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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Fußballer und Raucher: Minus Jogi plus Kloppo

Nachdem Bernd Schneider aufgehört hat, werden die Raucher unter den Fußballern immer weniger.

Bei den nicht mehr aktiv selbst Sportelnden gibt es allerdings wohl noch einige von ihnen, auch der Lothar schmöckt ja gern mal eine („Aber nur die Leichten“), und der folgende ältere Beitrag der Süddeutschen verrät uns, dass noch einer der Ex-Fußballer-und-jetzt-Trainer unter den Rauchern zu finden ist.

Einer, der Titel verrät es ja bereits, zu dem das aufgrund seiner Strahlemannhaftigkeit eigentlich gar nicht so recht passen will.

„Jürgen Klopp hat noch in Ruhe eine Zigarette geraucht, er stand dabei im Bauch des Mainzer Stadions am Bruchweg und unterhielt sich mit einem Mann von Fernsehen, während ein weiterer Mann vom Fernsehen ihn unablässig filmte. Dann hat er die Zigarette ausgedrückt und ist langsam in einen anderen Raum im Bauch des Stadions gegangen, wo er sich auf ein Podium setzte, von dem herab er wenig später einen wirklich guten Fußball-Witz fallen ließ.“

Jogi Löw hingegen soll einigen Quellen zufolge daran arbeiten, sich das Rauchen gänzlich abzugewöhnen, so dass sich Bilder wie von der EM 2008 nicht wiederholen werden, als er nach einer inhaltlich lächerlichen Sperre eine Partie seines Teams von einer VIP-Loge aus verfolgen musste, wo ihn natürlich die Kameras einfingen, wie er sich einen „Glimmstengel“ (vom Aussterben bedrohtes Wort) zu Gemüte und zu Lunge führte. Wie weit er mit seinen Aufhörversuchen gekommen ist, ist allerdings nicht bekannt. Wie auch immer, wenn Jogi einen Platz freimacht im Raucherclub, dann ist jetzt Jürgen Klopp da, um den Stuhl nicht kalt werden zu lassen.

Dass Kloppo Klopp aber auch zur Raucher-Fraktion im Bundesliga-Fußball gehört, bleibt relativ neu und überraschend. Hust.

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Muskatnuß, Herr Müller!

zu deutsch: jemanden tunneln
zu englisch: to nutmeg someone
zu österreichisch: ein Gurkerl schieben

„To nutmeg someone“ deshalb, weil man normalerweise zu dem, was da dann — im Männerfußball — ebenfalls untertunnelt wird, „balls“ sagt, und Muskatnüsse („nutmegs“) nun mal etwas kleiner als gewöhnliche „balls“ sind.

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Normal wie alle anderen

„Ich möchte endlich normal sein“, seufzte die Bundesliga-Tabelle, als sie sich auf den Sessel plumpsen ließ. Sie wirkte etwas derangiert und es hatte den Anschein, als wenn sie stürmische Zeiten hinter sich gehabt hätte.

„Wie normal genau?“

„So normal wie alle anderen.“

Schweigen.

„Wie welche anderen?“

„Sehen Sie nur in die 2. Liga. Da ist die Mannschaft mit dem höchsten Etat oben, die mit den kleinsten Etats sind unten. Das nenn ich normal. Oder in Spanien. Da sind immer die beiden Großen oben, egal ob Sommer, Frühjahr, Herbst oder Winter. Nicht so wie bei mir.“

Die Bundesliga-Tabelle blickte aus dem Fenster, wo sich hinter einer Regenwand der Herbst versteckte.

„In Holland werden immer die selben drei Meister, in der Türkei auch. Bei mir kommt immer mal wieder ein Außenseiter durch. Ich fühle mich wirklich sehr durchlässig. Das kostet Energie, und ich frage mich auch, wie das nach außen wirkt, so unaufgeräumt daherzukommen.“

Der Hinweis, dass sich diese Zustände in Holland zuletzt geändert hatten, hatte noch Zeit bis nach dem Lamento.

„Wer mich besucht, weiß nie, was er bekommt. Ich weiß es ja selbst nicht, was am nächsten Wochenende passiert. Mal ist unten oben, dann ist wieder oben unten und in der Mitte steckt auf einmal der Kopf. Das ist wie nach einem großen Rausch. Jedes Mal muss ich mich erst neu sortieren.“

Einer längeren Pause folgte der erste Blickkontakt.

„Ich will endlich normal sein, so wie alle anderen auch. Dieses ständige Neuerfinden, diese Achterbahnfahrten machen mich noch total plemplem.“

„Gibt es nichts Positives daran?“

„Nein.“

„Auch nicht, wenn Sie länger nachdenken?“

„Im Moment ist nichts normal. Alles ist durcheinander. Was soll ich denn sagen, wenn mich einer fragt, was Frankfurt da oben zu suchen hat? Das ist doch nicht normal! Es sollte doch alles zementiert sein, und das hieße, Frankfurt läge zwischen Platz 8 und Platz 12. Stattdessen legen sie eine Serie hin, die sie nach oben spült. Oder Mainz. 7 Siege am Stück – das ist doch nicht normal. Ich hab versucht, es zu korrigieren, jetzt verlieren sie nur noch am Stück. Das ist auch nicht normal. Aber wie soll sonst Normalität zurückkehren? Sie müssen verlieren, aber nicht so oft. Alles nicht normal.

Schalke. Schalke! Zehn Jahre lang die beste Defensive der Liga, dann kommt dieser Magath, wird Zweiter mit Nonames, auch schon nicht normal, aber dann verkauft er alles wie im Wahn und schon sind sie Letzter.“

Der Einwand, dass der FC Köln Letzter sei, nicht Schalke, wurde mit dem Hinweis weggewischt, dass „wenigstens das normal“ sei.

„Jeder sagt, dass man so einen Lauf wie der BVB nicht eine ganze Saison durchhalten kann. Wenn ich sie aber jetzt abstürzen lasse, dann ruft schon wieder jeder, wie vorhersehbar das alles sei. Hätte man gerade erst gehabt, mit dem Absturz der Hoffenheimer nach dem Herbstmeisterschaftsgewinn, werd ich dann zu hören bekommen.“

„Das wäre doch normal.“

„Nur immer normal geht ja nicht, weil sich dann auch wieder jeder beschwert. Wobei dann wenigstens keiner mit dem Argument Unglaubwürdigkeit um die Ecke kommt.“

Das Dunkel begann sich ein bisschen zu lichten, vor dem Fenster.

„Also ist es doch ganz gut, wenn es nicht immer normal ist?“

„Natürlich! Ich hab in den 1980ern und 1990ern mal drei Mal hintereinander die Bayern gewinnen lassen. Das war eigentlich normal. So normal wie dass Brasilien immer die Weltmeisterschaft gewinnt.“

„Aber Brasilien gewinnt doch gar nicht immer die Weltmeisterschaft?“

„Eben. Das ist völlig normal. Und so wird sich wohl auch keiner beschweren, wenn es diesmal wieder ganz normal wird. Oder eben doch, aber anders. Normal eben, dass ich die Bundesliga-Tabelle bin, und nicht die Primera Division. Ich will eigentlich auch gar nicht jemand anders sein.“

Das Selbstvertrauen kehrte offensichtlich zurück.

„Schließlich kommen die Leute mich genau deshalb immer besuchen, weil ich ich bin und nicht Holland. Glaube ich. So genau hat mir das ja noch nie einer verraten. Aber wenn ich alles normal sein lasse, wenn Bayern mit 10 Punkten führt, dann hab ich wirklich viel weniger Anrufe und auch Emails.“

„Wollen Sie denn viele Anrufe und Emails?“

„Ja natürlich! Wenn keiner mehr käme, das wäre traurig. Dann verfielen meine schönen Stadien und womöglich würde ich dann irgendwann selbst keine Lust mehr haben, alles würde den Bach runter gehen. Keine Kameras, keine Interviews, keine Zuschauerrekorde.“

„Was eine normale Reaktion wäre.“

„Weshalb ich beschlossen habe, dass es ganz okay ist, dass es für einen wie mich eigentlich ganz normal ist, nicht ganz normal zu sein. Dafür lieben die Leute mich. Und das mit dem Kopfsortieren nach dem Spieltag, damit muss ich dann wohl leben. Aber ich tu’s gerne. Für mich, und auch für die anderen.“

„Sicher?“

„Sicher. Normal ist langweilig. Und mehr noch als nicht normal zu sein hasse ich die Langeweile. So viel ist mal klar. Ich bin wie gesagt die Bundesliga-Tabelle, keine Zweite Liga, nicht die Türkei und schon gar nicht Polen. Ich denke, ich bin all die Jahre eigentlich auch ganz gut damit klar gekommen, dass ich nicht so normal bin wie die anderen. Allerdings war es selten so krass wie in den letzten Wochen. Deshalb hab ich wohl ein wenig überreagiert. Aber jetzt freu ich mich wieder, ich selbst zu sein. Nicht so ganz normal, was aber normal ist.“

„Dann können wir hier ja aufhören für heute, wenn Sie sich da doch wieder sicher sind, dass das ganz okay so ist, wie es ist.“

„Okay, gut. Danke.“

Die Bundesliga-Tabelle brach auf, viel spannungsvoller und energiereicher als noch beim Hereinkommen, öffnete die Tür mit einer zackigen Handbewegung und war schon fast draußen, als sie sich doch noch einmal umdrehte.

„Nächstes Treffen dann wieder am Montag nach dem Spieltag?“

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Eine Gesamtschule in Wuppertal

So trostlos die Überschrift (hoffentlich) klingt, so trostlos war auch dieser Job, den ich einst in Wuppertal verrichten musste. Die Uni war gerade vorbei, eigentlich dachte man, nun würde endlich die Kasse klingeln und die „Alk-inclusive“-Reisen und die Urlaube in der – schauderhafte Abkürzung – „Domrep“ wahlweise auf den Seychellen würden sich von nun an die Klinke in die Hand geben, nur kurz unterbrochen vom Unterzeichnen des Kaufvertrags des neuen A8, 11, 12, 18, 20, weg und so weiter. Pustekuchen!

Vor die tatsächliche Karriere hat der Herr, von dem die ZVS nie ein Wort erwähnte, noch Monate, wenn nicht gar Jahre des weiteren Darbens gesetzt, und einer dieser Monate führte mich und mein Sein nach Wuppertal.

In Durch Wuppertal, Schwebebahn war ich schon oft, weil meine Oma in der Nähe lebt. In Wuppertal selbst war ich hingegen nie. Was sollte man dort auch?

An einem feuchtklebrigen Septembermorgen aber musste ich dort sein, zum Vorstellungsgespräch für einen Job, der Akademikern vorbehalten war und dennoch von vorneherein auf nur 6 Wochen begrenzt war. Es ging um Interviews von Schülern, irgendein Bildungsminister irgendeines fernen Bundeslandes (hier: NRW) hatte irgendwas beschlossen, was die Qualität seines Ministerfachgebietes in seinem Bundesland erhöhen sollte, oder zumindest Voraussetzungen schaffen sollte, um zu wissen, an welchen Schrauben man überhaupt drehen müsste oder noch genauer: um überhaupt zu erfahren, welche Schrauben es überhaupt in diesem Metier gibt.

Wuppertal also.

Horden von Jünglingen, manche schwitzen, manche stinken darob, manche kämmen sich nicht, viele müssen oft pinkeln oder Ähnliches, die meisten lachen nicht aus Belustigung, sondern aus Scham, geschrien wird viel, Mädchen sind nur in seltenen Fällen eleganter als der Rest und so langsam entwickelt man Verständnis für Lehrer, die sich mit knappen 50 Jahren berufsunfähig schreiben lassen. In der Klapse ist es wenigstens still.

Hatte man noch damals, als man sich entschied, irgendwie doch eine Form von Missgunst denjenigen gegenüber entwickelt (Ben Redelings lässt an dieser Stelle grüßen), die sich dem Lehr“amt“ verschrieben hatten, so war spätestens an dieser Stelle klar, dass man lieber 52 Wochen pro Jahr arbeiten würde, als sich tagaus, tagein diesen Horden von lärmenden, teils pubertierenden, stinkenden, desinteressierten, albernen, krakelenden, schlicht: Kindern zu widmen.

Gott behüte jene, deren Wahl nach dem Abitur auf das Lehr“amt“ fällt. Und Gott sorge auch für ausreichend Platz in den Rehabilitationsanstalten, auf dass nicht jeder, der Lehramt studiert und später ausübt, dem Wahnsinn überantwortet werden muss.

Wuppertal also.

Mein Job war es, die Klasse zu bespaßen, während ein Kollege die Kinder in Einzelgesprächen und durch Ausfüllen von Fragebögen dazu bewegen wollte, sich in der 9. Klasse schon für einen Beruf zu entscheiden, bzw. einen Beruf zu finden, der den jeweiligen „Neigungen“ entsprechen könnte.

Später wechselte ich glücklicherweise in die Rolle desjenigen, der die Einzelgespräche führen durfte. Dabei kam nicht viel mehr heraus, als dass jeder zweite dieser Noch-nicht-wirklich-Teenies an schwerem Liebeskummer litt, sich in die/den Nachbarsnachbarn verliebt hatte (unglücklich, versteht sich) oder in seltenen Fällen auch in die Musiklehrerin. Ansonsten gab es nicht viel zu erzählen, Interessen hatten die wenigsten ernsthafte (nicht dass das an dieser Stelle abgesehen von Fußball und E-Gitarre damals anders war, aber naja), und wenn, dann wirkten sie so bizarr auf mich, dass ich unmöglich empfehlen konnte, dies als Beruf auszuüben.

Terrarienhaltung von Echsen und anderen Dinosauriernachfahren war eins davon.

Modellbau, ein scheinbar ausgestorbenes Hobby, war ein anderes, Modellbau von Autos, von Flugzeugen, alles selbst angemalt, aber nie in der Praxis erprobt.

Voltigieren war auch ganz groß, zumindest für die eine Lady, die mir davon mit funkelnden Augen berichtete.

Manche, viele, bekannten freimütig, außer Computerspielen und Chatten keine Hobbies zu haben und auch nicht zu wissen, wofür sie sich überhaupt interessieren sollten. „Freunde treffen“ war dann am Ende das meistverbreitete Hobby und so gesehen hatte ich dann doch noch was mit diesen jungen Menschen gemein. Computerspielen, Chatten, Freunde treffen.

In der ersten Phase, in der ich noch die Horden bespaßen beaufsichtigen musste, kam es immer wieder zu Szenen, in denen unsere beliebig dahingerotzten Bespaßungsmaßnahmen als solche enttarnt wurden. Natürlich war es scheißegal, welches Ergebnis die Schüler bei Aufgabenblatt A, C oder G erreichten, natürlich war es ebenso scheißegal, ob sie das Kamasutra-ähnliche Faltblatt korrekt zu einer Cheops-Pyramide zusammenfalteten oder nicht, es war eigentlich alles scheißegal, so lange sie ausreichend beschäftigt waren, um für die Einzelgespräche noch genug Hirnmasse in Wallung bringen zu können, auf dass ihnen eine sinnvolle Jobempfehlung gegeben werden konnte.

Man glaubt nicht, wie lang einem die Zeit von 8h bis 13.20h werden kann, wenn man einer Gruppe von jungen Menschen vorsteht, die bespaßt werden muss, ohne dass sie merkt, dass sie lediglich bespaßt wird und alle Maßnahmen, aller Eifer, alle Begeisterung und aller Ehrgeiz, die sie eventuell in die Aufgaben legen, spätestens um 13.21h im Papierkorb landen. Sie wird sehr lang. Der Lärm potenziert sich. Dezibel ist ohnehin eine logarithmische Größe, hier aber schien die Zeit einen zusätzlichen Faktor in die Logarithmierung der Lautstärke zu bringen: Je länger es dauerte, desto lauter erschien eine objektiv gleichbleibende Lärmquelle, Crescendo, immer lauter, orkanartig blies es in die Ohren, bis man seine eigenen Gedanken nicht mehr verstehen konnte, es war nur eine Frage der Zeit, bis das Trommelfell platzen würde und Amok winkte schon durchs hintere linke Fenster, verlockende Angebote machend, dass man ihn zum Teil der eigenen Persönlichkeit machen sollte. Lauter, lauter, lauter. Bitte, schweigt stille. Es gibt keine Stille, wenn um die 30 Kinder in einem Raum sind, es gibt auch keinen Moment der Besinnung. Es gibt nur Krach, Lärm, Hahnenkämpfe, Gegröhle, Flachwitze mit anschließendem ausuferndem Gelächter, es gibt seelenmalträtierendes Geschrei und es gibt wirklich keine Stille. Der Zeiger tickt, aber er läuft nicht weiter. Er scheint auf der Stelle zu ticken. 8h bis 13.20h, das ist mehr als ein ganzes Semester, und das 6 Wochen lang am Stück. Zeit, vergeh endlich, hab dich nicht so.

Ist es erst einmal 13h, raffen alle ihre Sachen zusammen und fahren ihre ansonsten schon nur auf ungefähr 1% der möglichen Konzentration befindliche Konzentration auf 0,0% herunter. Man verbringt ungefähr 20 Minuten im sinnfreien Raum, niemand hört zu, niemand macht irgendetwas, was ihm befohlen wurde, niemand macht überhaupt noch irgendetwas, außer seinen direkten Nachbarn zu ärgern oder seinen indirekten Nachbarn zu ärgern. Woraufhin dieser (oder jener) sich damit revanchiert, seinen direkten Nachbarn oder seinen indirekten Nachbarn zu ärgern. Ein Haufen voller Stecknadeln, bei denen man vergessen hat, die Batterien rechtzeitig zu entladen.

Wie glücklich ich bin, nicht Lehramt studiert zu haben!

Was das in einem Fußballblog zu suchen hat?

Ganz einfach, hier kommt dann das Pitchspotting ins Spiel. In jeder großen Pause blieben nämlich 15-20 Minuten Zeit. Die konnte man damit verbringen, auf dem Ascheplatz gegenüber vom Schulgelände rumzuschlendern und seine nicht mal mehr schrottreifen Akkus wieder aufzuladen. Sich Spielszenen vorstellen, das Klackgeräusch des Balles hören, wie er hinter dem Tor gegen den metallenen Zaun fliegt, die Rufe und das heftige Atmen der Spieler hören (und im Winter auch sehen, es war aber nicht Winter). Dem beinahe die Hand hebenden Hirn noch mal die Restreserven entlocken, die nötig waren, um die Zeit voller Irrer, in der die Zeit ihren Job einfach nicht machen wollte, durchzustehen. Einfach inhalieren.

Pitchspotting saves lives.

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Antrag auf Änderung des §3.1b Absatz 4kommadrei einen im Sinn

Der den vorherrschenden Zustand Beklagende fordert die folgende Ergänzung zum §3.1b Absatz 4kommadrei einen im Sinn mit der Inbrunst eines Liebhabers, der die Logik jetzt hier nicht vergewaltigen will, aber doch ein wenig Fußball gespielt hat in seinem Leben — und sogar schon mal Geld dafür bezahlt hat, zusehen zu dürfen, dass Menschen anderen Menschen einen Ball ins Tor hineinzuschießen versuchen:

Wenn schon das passive Abseits nicht ganz abgeschafft werden kann, sollte dieser Klamauk wenigstens dahingehend geändert werden, dass passives Abseits im Strafraum nicht möglich ist. Weil man nicht passiv Abseits stehen kann, wenn man im Strafraum steht, egal, wie viele neue oder noch neuere — der Franzose unterscheidet da ja sogar mit unterschiedlichen Wörtern zwischen der relativen Neuigkeit und der nicht so großen Neuigkeit — Situationen nach einem Hin- und Hergeplänkel der sich nicht entscheiden könnenden Spieler, was zu tun sei, entstehen. Denn:

Der Torwart ist immer in seinem Wirken beeinträchtigt, wenn sich gegnerische Spieler im Strafraum aufhalten, insbesondere, wenn diese vermeintlich abseits stehen, dann aber nicht abseits gepfiffen werden, weil sie den Ball, wie sie glauben, trickreicherweise, dann doch nicht berühren. Ins Spiel haben sie in jedem Fall eingegriffen, weil sie den Torhüter in seinem Stellungsspiel beeinflusst haben.

Deshalb hier der Antrag auf die Änderung des §3.1b etc. etc. pp.:

Passives Abseits gibt es nur außerhalb des Strafraums.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Bitte zeichnen Sie hier: (jetzt auf die Kommentierschaltfläche klicken.)

(Sollte dieser Antrag nicht angenommen werden, könnte man auch über einen einfachen Austausch der Bedeutung der Vokabeln passiv < = > aktiv nachdenken, das wäre aber ein Fall für die Duden-Redaktion und nicht für Schiedsrichter, 69.000 aufgebrachte Fans und ein Spiel, in dem es zumindest theoretisch immer mal wieder um die Region, den WM-Titel respektive viele Arbeitsplätze geht.)

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Altstars in ihrer Manege

Oder: Was Rudi Assauer mit Lisa Loch („Modelkarriere…“) zu tun hat.

Anders sieht es bei Calmund aus. Der isst jetzt fettfrei.

Was macht eigentlich Willi Lemke grade?*

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Swiss Late

Während hierzulande als Protestaktion nur einfällt, 15 Minuten lang den Support einzustellen oder mit dem Rücken zum Spielfeld zu stehen, was seine Wirkung bislang nie verfehlt hat, nämlich in einem kurzen Nebensatz eines Spielberichts abgehandelt zu werden und ansonsten vor allem die Verantwortlichen eines Vereins noch jedes Mal zu einer Änderung der abgelehnten Maßnahmen zu bewegen;

zu dieser Zeit zeigt man sich in der Schweiz wesentlich kreativer, als eine Partie der SüperAlpenLig zur unwillkommenen Uhrzeit um 12.45h am Morgen angepfiffen werden soll: die Basler Zuschauer werfen Hunderte Tennisbälle aufs Spielfeld, woraufhin die Partie unterbrochen und das Spielfeld gereinigt werden muss. Knappe zehn Minuten dauert diese Aktion samt Aufräumarbeiten und hat mehr Witz und Wirkung als alle bundesdeutschen Protestaktionen in Stadien zusammen.

Zum Beispiel jene Wirkung, dass sie hier erwähnt wird, während den Support einstellen — was nichts anderes als das Äquivalent zum trotzigen Luftanhalten eines Kindes ist — hier noch nie in einem einzelnen Beitrag Erwähnung fand, weil es so herzerweichend hilflos daherkommt, dass man den den Support einstellenden Supportern zurufen möchte, dass sie sich selbst damit namenlos machen. Und wirkungslos. Ersteres gefiele dem einen oder anderen sicher, ist aber nicht der Zweck der Aktion.

Basaler ist es, dass die Basler Fans überhaupt aufs Spielgeschehen einwirken, statt wie die Lemminge immer doch noch überall hinzupilgern, selbst wenn man dafür zwei Tage vorher aufstehen muss, obwohl es einem nicht gefällt. Nachahmer in Variationen erwünscht, statt stumm wie ein Fisch auf dem dennoch bezahlten Stehplatz rumzustehen.

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Was passiert, wenn Schalke doch noch absteigt?

Dann werden die Alteingesessenen irgendwann nichts mehr zu sagen haben, man wird hilflos nach einem Trainer angeln, möglicherweise aufgrund des Wunsches, unbedingt sofort wieder aufzusteigen, Spieler für überteuerte Preise einkaufen. Man wird sich Strömungen im Verein hingeben müssen, die von großen, neuen Stadien faseln, die Schalke nur benutzen, um ihre eigenen Erfolge und dabei vor allem sich selbst zu feiern. Man wird von der Presse, sogar von der Sport-FOTO, verhöhnt werden, nicht zuletzt wird der sportliche Erfolg auch in der 2. Liga auf tönernen Füßen stehen. Die Ur-Schalker Fans hingegen werden machtlos neben all dem Schauspiel stehen, wie man verdiente Leute vertreibt und wie sich jemand ihres Vereines annimmt, der nicht unbedingt Schalkes Bestes im Sinn hat.

Kurz gesagt: alles wird wie immer sein.

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Wo und wie kann man das „Fußballabzeichen“ machen?

Natürlich bei McDonald’s.

Ist doch klar. Wenn man bei der Nationalelf, dem liebsten Kind des DFB, für die Droge Bier wirbt, dann kann man beim Fußballabzeichen auch ordentlich fettige Pommes fressen und 400%-zuckerhaltige Cola saufen.

Okay, es ist ja mittlerweile wirklich geradezu langweilig, diese Sponsorenauswahl noch zu erwähnen.

Die vollkommen ernst gemeinte Frage darf aber gestellt werden: Könnte sich der DFB in diesen Zeiten nicht seine Sponsoren selber aussuchen? Müssen es dann ausgerechnet Drogen und Dickmacher sein?

Worauf der Beitrag aber eigentlich hinauswollte: Beim DFB kann man ein Fußballabzeichen machen. In Zusammenarbeit mit McDonald’s. Dabei muss man allerdings nicht Ronald McDonald seine Grinsebirne von den Schultern schießen, sondern ein paar andere mehr oder weniger knifflige Aufgaben lösen, die sogar mit Fußball zu tun haben — und nicht mit Monopoly auf dem Tablettblättchen bei McDonald’s oder mit Pfandflaschensammeln vor einem Bundesliga-Stadion.

Bitte mal kurz den Link anklicken und sich die Aufgaben anschauen, und man wird sehen: viele, viele Menschen, die über den Fußball berichten, hätten da so ihre leichten Schwierigkeiten damit, ein Fußballabzeichen zu erwerben. Im Fußball gilt zwar eigentlich nicht „Dabeisein ist alles“, hier aber sollte man ein Auge zudrücken. An der Aktion selbst gibt es diesmal wirklich nichts zu bekritteln, abgesehen eben vom „Kooperationspartner“.

Es ist im Gegenteil sogar so: Wenn man genau hinschaut, bekommt man eigentlich eher selbst Lust, endlich mal wieder ein paar dieser Fußball-Aufgaben zu lösen, die einem im normalen Spiel nicht unterkommen …

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Gib dem Affen Zucker

Was ist der FC für Sie?

E Jeföhl.

.

Man darf davon ausgehen, dass Frank Schaefer diese Antwort in anderen Konstellationen nicht gegeben hätte. E Jeföhl? Dann wäre es auch nicht erstaunlich, wenn er diesen Job nicht lange machen würde. Etc. pp. Der Rest des Beitrags schreibt sich von selbst. E Jeföhl.

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Bis dass der Tod uns

Eins verstehe ich wirklich nicht, vielleicht kann mir jemand der Betroffenen es erklären. Warum muss man seinem Verein, der einen irgendwann in ganz jungen Jahren erwählt hat — schließlich sucht man ihn sich nicht selbst aus — ein Leben lang treu bleiben?

Er tut nichts für einen, nimmt nur dankend die Kohle an, die man für (Dauer-)Karte und Bier und Bratwurst raushaut, im Gegenzug lässt er einen macht- und mittellos dastehen, führt einen meist durch tiefe Täler des Leids, manchmal führt er einen nach diversen Abstiegen gar in die entlegensten Orte des Landes, er lässt einen ewig warten, erfüllt aber so gut wie nie die in ihn gesetzten Erwartungen.

Er beutet einen aus, man selbst aber soll stets treu sein? Man darf keine andere neben ihm haben, man darf sein Herz nicht mal Liebeleien-like mal kurz woanders hin ausleihen, man wird nicht ernst genommen mit seinen Anliegen, Wünschen und Forderungen und dennoch wird man als ureigener Bestandteil, quasi als basaler Rechtfertigungsgrund für diesen Club genommen.

Abwenden aber darf man sich nicht, egal welche Missverhältnisse herrschen, welche Fehleinkäufe und -strategien angewendet werden.

Kein Mensch würde eine solche Nibelungentreue im wahren Leben fordern. Schließlich kann man sich immer noch selbst aussuchen, wen man heiratet.

Warum aber existiert dieser Ritus, Glaube, Brauch von der absoluten Treue, geradezu faschistisch-führer-esk, von dem man niemals abfallen dürfe, beim Fansein zu Fußballvereinen?

Erklärt es mir.

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Glück Auf, Königsblog!

Das ist ein kalter Hammer am Morgen und leider kein Scherz:

Das Königsblog macht dicht.


[photopress:koenigsblog.jpg,full,centered]

Eine Würdigung dieses überaus talentierten Schreibers, der Beiträge über den FC Schalke 04 auch für jene lesenswert gemacht hat, die diesem kein Glück wünschen, traue ich mir nicht zu, vielleicht kann der geneigte Leser sich dort selbst äußern und „Herrn Wieland“ danken, Glück wünschen, irgendetwas mitteilen oder auch einfach nur noch mal die Texte genießen, denn zur Stunde sind die Beiträge ja noch aktuell.

Eine Schande, dass der Macher beschlossen hat, aufzuhören.

Kommen und Gehen gehört nun mal zur Existenz dazu, man darf froh sein, dass sich nichts ereignet hat, was Torsten zum Abschied bewegen musste, aber man darf auch trauern, dass diese Lektüre nun wegfällt. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie sehr ich mich mit dem Königsblog angefreundet hatte, und wie sehr ich es nun vermissen werde. Wirklich, ohne falsches Pathos:

Es war eines der besten Fußballblogs, die wir in unserem Blogosquarium hatten.

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