel der Erwachsenen angeschaut haben. Rechts ein Flutlichtturm, offensichtlich fand das Spiel in der Nähe, auf dem Vorplatz eines größeren Stadions statt, so wie es wohl in Köln, aber auch in Leverkusen, in Bremen möglich wäre. Das Trikot von einer Schlichtheit, dass selbst Mama inzwischen erkennen würde, dass da doch irgendetwas fehlt, um ein „richtiges“ Trikot zu sein, der Himmel blau, wie wir ihn lieben, wenn wir Fußball spielen, um Fußball zu spielen. Sicher weht auch ein leichtes Lüfttchen, sonst wären Trojans Haare nicht so zerzaust. Wären sie allein vom Spiel so zerzaust, hingen sie durchgeschwitzt alle nach unten, so aber, mit dem leichten Aufwehen nach oben sind wir inzwischen sicher, dass ein Lüftchen herrschen muss. Keines, das den Spielausgang zu verfälschen in der Lage wäre. Eher eines, das man erst dann spürt, wenn man nicht mehr läuft, nicht mehr trabt. Eines, das man spürt, wenn man gemächlichen Schrittes und das Herz noch leicht, aber natürlich stärker als zu anderen Gelegenheiten des Sonntags, pumpend zur Ausführung des Eckballs schreitet. Jenes Eckballs, der genauso wirkungslos verglühen wird wie 99 von 100 anderen Eckbällen in solchen Spielen es ebenfalls zu tun pflegen.
Wichtiger aber als diese Rahmenbedingungen ist Trojans Gesichtsausdruck, man ist schon eher geneigt zu sagen: sein Nicht-Gesichtsausdruck. Das Spiel scheint vorüber zu sein, irgendein wichtigtuender Schreihals an der Linie wird schon lange das Wort „Ende!“ gebrüllt haben, beim ersten Mal hatten es nicht aufgrund des Windes nicht alle Spieler gehört, so dass der Schreihals sich genötigt sah, ein zweites Mal „Ende!“ in den Sonntagnachmittag zu brüllen. Er wird es getan haben. Das ist klar.
Unklar ist, ob Trojan dann gejubelt haben wird, vielleicht ist er nur so abgeschlafft, es riecht fast schon nach Remis, denn eine Niederlage würde tiefere Furchen gegraben haben. Vielleicht hat er die eindeutigste Chance des Spiels vergeben, vielleicht erinnert sich trotz des deutlichen Sieges niemand mehr daran, er selbst aber gerade ganz besonders. Chancen vergeben ist nicht schlimm, es gehört dazu, komm, Filip, da muss man sich nicht so grämen. Die Zweifel am eigenen Können, wer weiß, ob er weiß, dass der Ball versprang oder ob er es weiß, aber auch weiß, dass es sonst keiner weiß, der zuschaute oder noch viel schlimmer mitspielte. Man ist nicht nach jedem Sieg gleichgültig.
Es bleibt beim Tipp auf Remis, eine Niederlage würde deutlichere Bände sprechen. Es sei denn, die Niederlage war nichts Anderes, als man erwartet hatte, man ist dann nur leicht resigniert, bis zur 30. Minute steht es noch 0:0, bis zur 45. Minute dann schon 0:2 und irgendwie ahnt man es, so man ein Bauchgefühl hat, das auch vorher schon weiß, dass man den Bus verpassen wird, dass man die restlichen 45 Minuten vergeblich gelaufen sein wird. Es ist dann kein eigentlicher Schmerz mehr, wenn man allein aus Hoffnung, nicht aber aus Überzeugung sich die Schuhe anzog.
Keine Niederlage, aber auch so wenig der Freude darüber, an einem freien Tag mit vielen Leuten bei solchem Wetter Fußball gespielt zu haben, die den Körper und somit vor allem das Gesicht (der Hundeschwanz des Menschen) durchströmen sollte.
Vielleicht wissen wir aber auch gar nichts von dem, was Filip Trojan beschäftigt, vielleicht ist es der schlimmste Moment des Tages, dass der Schiedsrichter/Schreihals das Spiel beendet hat: Jetzt heißt es, sich wieder mit sich selbst zu beschäftigen. Manchmal gibt es so Tage, an denen man lieber 0:11 verlöre, als dass der Schiedsrichter das Spiel abpfiffe. Willkommen zurück im eigenen Leben, das Spiel ist aus, die Show vorbei, der Vorhang fällt. Willkommen zurück in der Leere des Seins, wenn die Mitspieler nach Hause gehen und die Sonne so herbstlich-winterlich schön über dem Platz steht, aber man kein bisschen bittersüße Melancholie empfindet, sondern nur noch schwere Schultern und die Leere frisst sich schon mit dem Schlusspfiff ins Hirn. Dann guckt man vielleicht so und irgendjemand drückt auf den Auslöser.
Überflüssiger als ein Kropf ist dieses Blog, das sich einzig mit Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern befasst. So einen Quark braucht kein Mensch. Elfmeter ist, wenn der Schiedsrichter pfeift, ohne Zeitlupe.
Ein Spieltag. Es ist ein Spiel von rarer Konsequenz. Es ist auch gar kein Tag, es sind nur 90 Minuten plus eine wie auch immer geartete Pause, die der Schiedsrichter bestimmt. Danach geht man nach Hause oder wieder ins Bett. Die vier ist dabei selten. Es sind übrigens arabische Zahlen, gemeinhin.
Da bewegt man sich, wie es selbst für einen Fußballtrainer Pflicht ist, mal in anderen Gefilden, auf der Suche nach Inspiration, Entspannung, Information, Anregung und wer begegnet einem schon wieder: Günter Netzer und als dessen Sozius der omnipräsente Christoph Biermann.
Rainer Werner Fassbinder liebte angeblich Fußball. Selbst gespielt hat er ihn wohl nicht. Aber er liebte ihn. Da gibt es so manchen, für den beides gilt. Nicht aber für Hanna Schygulla, die ihr Schauspielleben zu Herbert Zimmermanns „Aus, Aus, Aus“ aushauchen muss(te).
Hier hießen alle Protagonisten am Anfang übrigens immer Rummenigge, aber das war noch, bevor das Licht strahlte.
Erstaunlich, dass es in diesen Breiten überhaupt HSV-Fans gibt. Welchen Anlass sollte ein junger Mensch in den letzten 20 Jahren denn haben, „Fan“ des HSVs zu werden? Mir fällt da keiner ein. Nichtsdestotrotz: dass der HSV 450km von seiner Heimstätte entfernt zum Meister gekürt wird, wenn auch nur graffiti-esk, lässt doch hoffen. Lässt hoffen, dass der HSV-Fan, der einsame, recht haben könnten. Sehr wahrscheinlich ist das nicht. Aber süß, irgendwie.
Ich habe ja auch immer gehofft, dass der Weihnachtsmann irgendwann das Playmobil-Raumschiff bringt und siehe da eines Tages lag es tatsächlich unterm Weihnachtsbaum. HSV. Kein Meister seit 1983.
Herzlich Willkommen, liebe Spielabsage. Du bist ein seltener Gast geworden in unserer schönen Bundesliga. Rasenheizungen, viel größere Dächer und Terminkalender mit Pausen mittendrin haben Dir vielerorts den Garaus gemacht.
Von morgen an haben wir begrüßenswerterweise mal wieder zwei Teams in der Tabelle, die rechnen dürfen, was wäre wenn, wenn sie jenes Spiel weniger, das noch folgt, verlören oder gewännen. Das ist reizvoll, denn die Frage „Was wäre wenn?“ dürfen wir uns nur noch selten stellen. Dabei ist das Ungewisse doch genau das, was die Spannung ausmacht.
Wir sehen drei Nationalspieler, teilweise Ex-, teilweise nicht. Zwei von dreien lachen, doch der, der nicht lacht, ist noch aktueller, während der, der am überzeugendsten lacht, zur Zeit Ex- ist.
Bastian Schweinsteiger, vom Kolumnisten-Beckenbauer-Double zuletzt hart kritisiert, lacht scheinbar aus dem Bild heraus. Lacht er überhaupt? Lacht er vielleicht den Fragenden, den Fotografen aus? Gab es vorher eine böse, eine naive Frage? Ist ihm gar jemand auf den Fuß getreten? Wenn es kein Lachen ist, ist es dann die Reaktion des Wahnsinns, in den einen ständige Beckenbauer’sche Tiraden zwangsläufig irgendwann treiben müssen? (Schweinsteiger ist seit 10 Jahren beim FC Bayern.)
Warum lacht Gerald Asamoah wie ein Honigkuchenpferd? Ist es vielleicht sein ganz normaler, eigentlich neutraler Gesichtsausdruck? Ist der Afrikaner so? Liest er keine Zeitung, zu viel Zeitung? Ist er wirklich so geschmeidig, wie sein Lachen verspricht? Interessiert es ihn gar nicht, ob er noch Nationalmannschaft spielt? Und warum lacht Patrick Owomoyela viel weniger, wenn auch nicht auf diesem Bild?
Warum lacht Timo Hildebrand nicht? Weil Torhüter einen an der Klatsche haben? Weil ihm die Freundin weggelaufen ist? Wegen Jens Lehmann? Jogi Löw? Geld mal wieder knapp? Zu viel youtube mit eigenen Fehlern geschaut? Hat er eine Ahnung, dass da doch noch was mit Oliver Kahn im Busch sein könnte?
Wir wissen es nicht, aber gerade das macht Fußball ja so spannend.
Originalfoto mit irgendwie gearteter Genehmigung von Daily Ivy, der sich wiederum bei dem ursprünglichen Aussteller bedient hatte, bzw. auch nicht. Fotos also von Daily Ivy, aber nur die Fotos von den Fotos. Herrgottsakra.
… sind diese millionenschweren Bundesligatrainer immer dann, wenn sie gerade gefeuert wurden. In den ohne sie verplanten und gestalteten Alltag ihrer Familie brechen sie nämlich unaufgefordert ein und haben noch dazu keine Aufgabe mehr, außer vor dem Telefon zu sitzen und es anzustarren, auf neue Jobs wartend.
Nur weil es mittlerweile Handies gibt und man problemlos auch im Café am Marktplatz Kaffee schlürfend und Zeitung lesend auf einen Anruf warten könnte, bedeutet das nicht, dass das auch jemand tut: Apathie, Agonie, Machtlosigkeit übermannen entlassene Trainer laut diesem Interview in der Zeit. Und das Schlimme ist: nicht mal Erfolg schützt gegen solche Leiden, wie man uns am Beispiel Ottmar Hitzfeld erklärt.
Schmerzensgeld also im wahrsten Sinne des Wortes ist der Trainerlohn. Und bevor man aktuell wieder „Slomka raus“ oder „Frontzeck raus“ ruft, sollte man noch einmal über die Folgen einer solchen Entlassung nachdenken. An dieser Stelle wird jedenfalls nichts gerufen.
[photopress:fff.jpg,full,alignright] Frankreichs Nationalmannschaft (dass wir hier über Fußball reden, ist wohl klar) hat den Ausrüster gewechselt. Obwohl adidas den zweifachen Europameister Frankreich seit 1972 mit Kleidung und Schuhen in den drei Streifen ausrüstet, ging der französische Verband nun von der Fahne: 42 Millionen Euro zahlt Nike jährlich. Zum Vergleich: Deutschland bekommt 25 Millionen im Jahr von adidas, Nike hatte 50 Millionen pro Jahr geboten.
Wenn man sich das deutsche Auswärtstrikot für die EM anschaut, könnte man der Idee anheim fallen, dass sich ein Wechsel aus ästhetischen Gründen auch für die hiesige Nationalauswahl lohnen konnte. Ansonsten müssen wir festhalten: den Kindern in Pakistan ist egal, ob sie für adidas oder für Nike schuften und den zig Millionen, die die Trikots einer Nationalmannschaft oder eines Klubs kaufen, ist auch egal, was draufsteht. Insofern ist das hier jetzt unter „Randnotiz“ abzulegen und keinesfalls unter „für Nostalgiker tragische Entwicklung“ oder unter „was früher blau war, darf niemals rot sein“.
Platini 1984 in Nike wäre dennoch unvorstellbar gewesen, für Nostalgiker jedenfalls.